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Angeblicher Selfmade-Millionär Patrick Landrock will Drogeriekette Schlecker neu aufbauen — Insolvenzverwalter sieht Pläne kritisch

·Lesedauer: 6 Min.
Unternehmer Patrick Landrock will die Drogerie-Kette Schlecker wieder aufbauen.
Unternehmer Patrick Landrock will die Drogerie-Kette Schlecker wieder aufbauen.

Es wäre ein Comeback nach über zehn Jahren, einer Marke, an die nur noch vereinzelte leerstehende Filialen erinnern. Der Unternehmer Patrick Landrock will die Marke des eingestürzten Drogerie-Imperiums Schlecker wiederbeleben.

Die Drogeriekette ging 2012 pleite, im Anschluss beherrschte ein Gerichtsverfahren gegen die Familie Schlecker sowie das Schicksal vieler Mitarbeiterinnen, häufig als "Schlecker-Frauen" bezeichnet, die Medien. Nun also der Neuanfang? Wie das österreichische und in Kitzbühel ansässige Unternehmen "kitzVenture" mitteilte, habe es sich die Marke "Schlecker" gesichert. Demnach bereite Geschäftsführer Landrock den "Marktangriff", der in den nächsten Monaten starten solle, schon seit Jahren vor. Im Interview mit dem SWR sagte Landrock, er wolle nicht nur auf Drogerieartikel setzen, sondern auch den Lebensmittelmarkt angreifen, etwa mit Baumarktartikeln oder Geschäftsbedarf. Es sei geplant, im ersten Halbjahr 2022 online zu starten und in der zweiten Jahreshälfte die ersten Filialen aufzubauen. Business Insider konnte in der Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamts verifizieren, dass die Marke im Besitz des Unternehmens ist.

Der in Stuttgart geborene Unternehmer Landrock dürfte in Deutschland nur den Wenigsten bekannt sein. Und das, obwohl sein Unternehmen in der Pressemitteilung dieses Bild zeichnet: "Das Comeback und den Angriff plant kein geringerer als der erfolgreiche Kitzbüheler Unternehmer und Selfmade Millionär Patrick Landrock." Dieser gelte, so das Unternehmen, "als einer der umstrittensten, streitbarsten und erfolgreichsten Persönlichkeiten der vergangenen Jahre".

Eine steile These. Wer sich nicht auf die PR des Unternehmens verlassen will, der muss sich die Frage stellen: Wer ist dieser angebliche Selfmade-Millionär, der Schlecker wieder aufbauen will?

Arnd Geiwitz, Schleckers Insolvenzverwalter, hat bereit mit Landrock Bekanntschaft gemacht, wie er der "Wirtschaftswoche" erzählte. Er soll mit Landrock verhandelt haben, zu einem Verkauf der Markenrechte sei es aber nicht gekommen. Es sei klar gewesen, „dass wir die Marke nur an einen Player mit tragfähigem Konzept“ verkaufen würden. Da die Marken jedoch nicht genutzt worden seien, hätte die Insolvenzverwaltung diese gelöscht beziehungsweise die Eintragung nicht verlängert. Das habe „Herr Landrock legitimerweise genutzt“, so Geiwitz zur "Wirtschaftswoche". Von Landrocks Plänen hält der renommierte Insolvenzverwalter offenbar nicht viel: „Ein großes Comeback von Schlecker kann ich mir schwer vorstellen."

"Pyramidenspiel"

Sucht man nach Landrock im Internet, so stößt man zum Beispiel auf einen Bericht der "Tiroler Tageszeitung", veröffentlicht Ende Oktober dieses Jahres. Darin wird über einen beginnenden Prozess wegen Anlagebetrugs berichtet. Demnach soll das Unternehmen mit hohen Zinsen um Kleinanleger geworben haben, jedoch das Totalverlustrisiko verschwiegen haben, wie die "Tiroler Tageszeitung" berichtet. Der Staatsanwalt vermutet, es habe sich dabei um ein "Pyramidenspiel" gehandelt. Die Angeklagten beteuerten ihre Unschuld.

Auf Anfrage von Business Insider schrieb Landrock, man gehe davon aus, dass die noch anhängigen Verfahren im ersten Quartal des Jahres 2022 für sie positiv abgeschlossen würden. Im Verfahren sei bereits nachgewiesen worden, dass alle Anleger das veranlagte Geld inklusive Zinsen und Zinsenzinsen zurückerhalten hätten.

Auf seinem Instagram-Profil zeichnet Landrock das Bild eines erfolgreichen Unternehmers. Er schmückt sich mit Schlagzeilen des Online-Boulevardmediums "OE24", dort heißt es etwa über ihn, er führe das Unternehmen "mit eiserner Hand". Dazu ein paar Hundebilder, ein Porsche mit Firmenlogo vor einem Bergpanorama oder Essen beim schicken Italiener.

