Werbung
Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    18.002,02
    -263,68 (-1,44%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.839,14
    -96,36 (-1,95%)
     
  • Dow Jones 30

    38.589,16
    -57,94 (-0,15%)
     
  • Gold

    2.348,40
    +30,40 (+1,31%)
     
  • EUR/USD

    1,0709
    -0,0033 (-0,31%)
     
  • Bitcoin EUR

    62.135,40
    +438,71 (+0,71%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.382,16
    -35,71 (-2,52%)
     
  • Öl (Brent)

    78,49
    -0,13 (-0,17%)
     
  • MDAX

    25.719,43
    -355,67 (-1,36%)
     
  • TecDAX

    3.353,26
    -47,31 (-1,39%)
     
  • SDAX

    14.367,06
    -256,24 (-1,75%)
     
  • Nikkei 225

    38.814,56
    +94,06 (+0,24%)
     
  • FTSE 100

    8.146,86
    -16,81 (-0,21%)
     
  • CAC 40

    7.503,27
    -204,75 (-2,66%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.688,88
    +21,28 (+0,12%)
     

PCK in Schwedt: Das sind die vier potenziellen Käufer für eine der wichtigsten Raffinieren Deutschlands

Die PCK-Raffinerie in Schwedt könnte bald anteilig verkauft werden. - Copyright: Getty Images, picture alliance, Collage: Dominik Schmitt
Die PCK-Raffinerie in Schwedt könnte bald anteilig verkauft werden. - Copyright: Getty Images, picture alliance, Collage: Dominik Schmitt

Die Geschichte der PCK-Raffinerie galt lange als eine Erfolgsstory. Nach der Wiedervereinigung mauserte sich die Stadt Schwedt an der Oder zu einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte in Ostdeutschland.

Die Stadt und ihre Raffinerie produzieren Benzin und Diesel für die Autofahrer in Brandenburg und Berlin, Kerosin für die Flieger an den Hauptstadtflughäfen und wichtige Bitumen für den Straßenbau. Ohne PCK stünde die ostdeutsche Wirtschaft still. Das Erfolgsrezept der Raffinerie: Rohöl aus Russland. Nahezu 100 Prozent des verarbeiteten Öls in Schwedt kam bis 2022 über die Druschba-Pipeline direkt aus Russland.

Und eben jenes Öl aus Russland war der Grund dafür, dass die Erfolgsstory mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine abrupt endete. In wenigen Monaten stand die Welt der 1200 Mitarbeiter Kopf. Im September 2022 wurde Rosneft Deutschland, Anteileigner mit 54 Prozent, unter Treuhandverwaltung des deutschen Staates gestellt. Zum Jahreswechsel trat dann noch das Ölembargo gegen Russland in Kraft. Seitdem muss man bei PCK das Öl per Tanker nach Rostock und Danzig (Polen) liefern lassen, um es dann zur Raffiniere zu leiten. Zusätzlich mussten Verträge mit Öllieferanten aus Kasachstan geschlossen werden.

WERBUNG

Doch trotz all dieser Bemühungen lag die Auslastung der Raffinerie in den vergangenen vier Monaten nur bei 58 Prozent. Zulieferer und Auftragnehmer der Raffinerie kämpfen laut einer Umfrage der Wirtschaftsförderung Brandenburg inzwischen mit Existenzängsten.

Wie geht es weiter mit den Rosneft-Anteilen?

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Denn die Bundesregierung scheint sich der Wichtigkeit des Standorts bewusst zu sein. Ein wichtiger Baustein der Rettung wird es deshalb sein, wie es mit den Rosneft-Anteilen an der PCK-Raffinerie weitergeht. Die deutsche Treuhandverwaltung der russischen Anteile läuft im September aus und darf nicht erneut verlängert werden. Will die Bundesregierung wichtige deutsche Infrastruktur nicht zurück in russische Hände geben, muss sie bald eine Lösung finden. Und diese könnte aller Voraussicht nach einen Verkauf der Anteile vorsehen.

Dafür hat der Bundestag bereits die Weichen gestellt. Vor kurzem genehmigte er ein Gesetz, das es der Bundesregierung erleichtert, die Anteile zu verkaufen. Die Frage ist jetzt: Wer kommt dafür in Frage?

