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Was passiert, wenn man im Weltraum das Gesetz bricht – und wie Regierungen die Regeln getestet haben

Auch im Welttraum gibt es Gesetze: Was passiert, wenn diese gebrochen werden und wie testen Regierungen die Regeln?

Der Astronaut John Young grüßt die Flagge beim Absprung während der Apollo-16-Mission am 21. April 1972. - Copyright: NASA/Charlie Duke
Der Astronaut John Young grüßt die Flagge beim Absprung während der Apollo-16-Mission am 21. April 1972. - Copyright: NASA/Charlie Duke

Die Vorstellung, dass der Weltraum ein rechtsfreier Raum sei, ist weit verbreitet. Allerdings ist man auch außerhalb der Erde den Behörden gegenüber verpflichtet. Auch wenn bisher keine Fälle bekannt sind, in denen jemand wegen eines im Weltraum begangenen Verbrechens angeklagt wurde, könnte sich das in Zukunft ändern. Schließlich wird der Weltraum für Menschen immer zugänglicher – und mit ihnen könnte auch regelwidriges Verhalten, wie es auf der Erde regelmäßig vorkommt, in den Kosmos gelangen.

Sputnik 1 startete erfolgreich und trat am 4. Oktober 1957 in die Erdumlaufbahn ein. - Copyright: NASA/Asif A. Siddiqi
Sputnik 1 startete erfolgreich und trat am 4. Oktober 1957 in die Erdumlaufbahn ein. - Copyright: NASA/Asif A. Siddiqi

Die bestehenden Gesetze sind jedoch Jahrzehnte alt und nur schwer durchsetzbar. Im Jahr 1967 unterzeichneten mehr als 100 Nationen den Weltraumvertrag – im Grunde eine Art Magna Carta des Weltraumrechts. Das Dokument enthält viele allgemeine Grundsätze, aber nur wenige konkrete Bestimmungen.

Im Großen und Ganzen heißt es, dass der Weltraum von allen Nationen frei genutzt werden kann und dass Planeten wie der Mond ausschließlich für friedliche Zwecke genutzt werden sollten. Außerdem verbietet der Vertrag einer Nation, Anspruch auf den Weltraum und die Himmelskörper zu erheben. Deshalb verabschiedete der Kongress im November 1969 ein Gesetz, in dem bekräftigt wurde, dass die Apollo-11-Mission, bei der eine Flagge auf dem Mond platziert wurde, eine "symbolische Geste des nationalen Stolzes auf die Errungenschaft" war, und nicht etwa, dass die Vereinigten Staaten damit einen Anspruch auf den Mond erheben.

Zwar lässt sich der Vertrag nur schwer durchsetzen, doch wenn ein Land, eine Person oder ein Unternehmen gegen die Richtlinien verstößt – etwa durch den Abschuss einer Atomwaffe im Weltraum oder das Aufstellen einer Flagge auf einem Asteroiden – könnten andere Raumfahrtnationen Sanktionen verhängen.

Die Staats- und Regierungschefs der Raumfahrtnationen bei der Unterzeichnung des Weltraumvertrags im Jahr 1967. - Copyright: United Nations
Die Staats- und Regierungschefs der Raumfahrtnationen bei der Unterzeichnung des Weltraumvertrags im Jahr 1967. - Copyright: United Nations

Bislang sind keine strafrechtlichen Anklagen oder Verurteilungen im Weltraum bekannt, aber das könnte sich mit der zunehmenden Präsenz kommerzieller und privater Akteure im Weltraum ändern. Am 23. Juni verabschiedeten die kanadischen Gesetzgeber ein Gesetz, das der Regierung erlauben würde, kanadische Astronauten für auf dem Mond begangene Straftaten anzuklagen.

Von zerstörerischen Raketentests bis hin zur Versäumung einer Steuerfrist, um in letzter Minute auf eine Mission zu gehen – im Folgenden zeigen wir euch, wie das Weltraumrecht bisher getestet wurde.

1. Die russischen Tests von Anti-Satelliten-Raketen haben eine gefährliche Trümmerwolke erzeugt

Dieses Teleskopbild zeigt Trümmer des Satelliten Cosmos 1408, nachdem er am 15. November 2021 durch die russische Anti-Satellitenwaffe zerstört wurde. - Copyright: Numerica Corporation
Dieses Teleskopbild zeigt Trümmer des Satelliten Cosmos 1408, nachdem er am 15. November 2021 durch die russische Anti-Satellitenwaffe zerstört wurde. - Copyright: Numerica Corporation

Das Gesetz: Das Weltraumabkommen von 1967, in dem festgelegt ist, dass die Vertragsparteien all ihre Aktivitäten im Weltraum "mit angemessener Rücksichtnahme" auf andere im Weltraum aktive Parteien durchführen müssen.

Wie gegen das Gesetz verstoßen wurde: Russland zerstörte absichtlich seinen eigenen Satelliten, wodurch langlebiger Weltraumschrott entstand, der umliegende Satelliten und Raumstationen mit Besatzung gefährdet. Mehrere Regierungen haben Anti-Satellitenwaffen getestet, die in der Umlaufbahn Spuren von Weltraummüll hinterlassen.

Im November 2021 führte Russland einen Test mit Anti-Satellitenwaffen durch, bei dem einer seiner eigenen Satelliten, Cosmos 1408, der seit Jahren nicht mehr funktionsfähig war, absichtlich getroffen wurde. Der nicht mehr funktionsfähige Satellit zerbrach in tausende Teile, die weiterhin die Erde umkreisen und das Risiko erhöhen, dass die Trümmer eines Tages Satelliten oder bemannte Raumfahrzeuge beschädigen könnten.