"Ein gutes Netzwerk"

In seinem Profil auf der Plattform des Karrierenetzwerkes Linkedin bezeichnet sich Landrock als "Seriengründer und Investor aus Kitzbühel und Berlin". Und weiter: "Seit meiner Jugend gründe, leite und berate ich Unternehmen und verfüge über ein gutes Netzwerk." Viel ist davon unter seiner Berufserfahrung nicht zu finden. Von 2007 bis 2017 ist vielmehr eine Lücke im Lebenslauf. Auf Nachfrage von Business Insider, was er in dieser Zeit als Unternehmer gemacht habe, teilte Landrock mit, er sei bei vielen Gründungen still im Hintergrund mit Kapital und Erfahrung involviert. Auf die Frage, wie er es zu einem Millionenvermögen gebracht haben will, antwortete er: "Durch verschiedene direkte und indirekte Beteiligungen in den letzten Jahren sowie anderweitige geschäftliche Aktivitäten."

Die Antworten bleiben vage. Ähnlich verhält es sich mit der Homepage von "kitzVenture". Dort heißt es etwa, man sei eine "international agierende Beteiligungsgesellschaft mit Beteiligungen an unterschiedlichen Startups und Unternehmen". Des Weiteren böte "kitzVenture" kleinen und mittelständischen Unternehmen bis hin zum Industriekonzern ihre Kompetenz in den Bereichen Digitalisierung, E-Commerce und Company Building an. "Die Unternehmen, an denen kitzVenture beteiligt ist, sind entweder in enger Zusammenarbeit mit kitzVenture dabei, ihr Geschäftsmodell auf dem Markt zu etablieren oder sie befinden sich bereits auf überdurchschnittlichem Wachstumskurs", heißt es dort.

Beispiele dafür finden sich kaum. Das Unternehmen schreibt, man veröffentliche Beteiligungen "nach freiem Ermessen zu einem Zeitpunkt, der uns hinsichtlich des Portfoliounternehmens und uns selbst als geeignet erscheint". Die Auflistung habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auf Nachfrage, um welche Unternehmen oder Startups es sich dabei handelt, teilte Landrock Business Insider mit, es werde hierzu "in Kürze eine umfangreiche Presseinformation geben".

Bekannt ist, dass "kitzVenture" die Rechte an der Marke des insolventen Mode-Startups "Von Floerke", aus der TV-Show "Die Höhle der Löwen", übernommen hat. Landrock fungiert als Geschäftsführer der neu gegründeten Von Floerke GmbH, die mittlerweile nicht nur Socken und Fliegen, sondern auch Corona-Schnelltests oder medizinische Schutzausrüstung online verkauft.

"Nicht nur Millionenumsätze, sondern auch Millionengewinne"

So richtig weiß man also nicht, was genau hinter dem Unternehmen steckt. Dem SWR sagte Landrock: "Ich glaube, dass das funktioniert, was wir machen, haben wir bewiesen. Unser Unternehmen ist ein Millionenunternehmen – nicht nur Millionenumsätze, sondern auch Millionengewinne."

Business Insider hat sich die Jahresabschlüsse für 2020 und 2019 angesehen, um besser beurteilen zu können, ob und wie erfolgreich das Unternehmen wirklich ist. Demnach hat das Unternehmen, das über ein Stammkapital von 90.000 Euro verfügt, noch 2019 einen Verlust von etwa 800.000 Euro bilanziert. 2020 bilanzierte das Unternehmen demnach keinen "Millionengewinn", aber immerhin ein Plus von rund 515.000 Euro. Allerdings haben sich 2020 auch die Verbindlichkeiten (rund 800.000 Euro) mehr als verdoppelt.

"Auf die Erfolgsspur gekommen"

Auf Nachfrage von Business Insider, wie er die wirtschaftliche Situation seines Unternehmens beurteilt, erklärte Landrock, die Verluste aus den Vorjahren seien mit den "unberechtigten Verfahren, welche den Geschäftsbetrieb behindert haben", zu erklären. "Ab dem Moment, wo wir 'arbeiten' konnten, ist das Unternehmen auf die Erfolgsspur gekommen", so Landrock. Das Unternehmen werde 2021 "noch besser als das Vorjahr und sowohl mit einem höheren Millionenumsatz wie auch Millionengewinn abschließen". Dem Unternehmen gehe es gut. "Es ist kerngesund!" Die Aussage, "Millionengewinne" zu machen, verteidigte er. Wenn man das Geschäftsjahr 2020 ohne den Verlustvortrag aus den Vorjahren betrachte, hätten sie bereits in diesem Jahr einen Millionengewinn ausgewiesen, "welcher im Jahr 2021 massiv übertroffen wird".

Und wie viel davon fließt in das Schlecker-Comeback? Immerhin der Onlinebereich des Vorhabens sei schon "komplett durchfinanziert", wie der Unternehmer dem SWR sagte. "Für die ganzen Filialgeschäfte stehen wir mit sehr starken Family-Offices und institutionellen Investoren in sehr fortgeschrittenen Gesprächen und gehen davon aus, dass wir im Januar, spätestens Anfang Februar zum Abschluss kommen." Es gehe um mehrere hundert Millionen Euro, die man brauche, um ein Filialnetz aufbauen zu können, ohne in finanzielle Nöte zu geraten, so Landrock weiter.

Fest steht: Mit seiner Ankündigung, Schlecker, die einst größte Drogeriekette Europas, wieder auferstehen lassen zu wollen, hat sich Landrock viel Aufmerksamkeit gesichert. Wie erfolgreich der Unternehmer aber wirklich ist, wird er erst noch beweisen müssen.

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