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Personal Branding: Wie die Marke „Ich“ euch in Beruf und Privatleben erfolgreich macht

Hendrikje Rudnick
·Lesedauer: 8 Min.

„Personal Branding“ ist ein Begriff, der einem mittlerweile auf vielen Kanälen begegnet. Vor allem Selbstständige, Gründer oder Menschen, die im PR-Bereich, Marketing und Journalismus arbeiten, kennen die Bedeutung einer Personal Brand. Doch was bedeutet es genau, eine „eigene Marke“ zu haben? Warum ist es auch für Kindergärtner und Architektinnen wichtig, eine eigene Marke und ein Netzwerk zu haben? Braucht wirklich jede Person eine Personal Brand?

Ja, sagt Franziska Schaadt. Sie hat als Coachin bereits mehr als 2.000 Menschen in ihrer persönlichen und professionellen Entwicklung begleitet und unterstützt.

Ihre Erfahrungen in den Bereichen Personal Branding, strategisches Netzwerken und Führung gibt sie an ihre Kundinnen, Kunden und Teammitglieder weiter, ebenso an ihre Mentees und Follower auf Social Media. Die Wirtschaftswissenschaftlerin hat zuvor Firmen wie Microsoft bei ihren Social Selling Strategien beraten und im Jahr 2017 ihre Boutique Agentur für Coaching und Beratung gegründet. Seit diesem Jahr bildet Schaadt in ihrer Future Work Academy auch eigene Coaches aus.

Ihre Erfahrungen möchte Schaadt nun an die Leserinnen und Leser von Business Insider weitergeben. In Teil 1 dieser Karriere-Serie erfahrt ihr, wie ihr mithilfe eurer persönlichen Marke das Beste aus euch herausholt, sowohl beruflich als auch privat.

Was ist eine Personal Brand?

Eine Personal Brand ist die Marke „Ich“ rund um eure Persönlichkeit. Es sind die Stärken, Talente und Kompetenzen, die euch besonders ausmachen. Mit einem klaren Standpunkt könnt ihr euch gezielt auf sozialen Netzwerken positionieren – aber auch offline hilft euch eure eigene Marke weiter. Wenn ihr eine klar positionierte eigene Marke einmal etabliert habt, könnt ihr in der Folge ohne großen Aufwand deutlich mehr erreichen und euch damit ein starkes Netzwerk aufbauen.

Die Personal Brand besteht aus einer Basis an Werten und Eigenschaften, die ihr verkörpert und vermitteln wollt. Wichtige Fragen sind dabei laut Schaadt: „Was denkst du, wer du bist? Was denken andere Menschen, wer du bist? Und was denkst du, was andere Menschen denken, wer du bist?“ Die Überlappung dieser drei Fragen ist die zentrale Botschaft eurer Marke.

Sowohl beim Berufseinstieg als auch als Führungskraft könnt ihr über die gezielte Inszenierung dieser Marke, ausgewählte Darstellung und Selbstvermarktung einen Expertenstatus sowie eine nachhaltige Meinungsführerschaft zu erlangen. Ein Beispiel: Auf LinkedIn seid ihr Experte zum Thema „Nachhaltigkeit“, da es auch zu eurem Aufgabenbereich im Job gehört. Ihr beschäftigt euch mit dem Thema, postet eure Gedanken, interessante Studien und Erfahrungen. Außerdem vernetzt ihr euch mit Menschen, die sich für dieses Thema ebenfalls interessieren. Wenn jemand sich also mehr mit Nachhaltigkeit beschäftigen will, denkt er oder sie direkt an euren Namen.

Wer sich so in der Öffentlichkeit „einen Namen“ macht und sich in einer Sache als Experte etabliert, kann Interessenten leichter überzeugen und produziert im besten Fall eine Sogwirkung auf potenzielle Kunden. Beim Personal Branding geht es vor allem darum, sich seiner Einzigartigkeit bewusst zu werden und nach außen zu kommunizieren, was man kann und wofür man steht.

Auch im Jobinterview oder Gespräch mit eurem Chef könnt ihr dann selbstsicher zeigen: Ich kenne mich aus und habe ein Netzwerk, das auch das Unternehmen weiterbringt.

