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GOAT-Debatte! Was für und gegen Djokovic als größten Spieler spricht

·Lesedauer: 7 Min.
GOAT-Debatte! Was für und gegen Djokovic als größten Spieler spricht
GOAT-Debatte! Was für und gegen Djokovic als größten Spieler spricht

Novak Djokovic hat in Paris den 19. Grand-Slam-Titel seiner Karriere geholt.

Vorausgegangen war ein Mega-Comeback im Finale gegen Stefanos Tsitsipas, bei dem der Weltranglistenerste aus Serbien von einem 0:2-Satzrückstand zurückgekommen war und die Partie mit 6:4 im fünften Satz noch für sich entscheiden konnte.

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Ausgerechnet in Rafael Nadals Wohnzimmer hat Djokovic damit einen weiteren Grand-Slam-Titel seiner illustren Sammlung hinzugefügt und mit diesem Erfolg sowie dem Sieg im Halbfinale gegen den Spanier die Debatte um den Tennis-GOAT (Greatest of all time) neu entfacht.

Ist Djokovic nun bereits der beste Tennisspieler der Geschichte oder haben Roger Federer und/oder Nadal noch die Nase vorn?

Darum ist Djokovic bereits der GOAT:

Vielseitigster Spieler der "Big 3":

Nach dem Triumph bei den French Open hat Djokovic als erster Spieler der Open Era alle vier Grand Slams mindestens zweimal gewonnen. Der Serbe konnte zudem Federer dreimal bei dessen Lieblings-Grand-Slam in Wimbledon besiegen und nun auch Nadal zweimal bei dessen Heimspiel in Paris.

Djokovic stand auch als einziger Profi bei jedem Grand Slam mindestens sechsmal im Endspiel. Er hat also keinen schwachen Belag - und einzig bei den French Open gilt er aufgrund Nadals Über-Leistung dort nicht als Topfavorit. Auf Hartplatz ist Djokovic die klare Nummer 1 der "Big 3", auf Sand die 2 hinter Nadal und auch auf Rasen ist er mindestens die 2.

Positive Bilanz gegen Federer und Nadal:

Zugegeben, mit 27:23 (Federer) und 30:28 (gegen Nadal) ist nicht gerade von einem eindeutigen Vorteil von Djokovic zu sprechen. Man kann die Zahlen auch darauf zerlegen, dass Djokovic das Head-to-Head mit Federer erst 2016 auf seine Seite ziehen konnte, als Federer trotz des Aufschwungs von Anfang 2017 bis Anfang 2018 sicher weitgehend nicht mehr in Peak-Form war.

Allerdings hatte sich Djokovic bis 2011 auch bereits einen 6:13-Rückstand eingehandelt, als er noch nicht so weit war. Fakt ist: Djokovic hat gegen beide Kontrahenten den Vorteil auf seiner Seite, wenngleich der Unterschied knapp und zumindest im Duell mit Nadal noch nicht entschieden ist. Aktuell daher ein gewichtiges Argument für ihn in der GOAT-Debatte.

Djokovic in Peak-Form macht keine Fehler:

Was Djokovic jüngst im Duell mit Nadal, aber auch schon häufiger in den wichtigsten Momenten seiner Karriere wie beim berühmten Wimbledon-Finale gegen Federer 2019 zeigte: Der Weltranglistenerste kann einfach aufhören über einen längeren Zeitraum Fehler zu machen.

Was banal klingt, ist eine Fähigkeit, die ihn vom Rest abhebt. Denn Djokovic spielt die Bälle dann nicht nur einfach auf Sicherheit zurück, sondern weiterhin mit ungeheurer Präzision. Ist Djokovic im Flow mit vollem Fokus angekommen, kann er 30 Minuten ohne einen Fehler spielen und ein Level erreichen, wo er für alle unspielbar wird.

Langlebigkeit und Fitness:

Djokovic und Nadal zählen zu den fittesten Spielern, die der Tennissport je gesehen hat. Beide können auch knapp sechs Stunden über den Court rennen, wie sie in Duellen gegeneinander bereits bewiesen haben. Doch bei Nadal macht sich nach engen Partien langsam bemerkbar, dass er mehr Erholungsphasen braucht und auch seinen Turnierkalender wie Federer deutlich reduzieren muss.

Bei Djokovic hatten viele nach Satz 2 im Finale gegen Tsitsipas auch den Eindruck, als ob er mit seinen Kräften am Ende wäre - doch nach der Rückkehr kam Djokovic laut dem Griechen "als anderer Spieler zurück". Tsitsipas weiter: "Alles fühlte sich bei ihm frischer an als bevor." Während beim 22-Jährigen die Kräfte in Satz 5 sichtbar schwanden, wirkte der zwölf Jahre ältere Gegner noch vergleichsweise frisch.

Es ist der größte Trumpf für Djokovic in der GOAT-Debatte, da anders als bei Federer und Nadal bei ihm noch überhaupt nicht abzusehen ist, wann seine Energie nachlässt und er nur noch vereinzelte Glanzlichter setzen kann.

Darum ist Djokovic (noch) nicht der GOAT:

Weniger Grand-Slam-Titel (und kein Olympia-Gold):

Djokovic hält einige Rekorde wie die meisten Wochen auf Weltranglistenplatz 1. Das spricht für seine Konstanz - allerdings genießt die Rangliste bei den Spielern unterschiedlichen Stellenwert. Federer hatte zum Beispiel den Rekord von Pete Sampras bereits 2012 geknackt, wodurch Rang 1 für ihn an Bedeutung verlor. Für Nadal reichte es bereits, einmal Nummer 1 zu sein.

