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OSRAM IM FOKUS: Wohin führt der Weg des angeschlagenen Lichtkonzerns?

·Lesedauer: 7 Min.

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Kürzlich machte der Lichtkonzern Osram <DE000LED4000> mit einer optimistischeren Prognose für das am 30. September zu Ende gehende Geschäftsjahr 2019/2020 positiv von sich reden. Sonst waren erfreuliche Nachrichten beim angeschlagenen MDax-Konzern <DE0008467416>, der seit Anfang Juli mehrheitlich dem österreichischen Sensorspezialisten AMS <AT0000A18XM4> gehört, zuletzt aber die Ausnahme. Was bei Osram los ist, wie Experten die weiteren Perspektiven einschätzen und wie sich die Aktie entwickelt hat.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Der Begriff Krise ist beim Münchner Traditionsunternehmen längst kein Fremdwort mehr. Schon vor der Coronavirus-Pandemie litt Osram unter der anhaltend mauen Autokonjunktur sowie dem schwächelnden Geschäft mit Smartphone-Herstellern und schrieb bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2018/2019 unter dem Strich tiefrote Zahlen. Aktuell kommt noch die Virus-Krise hinzu. Sie brockte der früheren Siemens-Tochter <DE0007236101> zuletzt zwei weitere verlustreiche Quartale ein.

Trotzdem hat AMS-Chef Alexander Everke, dessen Konzern derzeit rund 71 Prozent der Anteile an Osram hält, den zwischenzeitlich von Marktbeobachtern in Frage gestellten Kauf gegen alle Widerstände durchgezogen. Er setzt darauf, dass sich der laufende Konzernumbau bei Osram schon bald in den Zahlen positiv bemerkbar macht und das Unternehmen wieder dauerhaft Gewinne einfährt. Erst in der vergangenen Woche schlossen AMS und Osram einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, dem von mindestens 75 Prozent der anwesenden Osram-Aktionäre auf einer außerordentlichen Online-Hauptversammlung am 3. November noch zugestimmt werden muss.

Der Apple <US0378331005>-Zulieferer AMS, dessen Geschäfte zuletzt klar besser liefen als jene des deutlich größeren Münchner Traditionsunternehmens, hatte sich Ende vergangenen Jahres im Bieterkampf mit US-Finanzinvestoren durchgesetzt und sich nach langem Ringen die Mehrheit an Osram gesichert. Nicht erst seit dem Vollzug des milliardenschweren Deals stehen Befürchtungen im Raum, dass der Konzern zerschlagen werden und ein massiver Stellenabbau drohen könnte, weil AMS nur ein Interesse an Teilen des Unternehmens nachgesagt wird.

Everke will mit Osram einen europäischen Weltmarktführer für Sensoriklösungen und Photonik schmieden. Spekulationen um eine Trennung von Osrams Automotive-Bereich hatte er im Sommer eine Absage erteilt, auf Nachfrage aber auch gesagt, dass er in der Gemeinschaftsfirma mit dem Autozulieferer Continental <DE0005439004> keine strategische Logik sehe.

Seit kurzem ist nun klar, dass Osram wegen der Corona- und Branchenkrise seine Zusammenarbeit mit Continental in der Lichttechnik beendet. Das 2018 gegründete und unter anderem auf LED-Scheinwerfer spezialisierte Gemeinschaftsunternehmen mit Hauptsitz in München solle aufgelöst werden, teilten beide Unternehmen vergangene Woche mit. Die Trennung hatte sich bereits abgezeichnet. Continental und Osram sind bisher je zur Hälfte beteiligt. Die eingebrachten Bereiche mit 1500 Mitarbeitern an 14 Standorten sollen in die Unternehmen zurückkehren. Osram betonte jedoch, es sei im Zusammenhang mit der Auflösung kein Personalabbau geplant.

Unabhängig von Sorgen der Osram-Belegschaft um die künftige gemeinsame Konzernstruktur mit AMS wagten die Münchner kurz vor Ablauf ihres noch laufenden Geschäftsjahrs 2019/2020 eine zuversichtlichere neue Prognose. So soll der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr nun etwas weniger stark zurückgehen als bisher angenommen und die bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ebenfalls besser ausfallen als zunächst gedacht. Osram begründete dies mit zuletzt wieder besser laufenden Geschäften in China und den USA. Vor allem die Geschäftsbereiche Automotive und Opto Semiconductors hätten von einer verbesserten Lage in den Kernmärkten profitiert, hieß es.

Osram gab zudem bereits einen Ausblick für das am 1. Oktober beginnende neue Geschäftsjahr 2020/2021 ab. Demnach rechnet der Lichtkonzern sowohl beim vergleichbaren Umsatzwachstum als auch bei der bereinigten Ebitda-Marge mit klaren Verbesserungen. Auch wenn Osram betonte, dass mögliche wirtschaftliche Folgen einer erneut verschärften Pandemielage in der Prognose nicht berücksichtigt seien, scheint der Tiefpunkt der negativen Entwicklungen durchschritten. AMS-Chef Everke dürfte die Nachrichten jedenfalls gerne gehört haben. Wohin der Osram-Weg in Zukunft führt, scheint dennoch offen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Seit der Vorlage der Zahlen für das dritte Geschäftsquartal Ende Juli haben sich fünf der im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten näher mit Osram befasst. Zweimal lautet die Empfehlung, sich von den Papieren zu trennen, zwei Analysten raten zum Halten der Aktie. Das Analysehaus Independent Research spricht sich seit dem Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit AMS sogar für den Kauf der Titel aus. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 46,41 Euro und damit klar unter dem aktuellen Kurs.

