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Ororatech sichtet Brände aus dem All und bekommt 15 Millionen Euro

Das Ororatech-Führungsteam: Viktor Gauk, Florian Mauracher, Thomas Grübler, Sonja Mayer, Martin Langer und Rupert Amann (v.L.) - Copyright: Ororatech
Das Ororatech-Führungsteam: Viktor Gauk, Florian Mauracher, Thomas Grübler, Sonja Mayer, Martin Langer und Rupert Amann (v.L.) - Copyright: Ororatech

Auf der Erde wird es in den nächsten Jahrzehnten immer heißer. Durch trockene Wälder steigt die Gefahr von Waldbränden. Davon ist fest auszugehen. Und deshalb stecken Investoren nun 15 Millionen in das Münchener Startup Ororatech, das Brandkatastrophen aus dem All frühzeitig erkennen soll.

Angeführt wird die Series-A-Finanzierungsrunde von Edaphon, einem in Belgien ansässigen Klimafolgenfonds. Außerdem beteiligen sich die bestehenden Investoren Findus Venture, Ananda Impact Ventures, Wachstumsfonds Bayern 2, ConActivity, Apex Ventures und Spacetec Capital. Mit an Bord sind außerdem Branchenexperten Ingo Baumann, Partner der auf Weltraumrecht spezialisierten Anwaltskanzlei BHO Legal und Clemens Kaiser, Programm-Manager für die US-Satellitenfirma Rivada Space Networks.

Die europäische Weltraumorganisation investiert

Die europäische Weltraumorganisation Esa sowie der Freistaat Bayern kofinanzieren das Ganze obendrein mit einem Darlehen. Dafür muss Ororatech eigenen Angaben zufolge keine Anteile abgeben.

Ororatech baut Satelliten in Schuhkartongröße und bestückt diese mit Infrarotkameras. Mittels hochauflösender Wärmebilder und Vegetationsanalysen sollen die Geräte so die Temperatur auf der Erde messen und Brandherde ausfindig machen können.

Die Daten aus dem All werden von der eigens entwickelten Software namens Wildfire Intelligence Solutions gesammelt und gemeinsam mit weiteren Wetterdaten wie Temperaturvorhersagen, Luftfeuchtigkeit und Windstärken analysiert. Steigt das Brandrisiko, werden Nutzer der Software darüber informiert. Das können etwa Feuerwehren oder Betreiber von Nationalparks sein. In Kanada und Australien nutzt bereits der öffentliche Sektor das Programm aus München.

Eigenen Angaben zufolge lokalisiert das Startup rund 100.000 Brände pro Tag, verteilt auf sechs Kontinente. Das selbsterklärte Ziel, so Thomas Grübler, Co-Gründer und CEO von Ororatech, sei es, bessere Entscheidungen in der Bekämpfung des Klimawandels treffen zu können. Denn es geht um mehr als verlorene Waldflächen und Lebensräume: Waldbrände verstärken zudem die Erderwärmung. Jährlich seien Brände für 17 bis 20 Prozent der gesamten globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Obendrein verursachen sie durch Brandkatastrophen Schäden in der Höhe von über zehn Milliarden Dollar.

Langfristig will Ororatech mit Isar Aerospace kooperieren

Ein Satellit des Startups, bestückt mit einer Infrarotkamera, ist bereits im Weltall. Er wurde Anfang 2022 mit der Trägerrakete Falcon 9 von Space X dorthin gebracht. Mit der Kapitalspritze plant Ororatech nun, im Mai 2023 einen zweiten Satelliten ins Weltall zu bringen. Ebenfalls mit Space X.

Langfristig will Ororatech seine Satelliten von einem anderen Anbieter ins All bringen lassen und etwa mit dem ebenfalls aus München stammenden Raketen-Startup Isar Aerospace zusammenzuarbeiten, wie Co-Gründer Björn Stoffers einst im Gespräch mit Gründerszene verriet.

Die Idee für ein Startup, das satellitenbasierte Wärmebilder produziert, hatten Stoffers und Grübler im Jahr 2018. Mittlerweile ist das Team um sie herum auf 80 Mitarbeiter angewachsen. Zudem beschäftigen sie Mitarbeitende in den USA, Kanada und Luxemburg.

Letzten Sommer sammelte Ororatech im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde 5,8 Millionen Euro ein – von Bestandsinvestoren wie Findus Venture, Ananda Impact Ventures, APEX Venture und Bayern Kapital.