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Personalvermittler und Coaches erklären, warum das Wort "Ich" euch im Jobinterview zum besseren Kandidaten macht

·Lesedauer: 4 Min.

Manche Menschen scheuen sich davor, das Wort "Ich" zu verwenden, wenn sie über eine Leistung im beruflichen Kontext sprechen. Das ist ganz natürlich. Aber in einem Vorstellungsgespräch, so sagen Experten, könnte die Verwendung dieses Wortes ein guter Weg sein, um den Gesprächspartner wissen zu lassen: Ihr könnt ihnen helfen, das Unternehmen voranzubringen.

"Ihr solltet in der Lage sein, ausführlich über Beispiele zu sprechen und keine Angst davor haben, 'ich' statt 'wir' zu sagen", rät Amy Ross, Senior Expertin im globalen Recruiting-Team von McKinsey, im Gespräch mit Business Insider. "Wir wollen wissen, was ihr getan habt, wie ihr geführt habt und welche Maßnahmen ihr ergriffen habt, um Veränderungen zu bewirken", erläutert sie weiter.

Unabhängige Karrierecoaches und Personalverantwortliche räumen zunehmend mit dem Mythos auf, dass Bewerber ihre persönlichen Leistungen herunterspielen müssen, um sich von der Masse abzuheben. Tatsächlich zeigt ein selbstbewusstes "Ich" beim Sprechen über ein Teamprojekt den Gesprächspartnern, wofür man verantwortlich gewesen ist. Es vermittelt gleichzeitig, wie man seine einzigartigen Fähigkeiten einsetzen kann, um erfolgreich in einem Team zu arbeiten.

"Ich denke, es ist wichtig, dass sich Arbeitssuchende daran gewöhnen, zu sagen: 'Ich habe dies getan' und 'ich habe dem Unternehmen Geld gespart', und sich nicht davor scheuen", so Vicki Salemi, ehemalige Personalberaterin und Karriereexpertin bei der Jobbörse Monster. "Sie sollten es für sich in Anspruch nehmen – sich ihr Fachwissen und ihre Leistungen zu eigen machen."

Ein Balanceakt zwischen Bescheidenheit und Selbstbewusstsein

Es kann schwierig sein, den Drang, in der "Wir"-Form zu sprechen, abzuschütteln. Aber mit dem richtigen Fokus und der richtigen Gesprächstaktik, so sind sich die Experten einig, können Bewerber die Balance zwischen Bescheidenheit und Selbstbewusstsein finden.

Bei McKinsey, einem der renommiertesten Beratungsunternehmen der Welt, durchlaufen die Bewerber einen strengen Interviewprozess, der auch ein persönliches Gespräch umfasst, in dem sie ihre Leistungen und Herausforderungen mit den Interviewern teilen. Wenn die Kandidaten Beispiele für Situationen nennen, die ihre Problemlösungskompetenz, ihren persönlichen Einfluss, ihre Führungsqualitäten und ihre unternehmerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen sollen, dann ist es laut Ross angebracht, "Ich" zu sagen.

Salemi sagt, dass die erste Priorität für Bewerber darin bestehe, den Unterschied zwischen effektiven "Ich"-Aussagen und arrogantem Verhalten zu kennen. Tim Brown, Vice President of Talent Acquisition beim Fitnessunternehmen Peloton, ergänzt, dass er dies bei Arbeitssuchenden sehr schätze. "Wir lieben Menschen, die bescheiden sind, die kein großes Ego haben", so Brown, "aber auch einen unglaublichen Antrieb und Ehrgeiz für die Ausführung und dafür, dass unsere Gemeinschaft, unsere Mitglieder, an erster Stelle stehen."

Mit anderen Worten, wirksame "Ich"-Aussagen ergänzten Geschichten über Teamführung und die Bemühungen einer Person, Kollegen zu unterstützen, so Salemi. Die Bewerber sollten sich nicht nur wohl damit fühlen, sondern darauf bestehen, ihre beruflichen Erfolge im Vorstellungsgespräch hervorzuheben. "Sie wollen auch nicht als prahlerisch erscheinen", sagt sie. "Aber genau dafür ist das Vorstellungsgespräch ja schließlich da. Man muss in der Lage sein, seine Leistungen zu zeigen und darüber zu sprechen."

Wie ihr euch gut auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet

Salemi räumt ein, dass die Verwendung von "Ich"- statt "Wir"-Aussagen während eines Vorstellungsgesprächs zwar wahrscheinlich nicht ausschlaggebend dafür sei, ob eine Person die Stelle bekommt. Aber sie sagt, dass die Beherrschung der "Bescheidenheit" Arbeitssuchenden helfen werde, ihre Leistungen besser zu artikulieren.

Um euch wohler zu fühlen, wenn ihr über euren beruflichen Erfolg sprecht, empfiehlt Salemi, dass ihr euch mindestens drei Szenarien ausdenkt, die eure besten beruflichen Qualitäten zeigen. Da einige Unternehmen wie Google und Salesforcee Business Insider erklärt haben, dass sie Bewerber mit Teamfähigkeiten vorziehen, sollten die Szenarien, die Arbeitssuchende für ihre Vorstellungsgespräche vorbereiten, am besten eine Mischung aus verschiedenen Situationen sein.

Einige der Szenarien sollten gute "Ich"-Aussagen beinhalten, andere sollten Leistungen zeigen, die mit einem Team erbracht worden seien, so Salemi. "Ich habe dem Unternehmen Geld gespart" ist beispielsweise eine gute "Ich"-Aussage. Wenn ihr aber eine Situation beschreibt, in der ihr sowohl unabhängig als auch als Teamkollege herausragende Leistungen erbracht habt, dann ist eine "Wir"-Aussage besser. Euch bewusst zu entscheiden, welche Aussage ihr verwendet, erlaubt euch, mit mehr Selbstvertrauen in das Vorstellungsgespräch zu gehen.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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