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Opel plant Transfergesellschaften und Kurzarbeit bis Ende 2021

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Um Kündigungen abzuwenden, haben sich Geschäftsleitung und Betriebsrat des Autobauers in Eckpunkten auf alternative Optionen zum Abbau Hunderter Jobs verständigt.

Es soll nun Alternativen zu einer Kündigungswelle geben. Foto: dpa
Es soll nun Alternativen zu einer Kündigungswelle geben. Foto: dpa

Vergangene Woche drohte Opel-Arbeitsdirektor Ralph Wangemann der Belegschaft des Autobauers noch mit betriebsbedingten Kündigungen. Jetzt scheinen diese nach heftiger Kritik von Gewerkschaft und Politik aber wieder weitgehend vom Tisch zu sein. Zumindest hat sich die Geschäftsleitung des Fahrzeugherstellers mit dem Betriebsrat am Freitag auf Eckpunkte verständigt, um den „kurzfristig bestehenden erheblichen Personalüberhang zu adressieren“, wie es in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter heißt, das dem Handelsblatt vorliegt.

Demnach will Opel die bereits seit Monaten andauernde Kurzarbeit infolge der Coronakrise „bis voraussichtlich Ende 2021“ verlängern. Die Zustimmung der Arbeitsagentur hierzu steht allerdings noch aus. Klar ist aber, dass insbesondere die Produktion am Stammsitz im hessischen Rüsselsheim mit Überkapazitäten zu kämpfen hat und viele Monteure wohl noch ein Jahr kurzarbeiten werden.

Denn die hier produzierte Limousine Insignia verkauft sich schlecht. Erst im Herbst 2021 soll die zusätzliche Fertigung des Kleinwagens Astra und eines Modells der Marke DS der französischen Konzernmutter PSA (Peugeot, Citroën) für Abhilfe sorgen.

Darüber hinaus will Opel sein Programm zur Altersteilzeit auch für Beschäftigte des Jahrgangs 1964 öffnen. Für sogenannte „Fokusbereiche“, in denen der Konzern einen besonders drastischen Personalüberhang sieht, prüft Opel das Angebot von Transfergesellschaften. Konkret soll der Wechsel in eine Transfergesellschaft Beschäftigten im Rüsselsheimer Prototypenbau, dem Teilelager, dem Werkzeugbau und den Werkstätten des Engineerings vorgeschlagen werden. Für diese Fachkräfte ist zudem ein „spezielles Programm für die Jahrgänge 1961 bis 1964“ vorgesehen. Details dazu nannte der Autobauer nicht. Dem Vernehmen nach will Opel einer signifikanten dreistellen Zahl an Beschäftigten den Wechsel in eine Transfergesellschaft schmackhaft machen.

Vorgehen wird kritisiert

Eine Transfergesellschaft dient dazu, von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeitern den Übergang in einen neuen Job zu ermöglichen, etwa durch Weitervermittlung oder Qualifizierung. Zum freiwilligen Eintritt in die Transfergesellschaft werden die Verträge der Betroffenen in der Regel aufgehoben. Sie erhalten dann für maximal zwölf Monate eine befristete Anstellung bei der Gesellschaft. Während dieser Zeit zahlt die Agentur für Arbeit ein Transferkurzarbeitergeld. Das Unternehmen spart sich dadurch die Kosten für die Abfindung von Mitarbeitern und Kündigungsprozesse.

In Opel-Konzernkreisen wird allerdings bezweifelt, dass sich wirklich Hunderte Beschäftigte bereit erklären, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Schließlich sind die Mitarbeiter laut Zukunftstarifvertrag noch bis Mitte 2025 vor Entlassungen geschützt. „Wer sollte freiwillig in so ein Vehikel wechseln und seine Ansprüche aufgeben?“, fragt ein Opel-Veteran.

Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR), kritisiert das „durchsichtige Vorgehen“ des Rüsselsheimer Fahrzeugherstellers. „Einerseits Gewinn vermelden und andererseits mehr als ein Jahr Kurzarbeit beantragen und die Mitarbeiter mit Transfergesellschaften unter Druck setzen, das passt nicht zusammen“, sagt der Autoexperte. Sein Vorwurf: „Letztlich soll der Staat die Gewinne von Opel fördern.“

Der Autobauer selbst hält dagegen etwa die Kurzarbeit für ein nötiges Mittel, um Jobs auch in Deutschland erhalten zu können. Es gehe darum, einen „vorübergehenden Arbeitsausfall“ aufgrund der Pandemie mithilfe von Versicherungsleistungen zu überbrücken.

In den kommenden Tagen wollen Opel-Geschäftsleitung und Betriebsrat ihr Eckpunktepapier in konkrete Vereinbarungen überführen. „Zu den weiteren Details und der Ausgestaltung der Maßnahmen werden wir in Kürze umfassend informieren“, kündigten beide Seiten in dem Schreiben an die Belegschaft an.