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Palantir-Aktie nach Börsengang – jetzt sofort kaufen?

Stefan Naerger, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Jetzt hat es auch die Palantir-Aktie (WKN: A2QA4J) geschafft. Nach dem lange erwarteten Börsengang der Snowflake-Aktie (WKN: A2QB38) ist auch der zweite Tech-Hammer des Jahres endlich von jedermann zu erwerben.

Bei Aktien, die frisch an die Börse kommen, schlagen für gewöhnlich zwei Herzen in der Brust eines intelligenten Investors. Einerseits fehlt die Sicherheit lang herausgebildeter Kursmuster. Andererseits bietet ein früher Einstieg große Chancen, da die Preisfindung noch in Arbeit ist. Wer hätte – im Nachhinein betrachtet – nicht gerne die Amazon-Aktie (WKN: 906866) direkt am Tag ihres Börsengangs gekauft?

Pro oder Contra – was überwiegt im Fall der Palantir-Aktie?

Gute Fakten, schlechte Fakten

Das Grobe ist schnell erklärt: Palantir ist einer der ältesten Spezialisten im Megatrend „Big Data“. 2004 wurde das Unternehmen gegründet. Unter anderem von Superinvestor Peter Thiel. Der hatte seine Finger nicht nur bei Fintech PayPal (WKN: A14R7U) mit im Spiel, sondern war auch maßgeblich am Erfolg von Social-Media-Gigant Facebook (WKN: A1JWVX) beteiligt. Ein Mann, der im Dunstkreis von Elon Musk und Mark Zuckerberg die Fäden zieht – das riecht nach Erfolg! Auch für Palantir?

Der finanzielle Erfolg scheint sich leider noch nicht eingestellt zu haben. Für 2019 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 743 Mio. US-Dollar bei einem Verlust von 580 Mio. US-Dollar. Bei einem Big-Data-Pionier, der seit rund 16 Jahren am Markt ist, hätte ich deutlich bessere Ergebnisse erwartet.

Andererseits glänzt auch Snowflake (noch) nicht mit berauschenden Zahlen. Käufer findet die Aktie bisher anscheinend trotzdem genug (Stand: 01.10.2020).

Wie bei allen anderen Aktien gilt auch für die Palantir-Aktie: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Immerhin an dieser Front konnte sich die Sicht auf die Palantir-Aktie in letzter Zeit deutlich aufhellen. Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Umsatz um rund 50 %. Wenn die Sterne richtig stehen, scheint Palantir offenbar genug zahlungswillige Kunden zu finden. Das ist ein gutes Zeichen.

Das Geschäft hinter der Palantir-Aktie ist mysteriös

Was uns direkt zum Geschäftsmodell führt – dem eigentlichen Kern jeder Investition. Denn wie jeder langsam wissen sollte: Man kauft nicht die Aktie, sondern das Geschäft. An dieser Finesse trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier wird entschieden, wer irrationaler Spekulant und wer intelligenter Investor ist.

Bekannt ist Palantir vor allem für seinen schwer zu durchschauenden Kundenstamm. Insbesondere Mitglieder aus der United States Intelligence Community (Nachrichtendienstgemeinschaft der Vereinigten Staaten) waren bislang gern gesehene Partner im Hause Palantir.

Berüchtigt sind vor allem zwei Projekte. Palantir Gotham, das von Anti-Terror-Analysten verwendet wird, und Palantir Metropolis, das in den Sphären von Hedge Funds, Banken und Finanzdienstleistern zum Einsatz kommt.

Die Qualität der Produkte ist von außen nur schwer einzuschätzen. Immerhin ist bekannt, dass das „On-Boarding“ bei neuen Kunden doch recht häufig mit einigem Personaleinsatz verbunden ist. Oft verbringen Palantir-Entwickler Monate oder gar Jahre bei einem neuen Kunden, um die IT-Infrastruktur anzuklemmen.

Das spricht eher nicht für eine schnelle Skalierung der Plattform – und somit auch nicht für schnell wirkende Netzwerkeffekte, die der Palantir-Aktie ähnlich viel Auftrieb verschaffen könnte wie anderen Technologieaktien.

Palantir-Aktie jetzt kaufen? Ja, nein – vielleicht!

Im Fall der Palantir-Aktie schlagen tatsächlich zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits würde ich einer Idee, die Investor Peter Thiel maßgeblich mit vorangetrieben hat, jederzeit mein Kapital zur Verfügung stellen. Der Mann ist praktisch sowie theoretisch eine Legende, mit der sich in meinen Augen lediglich Warren Buffett messen kann.

Andererseits muss ich als intelligenter Investor darauf bestehen, das Geschäftsmodell bis in den letzten Winkel zu verstehen. Das ist allein schon aufgrund der obskuren Kundschaft kaum möglich.

Daher sehe ich derzeit keinen zwingenden Grund, der dafürspricht, die Palantir-Aktie direkt nach dem Börsengang zu kaufen. Dennoch behalte ich das gute Stück auf dem Radar. Vielleicht lichtet sich irgendwann der Nebel. Die Aktie läuft mir (hoffentlich) nicht weg.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Facebook und Paypal und empfiehlt die folgenden Optionen: Short January 2022 $1940 Call auf Amazon und Long January 2022 $1920 Call auf Amazon, Long January 2022 $75 Call auf PayPal Holdings. The Motley Fool empfiehlt Snowflake Inc.

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