Die Personal Brand ist deshalb für eure Karriere wichtig, weil ihr sichtbar werdet und bleibt. Schaadt erklärt es am folgenden Beispiel: Stellt euch vor, ihr bewerbt euch mit drei anderen Personen für euren Traumjob. Alle Bewerber haben einen Masterabschluss, sammelten bereits Joberfahrungen und haben eine Empfehlung von ihrem vorherigen Arbeitgeber bekommen. Doch eine Person ist bereits sehr gut vernetzt und kommuniziert klar und deutlich, was ihr wichtig ist. Für wen wird sich das Unternehmen wohl entscheiden? „Leistung alleine genügt nicht. Bei Einstellungsgesprächen oder Gehaltsverhandlungen zählt auch: Wie stark ist deine persönliche Marke? Welches Netzwerk bringst du mit?“, so Franziska Schaadt.

Aber was bedeutet es, ein eigenes und relevantes Netzwerk zu haben? Nehmen wir das Beispiel eines Kindergärtners oder einer Kindergärtnerin, die sich auf besonders bindungsorientierte Erziehung spezialisiert hat und dies nach außen so kommuniziert, etwa auf der Webseite und in persönlichen Gesprächen. Ihr Netzwerk besteht hauptsächlich aus Eltern, werdenden Eltern und anderen Pädagogen, die sich für diesen Erziehungsstil interessieren – und diese "Marke" wieder an andere weitertragen werden. So werden sich vermutlich bald etliche Eltern um einen Kita-Platz bemühen, die diese Werte teilen – und von anderen Eltern von der Erziehungsmethode erfahren haben. Die Erzieher sowie das Unternehmen profitieren also von dem Personal Branding und dem Netzwerk der Mitarbeiter.

Doch eine Personal Brand hilft euch nicht nur beruflich weiter, sondern auch im Privatleben. „Wenn ich mich selbst kenne und reflektiere, kann ich mit Integrität leben", sagt Schaadt. "Weil ich dann Entscheidungen basierend auf meinen Werte treffe." So leite einen der innere Kompass, sagt sie. Das helfe auch, weil es dann keine Versuchung gebe, sich von außen leiten oder ablenken zu lassen.

Der entscheidende Faktor für wirkungsvolles Personal Branding ist aus ihrer Sicht die konsequente und durchgängige Umsetzung eurer individuellen Stärken und Vorlieben auf allen Ebenen. Personal Branding ist daher auch keine einmalige Hauruck-Aktion – sondern ein andauernde Reise, die viel Aufmerksamkeit und Selbstliebe benötigt.

Menschen wissen, wer ihr seid, bevor sie euch getroffen haben

Beim Personal Branding geht es aber nicht darum, anderen einfach nur zu erzählen, wer ihr selbst seid – sondern vor allem darum, durch das Teilen eurer Werte und Erfahrungen eine Beziehung zu anderen aufzubauen. „Das A und O sind Beziehungen, denn sie schaffen Vertrauen", sagt Schaadt. "Egal, ob mit Kolleginnen und Kollegen, Chefs oder der Familie – wir haben immer irgendeine Art von Beziehung zu unseren Mitmenschen.“

Wenn ihr sowohl online und offline mit euren Werten und Stärken präsent seid, können andere euch besser kennenlernen, Gemeinsamkeiten finden oder interessante Aspekte eures Lebens und eurer Arbeit entdecken, über die sie mit euch sprechen wollen. So entsteht schon eine Beziehung, ohne dass ihr überhaupt richtig mit den Personen gesprochen habt.

Ihr kennt sicher den Spruch: „Mein Ruf eilt mir voraus“. Genau das ist es, was eine Personal Brand für euch bedeutet. Ihr kreiert und steuert diesen Ruf, indem ihr euch in sozialen Netzwerken positioniert und euch mit anderen Menschen vernetzt, die von euch sprechen.

Stellt euch vor, ihr wollt verreisen. Wahrscheinlich werdet ihr erst einmal das Urlaubsziel googeln, was man dort erleben kann und ob es zu euch passt. Vielleicht befragt ihr auch Freunde und Bekannte, die dort schon einmal waren, welche Erfahrungen sie gemacht haben. So habt ihr schon im Voraus einen ersten Eindruck gewonnen, bevor ihr die Reise überhaupt antretet. Und so soll es auch bei eurer Personal Brand laufen, wenn sich jemand über euch informiert.

