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„Pasta-Vorhölle“ für Aktionäre und Richter-Rallye: Die Firmenereignisse der Woche

Ob Bahn, Kampfjets oder der Nürburgring: Bei vielen Top-Ereignissen der kommenden Woche geht es vorwiegend um eines – das Geld der Steuerzahler.


Dreistellige Steuermilliarden sind schon zum Wochenbeginn auf der französischen Luftfahrtmesse in Le Bourget im Spiel. Gefolgt von der Zukunftsstrategie der Deutschen Bahn, die am Dienstag womöglich zulasten des Bundeshaushalts beschlossen wird. Die verlorenen Staatsbeihilfen für den Nürburgring in Höhe von 330 Millionen Euro, denen am Mittwoch Richter in Luxemburg auf den Grund gehen, sind dagegen wohl nur „Peanuts“. Was diese Woche die Firmenwelt bewegt.

Montag: Milliardenschweres Ladies Shopping in Le Bourget

Diese Vertragsunterzeichnung könnte Emmanuel Macron, der die Eröffnungsrede der Luftfahrtmesse Le Bourget hält, die Show stehlen: Gleich zu Beginn der 53. Luftfahrtausstellung bei Paris wollen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und deren französische Amtskollegin Florence Parly zur Feder greifen – und mit ihrer Unterschrift die Tür für gigantische Aufträge an die Flugzeugindustrie öffnen.

Bis zu 500 Milliarden Euro wollen beide Länder bis Mitte des Jahrhunderts für das Kampfflugzeug FCAS ausgeben, das ab 2040 in Deutschland den Eurofighter und in Frankreich die Rafale ablösen soll. Dazu will man zunächst in Le Bourget 65 Millionen Euro freigeben, um sich von Dassault Aviation und Airbus Defence & Space bis Ende 2020 eine Konzeptstudie erarbeiten zu lassen.

Für die Triebwerke sollen Safran Aircraft Engines und MTU Aero Engines verantwortlich sein, während der US-Rüstungsriese Lockheed Martin wegen der unzuverlässigen Rolle Washingtons den Kürzeren zog.

Eine gemeinsame Baumpflanz-Aktion samt sachkundigem Gärtner soll im Budget, das man beiden Verteidigungsministerinnen gewährte, übrigens nicht enthalten sein.

Dienstag: Bahn-Chef Lutz fährt ins Grüne

Das Strategiepapier heißt „Starke Schiene“, umfasst 170 Seiten und soll der Deutschen Bahn am Dienstag eine neue Richtung geben – vor allem in eine grüne Zukunft. Vor den Aufsichtsratsmitgliedern des Staatskonzerns muss Vorstandschef Richard Lutz an diesem Tag in Berlin antreten, um ihnen den geplanten Richtungswandel schmackhaft zu machen.

Von der Auslandstochter Arriva will er sich trennen, der konzerneigenen Spedition DB Schenker den Einstieg eines Fremdgesellschafters ermöglichen und dem Bahnbetrieb bis 2038 Klimaneutralität verordnen.

Stillschweigend will Lutz dabei den Plan seines Vorgängers Rüdiger Grube kassieren, die Deutsche Bahn zum globalen Mobilitäts- und Logistikkonzern mit 70 Milliarden Euro Umsatz auszubauen. Ihm schwebe keine Maximierung des Gewinns vor, ließ Lutz vorab durchblicken, sondern ein sinnvoller Beitrag zur Erfüllung der deutschen Klimaziele. 

Mit Spannung wird deshalb erwartet, ob ihm die Haushälter der Bundesregierung im Anschluss an den Vortrag die Geldschatulle öffnen – oder Lutz zum Abschuss freigeben.

Dienstag, 10 Uhr: Knorr-Bremse-Patriarch droht Abrechnung

Der Spitzenmanager, dem die Aktionäre ihr erstes Treffen am Dienstag in München verdanken, darf die Hauptversammlung bestenfalls noch auf der Anlegertribüne verfolgen. Und das auch nur, falls er Papiere der AG besitzt.