Nach Angaben der NASA musste sich die Internationale Raumstation (ISS) am 24. Oktober verlagern, um einem Stück Weltraumschrott des russischen Satelliten Cosmos 1408 auszuweichen. Laut einer von der Secure World Foundation zusammengestellten Datenbank, haben die Vereinigten Staaten, Russland, China und Indien seit 1959 verschiedene Formen von Anti-Satellitentests durchgeführt. Die Secure World Foundation setzt sich im Allgemeinen für die Förderung kooperativer Lösungen für die Nachhaltigkeit im Weltraum ein. Letztes Jahr erklärten die USA als erste Raumfahrtnation ein Verbot von Anti-Satellitenwaffentests.

2. Freispruch für NASA-Astronautin Anne McClain, die etwa 386 Kilometer über der Erdoberfläche auf das Bankkonto ihrer Ex-Ehefrau zugegriffen haben soll

NASA-Astronautin Anne McClain am 3. Dezember 2018. Obwohl sie später freigesprochen wurde, wurde McClain beschuldigt, das erste Verbrechen im Weltraum im Jahr 2019 begangen zu haben. - Copyright: SHAMIL ZHUMATOV/AFP via Getty Images
NASA-Astronautin Anne McClain am 3. Dezember 2018. Obwohl sie später freigesprochen wurde, wurde McClain beschuldigt, das erste Verbrechen im Weltraum im Jahr 2019 begangen zu haben. - Copyright: SHAMIL ZHUMATOV/AFP via Getty Images

Das Gesetz: Identitätsdiebstahl und missbräuchlicher Zugriff auf private Finanzunterlagen.

Wie gegen das Gesetz verstoßen wurde: Eine NASA-Astronautin wurde beschuldigt, auf das Bankkonto ihrer Ex-Frau zugegriffen zu haben, während sie auf der ISS lebte.

Während McClains Aufenthalt an Bord der ISS von Dezember 2018 bis Juni 2019, beschuldigte die ehemalige Ehefrau der amerikanischen Astronautin McClain, einen Computer der NASA benutzt zu haben, um sich illegal in ihre persönlichen Bankkonten einzuloggen, berichtet die New York Times.

Für die ISS gibt es ein eigenes zwischenstaatliches Abkommen, das die Partnerländer des Raumfahrtprojekts im Jahr 1998 unterzeichnet haben. Darin heißt es, dass jedes an der ISS beteiligte Land strafrechtlich für sein eigenes Personal im Weltraum zuständig ist, solange es sich bei den Betroffenen nicht um eine Person aus einem anderen Land handelt, die sich ebenfalls im Weltraum befindet.

Die NASA hat McClains Ruf verteidigt, bevor sie den Vorfall untersuchte und schließlich feststellte, dass die Behauptungen gegen McClain falsch waren. McClains Ex-Frau, die die Anschuldigungen bei der Federal Trade Commission eingereicht hatte, wurde später in zwei Fällen wegen Falschaussagen bei den Bundesbehörden angeklagt. Die Federal Trade Commission ist eine US-amerikanische, unabhängig arbeitende Bundesbehörde und ist für den Verbraucherschutz und die Zusammenschlusskontrolle zuständig.

3. Versäumnis einer Steuerfrist im Zuge einer kurzfristigen Weltraumreise

Jack Swigert in einem Astronautenanzug im Jahr 1970, demselben Jahr, in dem er vor seinem Einsatz vergaß, seine Steuererklärung abzugeben. - Copyright: NASA
Jack Swigert in einem Astronautenanzug im Jahr 1970, demselben Jahr, in dem er vor seinem Einsatz vergaß, seine Steuererklärung abzugeben. - Copyright: NASA

Das Gesetz: US-amerikanisches Steuergesetz.

Wie gegen das Gesetz verstoßen wurde: In den 1970er Jahren verpasste ein Apollo-Astronaut den 15. April als Frist für die Steuererklärung, nachdem er in letzter Minute ins All geflogen war.

Als Jack Swigert, Astronaut der Apollo 13, im Jahr 1970 feststellte, dass er seine Einkommensteuererklärung nicht rechtzeitig zum 15. April abgegeben hatte, gab es ein Problem: Er war bereits im Weltraum.

Swigert wurde in letzter Minute in die Besatzung von Apollo 13 aufgenommen. Da er sich beeilen musste, nachdem ein anderer Astronaut aus medizinischen Gründen von der Mission zurücktreten musste, hat er vergessen, seine Steuererklärung vor der Abreise abzugeben.

"Äh, oh. Habt ihr eure Einkommenssteuer ausgefüllt?", fragte Swigert laut der offiziellen NASA-Mitschrift die Missionsleitung. Die Leitung der Mission brach in Gelächter aus, worauf Swigert antwortete: "Das ist nicht so lustig, alles ging ziemlich schnell da unten, und ich brauche dringend eine Fristverlängerung." Letztendlich erhielt Swigert von der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten, dem Internal Revenue Service, eine Fristverlängerung, da er sich technisch gesehen "im Ausland" befand.

Video: Raumfahrt: Klimawandel verschärft Problem mit Weltraumschrott

Dieser Artikel wurde von Melanie Gelo aus dem Englischen übersetzt. Das Original lest ihr hier.