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Orderbird-Gründer: „Wir überlegen, eine Bank zu werden“

Lisa Ksienrzyk
·Lesedauer: 3 Min.
Jakob Schreyer hat Orderbird 2011 mitgegründet. Er ist der letzte verbliebene aus dem Gründerteam.
Jakob Schreyer hat Orderbird 2011 mitgegründet. Er ist der letzte verbliebene aus dem Gründerteam.

Für das Fintech Orderbird liefen die vergangenen Monate so gut wie lange nicht. Seit 2011 entwickeln die Berliner mobile Kassensysteme für die Gastronomie. Restaurantbesitzer können die Abrechnung über das iPad steuern und Kartenlesegeräte damit verbinden. „Im März haben wir über 400 Neukunden generiert“, erzählt Mitgründer und CSO Jakob Schreyer im Gespräch mit Gründerszene. „Und das wäre auch ohne Corona-Pandemie für uns ein richtig guter Monat.“

Nicht nur der Digitalisierungsschub während der Pandemie, auch die Fiskalisierung spielt dem Startup gerade in die Karten. Seit Januar müssen alle Kassen eine Schnittstelle zum Finanzamt haben und mit einer Technischen Sicherungseinrichtung ausgerüstet sein. Das heißt, dass jede Transaktion elektronisch protokolliert wird, um Steuervergehen zu vermeiden. Viele Gastronomen haben daher ihre Systeme aufgerüstet, nutzen obendrein Tools für Essensbestellungen und Kontaktnachverfolgung von Orderbird. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im September 2020 endete, erzielte das Fintech daher ein Ebitda von 500.000 Euro. Erstmals war das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen positiv.

Der Umsatz betrug eigenen Angaben zufolge mehr als zehn Millionen Euro. Den generiert Orderbird etwa durch den Verkauf von Kassen. Der jährlich wiederkehrende Umsatz, der aus den monatlichen Lizenzgebühren und Provisionen bei Kartenzahlungen besteht, lag mit 26 Prozent über dem Vorjahresniveau und erreichte im September einen Wert von 11,4 Millionen Euro. Zwar war das Unternehmen nur in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres von den Einschränkungen betroffen. Allerdings: „Die Corona-Krise hat kein Riesenloch in unseren Umsatz gerissen“, sagt Schreyer. Daher glaubt er, dass das Wachstum auch im aktuellen Jahr bei 30 Prozent liegen wird.

Exit erst einmal verschoben

Noch vor zwei Jahren befand sich das Unternehmen in einer Existenzkrise. Der Anteilseigner Concardis berichtigte die Bewertung des Payment-Startups 2017 stark nach unten, wie ein Jahr später bekannt wurde. Grund waren einem Bericht zufolge die „mehrjährigen Verluste“. Die Expansion wurde abgebrochen und auch der erwartete Break-Even verzögerte sich. Schreyer dachte daher Ende 2019 über einen Verkauf nach, das Thema lag monatelang auf dem Tisch. „An Anfragen mangelt es nicht“, sagt der Mitgründer heute. „Wenn es nach uns geht, bleiben wir die nächsten Jahre eigenständig und wachsen weiter, als zu früh zu verkaufen.“

Um das zu schaffen, hat Orderbird seine Zielgruppe erweitert und arbeitet an neuen Dienstleistungen. Seit Mai 2020 bietet das Fintech seinen Service auch kleinen Betrieben wie Friseuren oder Shops an. Im Umsatz mache das bereits ein Drittel aus, so Schreyer. „Wir werden darauf auch weiter einen größeren Fokus legen.“ Obendrein will die Firma in ihren Finanzprozessen mehr Aufgaben von der Partnerbank Concardis übernehmen, als sogenannter Payment Facilitator, also Zahlungsvermittler.

Bald Kredite im Angebot

Bislang hat Orderbird die Verträge mit seinen Kunden abgeschlossen, die Bank hat sich dann um die Risikobewertung und das Onboarding gekümmert. Nun übernimmt das Startup diese Schritte, ist somit näher am Kunden dran. Die Authentifizierung erfolgt beispielsweise nicht mehr bei der Post, sondern in wenigen Minuten digital. Diese neue Arbeit bringt den Berlinern auch eine höhere Marge bei den Transaktionsgebühren ein. „Wenn wir den Kunden selber betreuen, haben wir die Möglichkeit, noch weitere Finanzdienstleistungen anzubieten“, so der Gründer. Konkret heißt das Kredite, eventuell auch Firmenkreditkarten.

Schon bei der letzten Finanzierungsrunde Anfang 2019 war von solchen Produkten die Rede. Nun ist der Grundstein dafür gelegt. In spätestens einem Jahr sollen die neuen Dienstleistungen eingeführt werden. „Wir haben natürlich auch schon mit dem Gedanken gespielt, selber eine Bank zu werden“, sagt er weiter. Fintechs wie N26 und auch Sumup hätten zu Beginn schließlich auch nur die Infrastruktur anderer Banken genutzt. „Das ist aber noch Zukunftsmusik und der Zwischenschritt ist erst mal ausreichend.“