Klaus Deller, seit 2009 im Vorstand des Münchener Familienkonzerns und seit 2015 dessen Chef, hatte vor acht Monaten 30 Prozent der Aktien für knapp vier Milliarden Euro erfolgreich an die Börse gebracht. Und auch die Ertragszahlen, die er danach für das abgelaufene Jahr vorlegte, fanden wohlwollende Beachtung. Auf der Vorstandsbank des Lkw- und Zugausrüsters Knorr-Bremse thronen längst andere.

Doch Alteigentümer und Firmenpatriarch Heinz Hermann Thiele setzte den erfolgreichen Vorstandschef Ende April überraschend vor die Tür. Aus „persönlichen Gründen“, wie der Aufsichtsrat die Motivation des 78-Jährigen beschrieb. Angeblich gab es Streit um vereinbarte Bonuszahlungen.

Verständnis dafür werden allerdings nur wenige Aktionäre aufbringen. Thiele darf sich bei seinen noch frischen Mitaktionären auf einen Sturm der Entrüstung gefasst machen. Am Tag der Demission hatte ein gewaltiger Kursrutsch dafür gesorgt, dass die Anleger zusammen eine Milliarde Euro verloren.

Dienstag: Vapiano hält die Stimmung in der Tiefkühltruhe

Der Kolumnist Micky Beisenherz sprach 2015 von der „Pasta-Vorhölle“, Aktionäre der Italo-Fastfoodkette Vapiano dürften es inzwischen kaum anders sehen. Satte 75 Prozent verloren die Papiere des Bonner Restaurantkonzerns seit dem Börsengang vor fast genau zwei Jahren.

Die Hoffnung auf Besserung ist bescheiden, auch wenn die 2002 gegründete Firma nun endlich am Dienstag ihre Jahreszahlen vorlegen will – nachdem die ursprünglich für Mai terminierte Präsentation wegen Finanzierungsverhandlungen verschoben wurde.

Eine übereilte Expansion, Hygieneprobleme und fragwürdige Arbeitsbedingungen hatten das Unternehmen zuletzt in einen Sanierungsfall verwandelt. Sogar Insolvenzgerüchte machten die Runde. Mit einer Finanzspritze von 30 Millionen Euro vonseiten der Banken und Großaktionäre sind die zwar vorerst vom Tisch. Ob das Geld für einen Turnaround reicht, wird von vielen aber bezweifelt.


Mittwoch, 9.30 Uhr: Warum um den Nürburgring erneut die Richter kreisen 

Dem rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel kostet er 2009 das Amt, SPD-Ministerpräsident Kurt Beck vermutlich ebenfalls – auch wenn dieser damals „gesundheitliche Gründe“ vorschob. Am Mittwoch geht es vor dem EU-Gericht (EuG) in Luxemburg erneut um den Nürburgring, eine ehemalige Formel-1-Rennstrecke in der Eifel, die wegen fragwürdiger Beihilfen aus der Staatskasse ganze Generationen von Richtern beschäftigt.

Weil die Landesregierung in Mainz dem Anschein nach einem Betrüger aufsaß, pumpte sie vor mehr als zehn Jahren 330 Millionen Euro Staatsgeld in einen angrenzenden Vergnügungspark. Doch die überdimensionierten Verkaufshallen, Baupfusch, Schimmelbefall in fast allen Gastronomiebetrieben und eine Kartbahn, die wegen zu hoher Abgasbelastung nicht starten durfte, machten den Nürburgring bald zum Skandalbau.

Als die EU-Kommission 2012 die Rechtmäßigkeit der staatlichen Beihilfen anzweifelte, meldete der Nürburgring Insolvenz an. Zwei Jahre später verkaufte der eingesetzte Verwalter das Gelände für 77 Millionen Euro an den Autozulieferer Capricorn, der den Ring kurz darauf an den russischen Unternehmer Viktor Charitonin weiterreichte.

Zwei unterlegene Bieter hegen nun den Verdacht der unzulässigen Beihilfen. Die mit Steuergeld gepäppelte Rennstrecke solle deshalb der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, meint einer von ihnen. Am Mittwoch urteilen die Richter.

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