Euer Ziel sollte sein, dass Menschen euch wiedererkennen

Eine starke Personal Brand hat einen weiteren Vorteil: Menschen erinnern sich besser an euch. „Bei Starbucks denkt man an Kaffee, bei Adidas an Sport, bei Bill Gates an Microsoft. Woran denken Menschen, wenn sie euren Namen hören?“ Schaadt sagt, dass eine geschärfte Marke euch dabei helfen kann, die richtigen Kontakte für euer Leben und eure Karriere zu finden. Das gelte für Einzelpersonen genauso wie für genaze Unternehmen. „Ich glaube nicht, dass Tesla so erfolgreich wäre ohne Elon Musk. Oder Apple ohne Steve Jobs. Man verbindet mit ihnen eine bestimmte Positionierung, die sich dann wiederum auf das ganze Unternehmen auszahlt.“

Traut euch ruhig, euch auf ein bestimmtes Thema zu spezialisieren. „Viele Menschen haben Angst vor Ablehnung. Sie wollen lieber breit gefächerte Interessen und Stärken haben, doch Qualität steht über Quantität“, sagt die Expertin. Denn je klarer euer Profil, umso genauer sprecht ihr die Personen an, die ihr erreichen wollt.

Überlegt mal: Wenn ihr Lust auf eine gute Pizza habt, geht ihr dann lieber zu dem Restaurant, das von Döner mit Pommes über Pizza bis Sushi alles Mögliche anbietet – oder zu dem Italiener, der sich auf Pasta und Pizza spezialisiert hat?

Welche Vorteile hat es für Unternehmen, wenn Mitarbeiter ein Personal Branding haben?

„Ich denke, es wird in naher Zukunft ein Must-have für Unternehmen sein, dass ihre Mitarbeiter eine eigene Marke habe, wenn sie erfolgreich sein wollen“, sagt Schaadt. Denn so machen sie die Arbeit der Firma nahbar. „Früher ging es nur um das Ergebnis. Mittlerweile ist aber auch wichtig: Wer steht hinter diesem Ergebnis?“ Hier ist Transparenz wichtig. Es schafft Vertrauen in die Person, Marke und Organisation.

Und: Eure Mitarbeiter sind starke Markenbotschafter für euer Unternehmen. „Ein nahbarer Mitarbeiter bringt der Firma viel mehr als jegliche Art von Stellenanzeigen oder Werbung“, sagt Schaadt. Wenn Mitarbeiter ein starkes Netzwerk haben, profitiert gleichzeitig auch das Unternehmen davon.

Allerdings sind einige Menschen noch verunsichert, was sie in sozialen Netzwerken posten dürfen und können – oft ist die Angst da, unprofessionell zu wirken, weil man Emotionen zeigt. Daher sollte es mehr Trainings für Mitarbeitende geben, meint Schaadt. Und: Auch Führungskräfte sollten die Offenheit vorleben und ihre Persönlichkeit und Werte zeigen.

Personal Branding will gelernt sein

Ein bisschen Zeit aber braucht es dafür, eine Personal Brand zu finden und aufzubauen. Seine eigene Marke von einem Tag auf den anderen zu entwickeln geht also nicht. „Ihr müsst euch erst einmal intensiv mit euch selbst auseinandersetzen“, erklärt Franziska Schaadt. „Danach tragt ihr die Personal Brand nach außen, baut euer Netzwerk auf und pflegt dieses.“

Und ihr solltet auch bedenken: Eure Personal Brand entwickelt und verändert sich im Laufe der Jahre. Mit Anfang zwanzig sind euch andere Dinge wichtig, als mit Mitte dreißig oder Ende fünfzig. Daher steht ihr über die Jahre womöglich auch für jeweils etwas anderes. „Der Prozess ist eigentlich nie richtig abgeschlossen", sagt. Schaadt. "Ihr könnt immer wieder neue Seiten an euch entdecken und in verschiedenen Lebensphasen euch selbst finden.“

Wie genau ihr eure Personal Brand findet und welche Fragen ihr euch dafür stellen müsst, könnt ihr nächsten Montag in Teil 2 lesen.