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"Pandemic Footprint": Jeder kann etwas beitragen

Wer sich fragt, wie er oder sie sich in dieser Krisenzeit verhalten soll, um möglichst wenig andere Menschen zu gefährden, sollte seinen Pandemic Footprint Index berechnen.

Mit wie vielen Personen haben Sie täglich Kontakt? Mehr als 1000? Dann ist Ihr Pandemic Footprint Index wahrscheinlich sehr hoch. Foto: Screenshot / www.pandemic-footprint.com

In jeder Krise liegt eine Chance: Eine Binse, die nicht darüber hinwegtäuschen soll, wie viele Berufsstände gerade um ihre Existenz kämpfen. Die Coronavirus-Pandemie trifft die Menschen unterschiedlich schwer und es muss alles darangesetzt werden, dass jeder und jedem in Not geholfen wird. Dazu gibt es immer mehr Möglichkeiten, etwa freiberuflich Arbeitenden finanziell unter die Arme zu greifen oder jetzt Initiative zu zeigen und dringend benötigtes Blut zu spenden oder bei der #Nachbarschaftschallenge mitzumachen.

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Die Krise bietet Kreativen aber auch die Chance, neue Ideen umzusetzen, weil sie nicht ihrer normalen Arbeit nachgehen können. Die Freunde Christian Wolf, Len Werle und Alexander Grimme etwa haben sich zusammengefunden, ein Online-Tool erfunden und eine zugehörige Webseite programmiert, die Nutzern und Nutzerinnen zeigt, ob sie sich während der Coronavirus-Pandemie „richtig verhalten“. Das bedeutet laut Bundeskanzlerin Angela Merkel das Folgende:

„Es kommt auf jeden an. Wir sind nicht verdammt, die Ausbreitung des Virus passiv hinzunehmen. Wir haben ein Mittel dagegen: Wir müssen aus Rücksicht voneinander Abstand halten.”

Aber nicht nur Abstand hilft, noch zahlreiche weitere Faktoren beeinflussen, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf die aktuelle Coronavirus-Pandemie hat. Wolf, Werle und Grimme haben deshalb den „Pandemic Footprint Index“ (PFI) erfunden.

Der Pandemic Footprint ist dem ökologischen Fußabdruck nachempfunden

Um ihn zu ermitteln, beantwortet man neun Fragen, die reichen vom „täglichen persönlichen Kontakt“ mit anderen Menschen über die Umsetzung der „Hygiene-Etikette“ bis hin zu aktuellen Reisen in „Covid-19-Risikogebiete“ (beispielsweise nach Italien, in die chinesische Provinz Hubei oder den deutschen Kreis Heinsberg). Aus den Antworten errechnet die Seite dann den persönlichen Pandemie-Fußabdruck.

Wer einen PFI vom Maximal-Wert 1000 hat, bei dem klingt das Ergebnis so:

„Vorsicht! Ihr Pandemie-Verhalten ist bedenklich. Im Falle einer eigenen Infektion könnten Sie mehrere Mitmenschen anstecken, ohne es selbst zu bemerken. Bitte beachten Sie – wenn möglich – die unten stehenden Handlungsempfehlungen und informieren Sie sich wie Sie Ihr Verhalten in dieser Ausnahmesituation verbessern können. Sie müssen Ihr Verhalten strenger an die aktuelle Situation anpassen.“

Innerhalb von zwei Tagen zum fertigen Produkt

Wer sich absolut vorbildlich verhält, erreicht einen Wert von 1. Da klingt das Ergebnis wie folgt:

„Unglaublich! Ihre Aktionen und Ihr Verhalten sind vorbildlich. Wenn alle Menschen wie Sie handeln würden, wäre es innerhalb kürzester Zeit realistisch, die weltweite Pandemie stark einzudämmen. Überzeugen Sie weitere Personen die empfohlenen Schutzmaßnahmen umzusetzen. Nachstehend finden Sie weitere Handlungsempfehlungen um den Schutz noch weiter zu verbessern.“

Zusätzlich liefert die Seite noch Informationen und Links zum Verbessern des eigenen Verhaltens. Die Idee dazu hatten Wolf, Werle und Grimme – sie kennen sich laut ZDF seit der Schulzeit – erst am vergangenen Samstag. Via Whatsapp-Gruppe beschlossen sie demnach, dass sie einen Beitrag leisten wollten und den Menschen klarmachen, wie sich ihr Verhalten auf die Ausbreitung des Coronavirus auswirke. Drei Stunden später kauften sie die Domain, am Sonntagmorgen stand das Grundgerüst, Tests mit Freunden und Familienmitgliedern folgten. Noch am selben Abend ging die Seite online. Bis Mittwoch verzeichnete sie rund 30.000 Besucher und Besucherinnen.

Vor allem die junge Generation soll sensibilisiert werden

Im Interview mit dem ZDF sagt Wolf: „Wir wollten den Leuten möglichst einfach klarmachen, dass es einen Unterschied macht, ob sie jetzt noch in Bars sitzen oder zuhause bleiben. Wenn jeder schaut, dass sein Pandemic Footprint klein ist und bleibt, dann hilft das allen.“ Die drei hoffen besonders die junge Generation dafür zu sensibilisieren, dass sie zum Schutz von Risikogruppen jetzt verzichtet.

Covid-19 im Alltag: Was jeder von uns jetzt tun muss

Wolfs Fußabdruck, der als Berater im Bereich Innovation arbeitet, betrug um die 100: „Freitagabend war ich selbst noch in einer Bar. Aber schon mit ungutem Gefühl.“ Jetzt ist er im Homeoffice, wie seine beiden selbstständigen Freunde auch. Gemeinsam hatten sie, Werle als Sportjournalist und Grimme als Geschäftsführer eines Online-Portals für Diät-Rezepte, die Fähigkeiten, ihre Seite in so kurzer Zeit zu entwerfen. Sie haben die krisenbedingte Zeit genutzt, um jetzt möglichst vielen Menschen zu helfen.

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