Djokovic hatte die Federer-Marke dagegen als großes Ziel im Auge und tat alles, um sie zu übertreffen - was ihm 2021 auch gelungen ist. Etwas, worauf jedoch alle drei gleichermaßen scharf sind, sind die Grand Slams. Hier liegt Djokovic aktuell noch einen Titel hinter Federer und Nadal. Auch der Serbe weiß, dass dies das wichtigste Argument in der GOAT-Debatte ist.

Einen Titel, den Djokovic im Gegensatz zu Nadal nie gewonnen hat, ist Einzel-Gold bei Olympia. Das kann er in Tokio ändern - falls er an den Start geht. Mit der Aussicht auf den Golden Slam (alle vier Grand Slams in einem Jahr + Olympia-Gold im Einzel) sowie Gold für Serbien käme ein Verzicht aber überraschend.

Jeder der "Big 3" dominiert einen Belag:

Immer wieder wird über Nadal gesagt, er sei der beste Sandplatzspieler der Geschichte. Das Gleiche kann man aber auch über Djokovic auf Hartplatz sagen - oder Federer auf Rasen. Auch wenn Djokovic Nadal nun in Paris bezwungen hat, müssen sogar die größten Djokovic-Fans zugeben, dass Nadal dort und auf Sand über die Karriere gesehen die klare Nummer 1 ist.

Auf Rasen finden sich leichter Argumente, die an Federers Überlegenheit gegenüber Djokovic zweifeln lassen. So spricht das Head-to-Head in Wimbledon mit 3:1 für Djokovic. Allerdings waren die drei Siege von Djokovic 2014, 2015 und 2019. Einzig bei 2019 lässt sich streiten, ob Federer nahe an seiner Peak-Form auf Rasen war. Daher ist der Vergleich schwierig, da Federer in seinen besten Jahren auf Rasen nur 2012 gegen Djokovic spielte - und damals auch gewann.

Federer hat zudem acht Mal Wimbledon gewonnen (Djokovic fünfmal), stand zwölfmal im Finale (Djokovic sechsmal) und hat auch prozentual mit 101:13-Siege eine bessere Bilanz als Djokovic (72:10) dort.

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Fehltritte neben und Ausraster auf dem Court:

Jeder macht Fehler - und ob man die gute Intention von Djokovic bei Dingen wie der im Corona-Debakel endenden Adria Tour bei aller Naivität nachsieht, muss jeder für sich beantworten. Denn Djokovic tut abseits des Courts auch viel Gutes und zeigt nach Partien oft Herz wie mit seinem Schlägergeschenk nach dem Sieg in Paris - wenngleich seine häufigen Wut-Probleme auf dem Court sicher wenig vorbildhaft sind.

Djokovic hat sich aber schon Fehltritte geleistet, die schwierig zu rechtfertigen sind. Als er während der Corona-Pandemie mit einem befreundeten Guru sprach, sagte Djokovic zum Beispiel: "Ich kenne einige Leute, die durch energetische Transformationen, durch die Kraft von Gebeten, durch die Kraft von Dankbarkeit, das giftigste Essen oder vielleicht das giftigste Wasser in das Wasser mit der größten Heilkraft verwandelt haben, weil Wasser reagiert."

Das ist nicht nur Quatsch, sondern vor allem auch lebensgefährlich. Djokovic hat weltweit viele Fans und laut seinem Vater auch besonders viele in ärmeren Ländern - man kann nur hoffen, dass kein Kind oder Erwachsener seinem großen Idol in dieser Sache Glauben schenkt und es ausprobiert. Ob so etwas in der GOAT-Debatte eine Rolle spielen sollte, liegt aber im Auge des Betrachters.

In der Popularität hinter Federer und Nadal:

Ähnliches gilt auch für dieses Argument - es gibt schließlich keine Definition, was genau einen GOAT auszeichnet. Ist es rein sportlich zu bewerten oder spielen bei der Frage nach dem Größten einer Sportart auch andere Maßstäbe mit rein und wie genau sehen diese aus? Und auch wenn es gerne anders dargestellt wird, hat Djokovic ebenfalls wahnsinnig viele Fans.

Klar ist aber auch, dass er bei der Popularität weltweit trotzdem hinter Federer und Nadal liegt - ob er daran durch einige Fehltritte selbst schuld ist oder wenig dafür kann, spielt dabei keine Rolle. Geht es um das Gesicht des Tennissports, wird die Mehrheit Federer als Erstes nennen. Ob ihn das jedoch auch zum GOAT macht, ist ein andere Frage.

FAZIT zur GOAT-Debatte:

Wer Djokovic gerne bereits zum Tennis-GOAT erklären will, findet inzwischen leicht einige gute Argumente dafür. Doch es gibt auch Gründe, weshalb sich die Frage zumindest aktuell genauso gut mit "Nein" beantworten lässt - das Gleiche gilt aber auch für Federer und Nadal.

Jeder definiert anders, was einen GOAT auszeichnet und wie soll man überhaupt Spieler generationenübergreifend vergleichen? War ein Rod Laver, der zweimal den Grand Slam (also vier Majors in einem Turnier) gewinnen konnte, schlechter, weil er als Profi lange bei Grand Slams nicht mitspielen durfte? Und wie vergleicht man die Voraussetzungen damals mit den schwierigen Reisen, kaum vorhandenen Betreuerstab usw. mit den deutlich besseren Bedingungen heute?

Jeder sollte daher für sich selbst entscheiden, wer der Tennis-GOAT ist - oder einfach alle drei (plus eventuell weitere Spieler aus früheren Zeiten) für die Größten halten und es genießen, solange sie noch spielen. Nach ihren Karrieren kann man dann in Ruhe noch einmal schauen, ob man zwingend einen über die anderen stellen muss

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