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Physik-Nobelpreis an Deutschen - Nobelkomitee mahnt zu mehr Klimaschutz

·Lesedauer: 3 Min.
Diesjährige Physik-Nobelpreisträger (AFP/Jonathan NACKSTRAND)

Ein eindringlicher Appell zum Kampf gegen den Klimawandel - und ein deutscher Preisträger: Für ihre Forschungen zur Vorhersage des Klimawandels sind am Dienstag der Hamburger Physiker Klaus Hasselmann und sein US-japanischer Kollege Syukuro Manabe mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Die zweite Hälfte des Preises sprach die Schwedische Akademie der Wissenschaften dem Italiener Giorgio Parisi für seine Forschung über komplexe physikalische Systeme zu.

Der Vorsitzende des Nobelkomitees für Physik, Thor Hans Hansson, wandte sich an politische Entscheidungsträger in aller Welt. Er sei sich nicht sicher, ob diese die Warnungen vor dem Klimawandel endlich verstünden, wenn das Nobelkomitee sie darauf hinweise. Fest stehe jedenfalls, "dass die Klimamodelle solide auf Physik-Theorie beruhen". In knapp vier Wochen kommen bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow zahlreiche politische Entscheidungsträger zusammen.

Hasselmann und Manabe wurden für ihre physikalischen Modelle für eine "zuverlässige Vorhersage der Erderwärmung" geehrt. Sie hätten zum Verständnis beigetragen, wie das Erdklima funktioniert und wie der Mensch es beeinflusst.

Die andere Hälfte des Preises geht an Parisi für die Entdeckung, wie das "Zusammenspiel von Unordnung und Fluktuationen physikalische Systeme von der atomaren bis hin zur planetaren Ebene bestimmt". Die Akademie sprach von "revolutionären" Erkenntnissen des 73-jährigen Professors der Sapienza-Universität in Rom. Parisi bekommt eine Hälfte des Preisgelds in Höhe von insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 985.000 Euro), Hasselmann und Manabe teilen sich die andere Hälfte.

Hasselmann, der am 25. Oktober 90 Jahre alt wird, hatte früher das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg geleitet. Auf Grundlage seiner Forschung warnte er früh vor dem "Fingerabdruck" des Menschen beim Klimawandel. "In 30 bis 100 Jahren, je nachdem, wie viel fossiles Brennmaterial wir verbrauchen, wird auf uns eine ganz erhebliche Klimaänderung zukommen", sagte Hasselmann 1988 in einem Zeitungsinterview.

Der 90-jährige Manabe wurde in Japan geboren, lebt aber in den USA. Zuletzt forschte er an der Elite-Universität Princeton. Bereits in den 60er Jahren hatte Manabe nachgewiesen, dass der Temperaturanstieg auf der Erde mit dem CO2-Gehalt in der Atmosphäre zusammenhängt.

Die Bundesregierung gratulierte Hasselmann und dankte ihm via Twitter "für alles, was Sie zu unserem Verständnis des Klimas der Erde und des menschlichen Einflusses darauf beigetragen haben". Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, Hasselmann habe der Menschheit die Chance gegeben, die Gefahren durch den Klimawandel "rechtzeitig zu verstehen, um ihr Überleben zu sichern". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach angesichts der Auszeichnung für Hasselmann von einer "wunderbaren Nachricht für das Wissenschaftsland Deutschland - und die Klimaforschung weltweit".

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) lobte den Nobelpreis für Hasselmann als "fantastische Anerkennung" für den "Gründer der modernen Klimawissenschaft" und Mitbegründer des PIK.

Hasselmann selbst reagierte "vollkommen überrascht" auf die Auszeichnung aus Stockholm. Der Physik-Nobelpreis sei "aus heiterem Himmel" gekommen. Hasselmann rief zu einem entschlossenen Kampf gegen den Klimawandel auf. "Es gibt viele Dinge, die wir tun können, um den Klimawandel zu verhindern". Entscheidend sei, "ob die Menschen erkennen, dass etwas, das in 20 oder 30 Jahren passieren wird, etwas ist, auf das man jetzt reagieren muss".

Auch Parisi betonte, es sei nun "äußerst wichtig, dass die Regierungen so schnell wie möglich entschlossen handeln".

Hasselmanns Familie war 1934 nach England emigriert. 1949 kehrte Hasselmann nach Deutschland zurück. Er studierte in Hamburg und Göttingen Physik und Mathematik und lehrte nach seiner Promotion in Deutschland und den USA. 1975 übernahm er die Leitung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie.

Bereits im vergangenen Jahr war ein Deutscher mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Der Astrophysiker Reinhard Genzel teilte sich den Preis mit dem Briten Roger Penrose und der US-Wissenschaftlerin Andrea Ghez für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern.

Die diesjährige Nobelpreis-Saison hatte am Montag mit der Auszeichnung in der Kategorie Medizin für die US-Forscher David Julius und Ardem Patapoutian begonnen. Bis Ende der Woche folgen die Nobelpreise für Chemie, Literatur und Frieden, am Montag wird der Wirtschaftsnobelpreis verliehen.

isd/bfi

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