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Pferdefleisch-Skandal erreicht Lebensmittelriesen Nestlé

Der Pferdefleisch-Skandal hat nun auch den Lebensmittelriesen Nestlé erreicht. Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudel-Produkten nachgewiesen worden, für die das deutsche Unternehmen Schypke Fleisch geliefert habe, teilte der Schweizer Konzern mit. Die Verbraucherorganisation Foodwatch erklärte am Dienstag, der Fund zeige, dass Qualität nicht am Preis messbar sei - teuer sei nicht automatisch gut.

Nestlé erklärte am Montagabend, die in Italien und Spanien verkauften Sorten "Buitoni-Rindfleischravioli" und "Rindfleisch-Tortellini" seien sofort aus dem Verkauf genommen worden. Auch eine in Frankreich hergestellte Fertig-Lasagne für Gastronomiebetriebe soll demnach aus dem Verkehr gezogen werden. Eine Gesundheitsgefährdung gehe von den falsch deklarierten Produkten nicht aus, betonte Nestlé.

Schypke in Steinfeld-Mühlen im Münsterland schob die Verantwortung für das falsch deklarierte Fleisch auf seine Lieferanten. Der Betrieb selbst sei ein ausschließlich weiterverarbeitender Produktionsbetrieb, der weder selbst schlachte noch zerlege, erklärte Schypke. "Zu keiner Zeit" habe das Unternehmen Pferdefleisch eingekauft. Künftig werde aber alles Rohfleisch gentechnisch untersucht.

Foodwatch erklärte, der Verbraucher könne Etikettenschwindel nicht am Preis festmachen und habe mit dem Verhalten, billig einzukaufen, auch nicht die Verantwortung. Es sei eine "perfide Argumentation" von Politik und Lebensmittelbranche, ihm für Lebensmittelskandale die Verantwortung in die Schuhe zu schieben.

Qualität sei nicht am Preis messbar; mitunter handle es sich bei einer billigen No-Name-Lasagne und einer teuren Marken-Lasagne um das gleiche Produkt identischer Qualität. Auch die Herkunft eines Produkts biete keine Garantie auf Qualität: "Ein Bauer aus der Region behandelt Tiere nicht automatisch besser als ein anderer", erklärte Foodwatch.

Der Deutsche Bauernverband dagegen mahnte den Lebensmittelhandel, konsequenter auf Regionalität, Qualität und Herkunft zu setzen. Qualitätserzeugnisse erforderten "solide Preise" und eine darauf ausgerichtete Verkaufsstrategie, mahnte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

In Deutschland und zahlreichen anderen europäischen Ländern sind seit vergangener Woche Spuren von Pferdefleisch in Millionen Fertiggerichten entdeckt worden. Betroffen hierzulande sind große Supermarktketten wie Edeka, Aldi, Kaiser's Tengelmann, Lidl und der Tiefkühl-Heimlieferservice Eismann. Entdeckt wurde Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne, Ravioli, Tortelloni oder Dosen-Gulasch.

Nach Angaben des Bundesverbraucherschutzministeriums wurden in Deutschland bislang 360 DNA-Tests gemacht. In 24 Proben sei Pferdefleisch entdeckt worden, und zwar in Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Es werde "breit getestet", sagte ein Sprecher: Nicht nur Fertiggerichte würden geprüft, sondern auch auch Produkte in Schlachtereien und Großküchen, "um schnell ein Lagebild zu bekommen".

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