Seit Monaten fallen immer wieder Namen von Unternehmen mit Übernahme-Interesse. Der polnische halbstaatliche Ölkonzern Orlen, die österreiche Alcmene-Gruppe, die niedersächsische Hoyer GmbH oder Enertag aus Brandenburg.

Die Situation ist vertrackt und gewinnt durch Orlen auch eine politische Komponente. Denn seit Monaten übt die polnische Regierung Druck auf die Bundesregierung aus, Rosneft weiter aus der Raffinerie zu drängen. Recherchen von Business Insider zeigten, dass Polen unter anderem die Entladung von Schiffen in Danzig verweigerte, die von Rosneft geordert und für PCK bestimmt waren.

Erneuter Verkauf der Anteile ins Ausland?

Seit Monaten verhandelt die Bundesregierung in zähen Gesprächen mit der polnischen Seite über größere Lieferungen über den Hafen von Danzig. Orlen werden auch deswegen in Branchenkreisen derzeit gute Chancen eingeräumt, tatsächlich Anteile zu erhalten. Auf Anfrage hält sich das Unternehmen bedeckt und erklärt, "Marktsituation in der Region im Hinblick auf mögliche Fusionen und Übernahmen ständig zu beobachten". "Über geplante oder realisierte Projekte und Investitionen werden wir dann über die offiziellen Kommunikationskanäle informieren, wenn entsprechende Entscheidungen getroffen sind", schrieb uns ein Sprecher auf Anfrage.

Schon vor der Zuspitzung der Wirtschaftskrise von PCK hat die österreichische Alcmene-Gruppe, ein Energieunternehmen, Interesse gezeigt. Dabei ging es jedoch ursprünglich um die Anteile von Shell (37,5 Prozent). Das Bundeskartellamt billigte bereits einen Kauf der Anteile. Bis dato ist jedoch kein Kauf final abgewickelt worden. Alcmene erklärt aber auf Anfrage, man sei "weiterhin sehr daran interessiert, Anteile an der PCK-Raffinerie zu erwerben. Wir sehen in dieser Möglichkeit großes Potenzial und glauben, dass sie gut zu unseren langfristigen Geschäftsstrategien passt." Dazu, ob es sich dabei um Anteile von Rosneft oder Shell handelt, dürfe man sich jedoch nicht äußern.

Enertrag treibt Wasserstoff-Offensive voran

Daneben gibt es aber auch Interessen aus Deutschland. Die Hoyer GmbH aus Niedersachsen soll sich ebenfalls ins Spiel gebracht haben. Das Unternehmen betreibt Tankstellen und Speditionsdienste für Gas und Öl. Bereits eng kooperieren tun PCK und Enertrag. Das brandenburgische Unternehmen ist spezialisiert auf erneuerbare Energien und hat zusammen mit der Raffinerie eine Studie in Auftrag gegeben. Dabei geht es um die Transformation der Raffinerie zu einem Wasserstoff-Standort, den auch die Bundesregierung mit Steuergeldern fördert.

In einem von Enertag herausgegeben Magazin wirbt das Unternehmen für eine Zusammenarbeit. "Mit dem Aufbau einer grünen Raffinerie in der Uckermark trügen ENERTRAG und PCK zur Stärkung der regionalen Wirtschaft in einer sonst strukturschwachen Region bei. So würde eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive geschaffen und der langfristige Erhalt des PCK-Standorts gefördert werden." Sobald die Studie veröffentlicht würde, gälte es, die aus dem Projekt gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen, "etwa in Form eines gemeinschaftlichen Unternehmens von ENERTRAG und PCK für neu zu errichtende Anlagen."

Wer am Ende das Rennen macht, ist noch offen. Möglich wäre auch, dass sich die verschiedenen Unternehmen zusammentun. Die verschiedenen Expertisen der Unternehmen dürften dabei helfen.

Klar ist aber: Bis September muss die Bundesregierung eine Lösung gefunden haben, damit die Erfolgsgeschichte PCK nicht zu Ende geht. Denn die Folgen wären für die Menschen vor Ort und die Wirtschaft in Ostdeutschland dramatisch.