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Petition möchte alle Bürgerkriegs-Statuen in Tennessee ersetzen – durch Denkmäler für Dolly Parton

Denkmäler der US-Country-Sängerin Dolly Parton sollen historische Statuen von Südstaaten-Persönlichkeiten aus dem Bürgerkrieg ersetzen – zumindest, wenn es nach einer Petition auf change.org geht. Auch wenn der Vorschlag wohl nicht ganz ernst gemeint ist, der Hintergrund der Debatte ist es durchaus.

Am Samstag wurde die Statue des Südstaaten-Präsidenten Jefferson Davis in Kentucky entfernt. Einen Tag zuvor hatte eine Kommission die Entscheidung dazu getroffen. Wie der Nachbarstaat Tennessee mit den historischen Gebilden umgeht, steht noch nicht fest. (Bild: Ryan C. Hermens/Lexington Herald/Leader via AP)

Sie sorgen seit Jahren für Streit in den Vereinigten Staaten von Amerika: Statuen und Denkmäler führender militärischer und politischer Persönlichkeiten, die im 19. Jahrhundert auf Seiten der Südstaaten – eine Gesellschaft, die Sklavenhandel guthieß – standen. Nach der Tötung des Schwarzen George Floyd Ende Mai durch einen weißen Polizisten sind die historischen Figuren erneut ins Zentrum der Debatte um Rassismus geraten.

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Im US-Bundesstaat Tennessee wurde dazu vergangene Woche eine Petition auf change.org gestartet. Das Ziel: Sämtliche Südstaaten-Statuen mit Denkmälern der Country-Sängerin Dolly Parton zu ersetzen. Bis Montag hat sie knapp 5.000 Unterschriften gesammelt.

Dolly Parton hat immer versucht, das Land zu einen

Zur Wahl der Musikerin, der aus der Stadt Sevierville in Tennessee stammt, steht in der Petition: „Lasst uns die Statuen von Männern, die einst versucht haben, dieses Land zu zerreißen, ersetzen. Und stattdessen einer Frau ein Denkmal setzen, die ihr ganzes Leben damit verbracht hat, uns alle näher zusammen zu bringen.“ Weiter heißt es, Dolly Parton sei eine wahre Heldin. Und natürlich dürfe die Geschichte des Landes nicht vergessen werden – was aber nicht hieße, Persönlichkeiten zu verherrlichen, die diese Ehre nicht verdienten.

Mehr davon: Vor dem Sevier County Courthouse steht bereits eine Statue von Dolly Parton (Bild: Jeffrey Greenberg/Universal Images Group via Getty Images)

Seit Wochen protestieren Menschen in den USA gegen Polizeigewalt und Rassismus. Im Zuge dessen wurden auch zahlreiche Südstaaten-Statuen, die als Symbole der „White supremacy“ („weiße Vorherrschaft“) angesehen werden, verunstaltet.

Auch eine Petition für den Erhalt eines Ku-Klux-Klan-Führers

Kentucky, der Nachbarstaat Tennessees, hat deshalb am Freitag reagiert und entschieden, eine Statue von Jefferson Davis aus dem Kentucky State Capitol, dem politischen Zentrum des Bundesstaates, entfernen zu lassen. Davis war einst Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika und führte die Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg an. Seine Statue soll nun in seine Geburtsstätte, Todd County, gebracht und dort aufgestellt werden.

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Es gibt aber auch Widerstand gegen diese Entwicklungen: Eine zweite Petition, sie setzt sich für Erhalt einer Statue von Nathan Bedford Forrest im US-Bundesstaat Georgia ein, hat ebenfalls tausende Unterstützer und Unterstützerinnen. Forrest war vor dem Bürgerkrieg Sklavenhändler, dann General der Konföderierten und dazu der erste „Große Hexenmeister“, der Anführer, des rassistischen „Ku Klux Klan“. Die Petition zu seinem Erhalt ist überschrieben mit: „Helft uns, die Statue eines Helden zu schützen.“

Taylor Swift schaltet sich ein

Während sich in Georgia Republikaner und Republikanerinnen für die Forrest-Statue aussprechen, erhält die Petition zu Gunsten Dolly Partons in Tennessee sogar Unterstützung aus der gleichen politischen Ecke. Wie der Tennessean schreibt, möchte dort der republikanische Abgeordnete Jeremy Faison Südstaaten-Statuen in Museen verlegen lassen. Im Dezember sagte er, Geschichte werde in Museen angemessen bewahrt und eingeordnet und erlaube es Menschen, alle wichtigen Fakten zu erfassen. Gleichzeitig fragte er: „Und warum nicht stattdessen die Statue einer Frau wie Dolly Parton aufstellen?“

Am Freitag hat sich auch die Popsängerin Taylor Swift in die Debatte um die Statuen in Tennessee eingeschaltet. Sie schrieb auf Twitter: „Als Einwohnerin von Tennessee macht es mich krank, dass in diesem Bundesstaat rassistische Persönlichkeiten, die Böses verbrochen haben, mit Denkmälern gefeiert werden.“

Ende der tyrannischen Symbolik

Anders als in Kentucky gibt es in Tennessee noch keine Entscheidung darüber, wie der Bundesstaat mit den historischen Statuen verfährt. Der Text der Dolly-Parton-Petition aber wurde am Sonntag aktualisiert. Dort heißt es nun: „Auch wenn Idee, alle Statuen durch Dolly Parton zu ersetzen, witzig erscheinen mag – die Geschichte hinter den noch bestehenden Monumenten ist es nicht. Die Tyrannei, die sie symbolisieren, darf nicht länger zur Schau gestellt werden. Sie sollten ersetzt werden durch Persönlichkeiten, die den Ruhm auch wirklich verdient haben. Ob das nun Dolly Parton ist oder andere verdiente Gruppen oder Individuen.“

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