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"Die Parkplätze sind zu günstig" — Wie diese 31-Jährige die Verkehrswende in den Städten vorantreiben will

·Lesedauer: 5 Min.
Sarah Göhler machte an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen ihren Bachelor und Master.
Sarah Göhler machte an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen ihren Bachelor und Master.

Dieser Artikel ist Teil des Zukunftsmacherinnen-Rankings von Business Insider. Das komplette Ranking findet ihr hier.

Die Metropole an der Isar hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Hotspot der Future Mobility entwickelt. In München haben nicht nur einige chinesische Elektroauto-Hersteller ihren Europasitz eingerichtet. Der Autovermieter Sixt möchte zudem zusammen mit Nio und der Intel-Tochter Mobileye schon ab 2022 in der Stadt autonome Taxis einsetzen. Und München ist zudem die neue Heimat der internationalen Automesse IAA.

Eine, die die IAA mitgestaltete, war Sarah Göhler. Als Innovationsmanagerin bei den Stadtwerken München sorgt sie dafür, dass auf den Straßen und Bahnlinien der bayrischen Landeshauptstadt neue Denkansätze Realität werden. Konkret befasste sie sich beispielsweise mit den Open Spaces in der Münchner Innenstadt, sowie den autonomen Shuttle Bussen, die im Rahmen der Veranstaltung unterwegs waren.

Ihr Fazit der Messe fällt im Nachhinein insgesamt eher durchwachsen aus: "Mich hat das Programm nicht ganz überzeugt. Für eine "IAA Mobility" waren einfach noch zu viele Autos und große Hersteller da. Außerdem waren die Tickets zu teuer", sagt sie im Gespräch mit Business Insider. Zudem musste man sich den Zugang zu manchen Bereichen der Messe teuer erkaufen.

EU-Lobbyistin für den ADAC als erste Station

Dass die Hersteller und die Organisatoren das Thema Mobilitätswende auf der Messe eher halbherzig angegangen sind, habe sich auch an der Dominanz einer bestimmten Bevölkerungsgruppe gezeigt: "Wenn man im Vorfeld Werbung macht, dass man eine komplett neue IAA machen und an neuen Mobilitätskonzepten arbeiten möchte, ist es eher schwierig, wenn dann fast nur weiße Männer und kaum Frauen beteiligt sind", gibt Sarah Göhler zu Bedenken.

Doch die IAA ist nicht Göhlers einziges Projekt, um die Verkehrswende voranzutreiben. Neben Staus und der Luftverschmutzung nennt sie die zu große Zahl privater PKW als ein Hindernis in den unter Platznot leidenden Städten: "Die Parkplätze sind zu günstig. In München kostet ein Anwohnerparkausweis 30 Euro. Die Flächen sind in der Stadt aber so teuer. Mit ihnen könnte man viele andere tolle Dinge machen und sie deutlich effizienter nutzen", so Göhler.

Dass es Göhler in den Mobilitätssektor verschlagen hat, war nicht vorbestimmt. Zwischen ihrem Bachelor und Master in "Politics, Administration & International Relations", befasste sie sich erstmals mit dem Thema Mobilität. Als Referentin im Bereich der europäischen Interessenvertretung koordinierte sie beim ADAC die Zusammenarbeit mit verschiedenen EU-Abgeordneten und Verbänden. "Ich habe mich damals beim ADAC beworben, weil man als EU-Lobbyistin viel bewirken kann", meint die gebürtige Schwäbin.

Der IsarTiger war eines ihrer Herzensprojekte

Anfang 2020 stieß Sarah Göhler zur Geschäftsführung der Münchner Verkehrsgesellschaft, wo sie für die Leitung der neuartigen Mobilitätsangebote zuständig war. Eines ihrer Herzensprojekte war der IsarTiger, eine Art lokales Sammeltaxi, das per Telefon gerufen werden konnte. Der Fokus lag hierbei auf erschwinglichen Preisen. Pro Kilometer wurde nach ihrer Aussage nur ein Cent fällig.

Auch deshalb stieß das Angebot auf ein großes Interesse. Trotz seiner großen Beliebtheit und einer großteils guten Auslastung wurde der IsarTiger mittlerweile wieder eingestellt. Gründe waren vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die hohen Kosten. "Der IsarTiger war ein echter Hit bei den Bürgern. Es wäre schön, wenn man sowas auch in den Randbezirken anbieten könnte. Dann würden nicht nur die stärkeren Milieus davon profitieren, sondern auch die sozial schwächeren", so Göhler.

An Anrufern mangelte es nicht. Allerdings sei die Nachfrage von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich hoch gewesen. In einem Testgebiet sei das Projekt beispielsweise auf deutlich weniger Interesse gestoßen. "Man muss strategisch überlegen, wo es wirklich Sinn ergibt, Shared-Mobility-Produkte anzubieten. Wo ist ein Bedarf, wo ist ein Nutzen da? Dieses Bewusstsein entwickelt sich bei der Stadt und bei der Stadtverwaltung langsam. Es ist aber noch lange nicht so stark ausgeprägt, wie in der Privatwirtschaft. Eine stärkere Miteinbeziehung der Bürger kann hier helfen", meint die Innovationsmanagerin.

Sie setzt auf die Mitbestimmung der Bürger

Bürgerbeteiligung hat für die 31-Jährige insgesamt eine große Bedeutung. "Ich habe einen Ideen-Steckbrief, mit dem ich Bürgerinnen und Bürger dazu animiere, ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Mir ist es ein Anliegen, die Menschen stärker mit einzubeziehen. Sie sind nämlich täglich mit den Verkehrsproblemen konfrontiert", so Göhler. Deshalb setzt sie das Hilfsmittel auch im Mobilitätslabor ein, das sie seit Januar mit aufbaut und leitet.

Die Einrichtung hat das Ziel, die Player im Mobilitätsbereich miteinander, aber eben auch mit den Stadtwerken und der Stadtverwaltung zu vernetzen. Neben Startups und Technologieunternehmen sind auch die lokal ansässigen Autobauer beteiligt. Die Partner tauschen sich untereinander aus und brainstormen über neue Mobilitätsprojekte. "Dieser Kooperationsgedanke ist sehr wichtig für uns. Wir sind als MVG die Mobilitätsmacher. Dabei brauchen wir in Zukunft aber auch starke Partner an unserer Seite. Wir möchten aber nicht alles alleine machen, sondern setzen auf Zusammenarbeit", fasst Göhler die Ziele hinter der Einrichtung zusammen.

Das Mobilitätslabor ist in dem lokalen Innovationszentrum "Munich Urban Colab" untergebracht. Schon allein deshalb steht die Einrichtung mit dem Bundesverkehrsministerium im regen Austausch: "Das von Herrn Scheuer neu gegründete Deutsche Zentrum für Mobilität sitzt auch dort. Dadurch hat es nochmals einen ganz anderen politischen Rang erfahren", sagt die Schwäbin.

Eines wünscht sich Göhler noch: mehr Kolleginnen. Frauen seien ihrer Meinung nach nämlich in der Sparte unterrepräsentiert: "Die gesamte Mobilitätsbranche ist stark von Männern dominiert. Ich bin stark dafür, dass hier eine Frauenquote eingeführt wird. Als Frau ist es aufgrund von Vorurteilen einfach immer noch so schwer in bestimmte Positionen zu kommen", sagt sie. Es gibt also nicht nur im Mobilitätslabor noch viel zu tun, um wirklich modern zu werden.

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