Am skeptischsten gibt sich NordLB, die mit lediglich 34 Euro den geringsten Kurs auf dem Zettel hat. Aus Sicht von deren Experte Wolfgang Donie hat die Coronavirus-Pandemie das dritte Quartal des Leuchtenherstellers wie erwartet schwer belastet. Er riet den noch verbliebenen Osram-Aktionären, die Kursgewinne der vergangenen Wochen mitzunehmen. Während DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer davon ausgeht, dass Osram im dritten Quartal den Tiefpunkt der Geschäftsentwicklung erreicht haben dürfte, ist die schweizerische Großbank UBS etwas positiver gestimmt. So urteilt deren Analyst Sven Weier, dass die Zahlen des Beleuchtungsherstellers durch solide Umsätze und gute Kostenkontrolle bestimmt gewesen seien.

Derweil hat das Analysehaus Kepler Cheuvreux das Kursziel für Osram nach dem Abschluss des Beherrschungsvertrags mit AMS von 42,25 auf 44,65 Euro angehoben. Die von AMS gebotene Ausgleichszahlung von 44,65 Euro an die verbliebenen Aktionäre von Osram plus eine jährliche Kompensation von 2,24 Euro erscheine großzügig, befand Experte Peter Olofson.

Aus Sicht von Sven Diermeier von Independent Research bekommen die Papiere des Lichtkonzerns nach der Einigung mit dem Großaktionär AMS über den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag nun den Charakter einer Anleihe. Er stufte Osram von "Verkaufen" auf "Kaufen" hoch und hob das Kursziel deutlich von 42,20 auf 65 Euro an. Noch optimistischer zeigt sich die Commerzbank. Deren Analyst Sebastian Growe verdoppelte das Kursziel sogar nahezu von 41 auf 80 Euro. Die in Aussicht gestellten Ausgleichszahlungen des Sensorherstellers an die Osram-Aktionäre seien ausgesprochen attraktiv.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Für Anleger glich die Entwicklung der Osram-Aktien in jüngerer Zeit einem Wechselbad der Gefühle. Kosteten sie noch Mitte Februar vor Beginn des Corona-Börsencrashs rund 48 Euro, ging es im Anschluss im Sturzflug in den Keller. Mitte März waren die Titel inmitten der Panik an den Aktienmärkten nur noch 20,50 Euro wert und damit auf ein Rekordtief gefallen. Grund für den Kursrückgang war vor allem die Sorge der Investoren, ob AMS die Übernahme wegen des Kursrutsches der eigenen Anteile im Corona-Crash stemmen kann. Osram hatte zudem seine ursprüngliche Jahresprognose wegen der Pandemie-Folgen zurückgezogen.

Von dem fast 60-prozentigen Absturz im Corona-Crash erholten sich die Osram-Papiere dann aber wieder deutlich. Seit Mitte März geht es kontinuierlich nach oben, der Abschluss des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags mit AMS bescherte den Titeln vergangene Woche sogar einen Sprung auf mehr als 50 Euro. Damit setzten sie sich auch komfortabel oberhalb der 200-Tage-Durchschnittslinie als Indikator für den längerfristigen Trend ab. Kurse um die 50 Euro hatten zuletzt im Juni 2018 auf der Kurstafel gestanden.

Vom Anfang 2018 erreichten Rekordhoch bei 79,58 Euro aber sind die Papiere noch weit entfernt. Dank des jüngsten Anstiegs haben die Papiere seit Ende 2019 aber immerhin um 15 Prozent zugelegt - damit zählen die Aktien in diesem Jahr zu den Gewinnern unter den deutschen Standardwerten. Auf längere Sicht sieht das allerdings ganz anders aus. So büßten die Papiere in den vergangenen drei Jahren rund ein Drittel ein, während der MDax leicht zulegen konnte. Osram wird derzeit an der Börse mit knapp fünf Milliarden Euro bewertet und liegt damit im Mittelfeld des Nebenwerte-Index. Der Streubesitz liegt nach der AMS-Übernahme allerdings nur noch bei 30 Prozent.

Osram wurde 2013 von Siemens abgespalten und so an die Börse gebracht. Bei einer Abspaltung teilt ein Unternehmen seinen Aktionären einfach die Anteile des Bereichs zu, von dem es sich trennen will. So umgeht die Mutter das Risiko, dass die Anteile, die sie loswerden will, bei Investoren keine entsprechende Nachfrage finden. Nachteil ist das komplizierte und langwierige Verfahren zur Feststellung des Zuteilungsverhältnisses.

In den vergangenen Jahren hatten neben Siemens auch die Dax-Konzerne Bayer <DE000BAY0017> und Eon <DE000ENAG999> so Lanxess <DE0005470405> beziehungsweise Uniper <DE000UNSE018> an die Börse gebracht - und Siemens tat es Anfang der Woche mit der Energiesparte wieder. Die Siemens-Aktionäre bekamen pro Anteil zwei Papiere von Siemens Energy. Bei Osram hatte es damals für zehn Siemens-Aktien einen Anteil am Lichtkonzern gegeben. Der erste festgestellte Osram-Kurs hatte 24 Euro betragen.