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Online-Petition gegen Edeka: Weihnachtskampagne "auf allen Ebenen diskriminierend"

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 4 Min.

Edeka will sich mit seiner aktuellen Werbekampagne als divers und “bunt” präsentieren. Trotzdem läuft dagegen eine Online-Petition. Der Vorwurf: Die Kampagne sei unter anderem rassistisch und sexistisch.

BERLIN, GERMANY - FEBRUARY 19:  The logo of grocery store of German chain Edeka stands on one of its stores on February 19, 2018 in Berlin, Germany. According to media reports Agecore-Group, to which Edeka belongs, has launched a boycott of foods from Swiss foods conglomerate Nestle with Agecore claiming Nestle is selling the same food items cheaper to Agecore's competitors.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)
Die Weihnachtskampagne von Edeka steht in der Kritik. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Es ist schon schwer, den richtigen Ton zu treffen. Wie leicht man in eine rassistische, sexistische und sonst-ische Falle tappen kann, zeigt – mal wieder – der Fall eines Wirtschaftsriesen. Edeka meint es mit seiner aktuellen Weihnachtskampagne eigentlich gut, der Supermarkt will sich darin respektvoll gegenüber anderen Kulturen und Ethnien präsentieren. Der Schuss ging trotzdem nach hinten los, das Unternehmen hat sich gleich mehrere Ismus-Vorwürfe eingehandelt.

Die Kampagne, die sich die Werbefirma Jung von Matt für Edeka hat einfallen lassen, lautet in ihrer Schrift schlicht: "Lasst uns froh und bunter sein". Die Botschaft muss nicht lange gesucht werden, zumal sie von Edeka in einer Pressemitteilung auf den Punkt gebracht wird: Weihnachten soll dieses Jahr nicht nur froh, sondern eben auch bunter sein, so bunt nämlich "wie unser Land".

Inhalt des Werbespots

Wie bunt Deutschland ist, zeigt auch der am Dienstag veröffentlichte Werbespot. Ein Edeka-Angestellter mit Migrationshintergrund spielt darin die Hauptrolle. An der Fleischtheke fragt er seine Stammkunden, die Familie Müller, was es denn "diese Weihnachten" sein dürfe. Mann und Frau Müller können sich nicht entscheiden. Letzte Weihnachten gab es Japanisch, das Jahr davor Marokkanisch - die Tochter hatte dazu obendrein immer einen passenden Mann zu Gast. Was darf’s diesmal sein? Der Mitarbeiter hat einen Vorschlag: Wie wäre es mit "feinstem Saltimbocca mit Parmaschinken, Salbeibutter und Weißweinsoße"? Tochter Müller gerät ins Schwärmen: "Italienisch. Lecker!".

Die Reaktion der jungen Frau ist mehrdeutig, “lecker” ist nicht nur das italienische Gericht, sondern auch der mutmaßliche Italiener an der Theke. Ansonsten könnte auch hier die beabsichtigte Botschaft nicht klarer sein, sie liegt quasi mit auf dem Fleischtablett: Edeka umarmt alle Ethnien und Kulturen, ebenso wie es die Mustermenschen im Werbespot tun. An der Fleischtheke arbeitet ein Mann mit Migrationshintergrund, der eine fremdländische Spezialität anpreist. Und auch die Müllers sind kulinarische Globetrotter – ob Japanisch, Marokkanisch oder Italienisch – auf ihrem Tisch ist Platz für jede Küche.

Was ist an all dem politisch inkorrekt? Nach Ansicht einer Gruppierung namens Euro Eyez haben das Marketing-Team von Edeka und die Mitarbeiter*innen von Jung von Matt mit der Kampagne gleich mehrfach "daneben geschossen". Die Werbung basiere auf Rassismus und Sexismus und sei überhaupt "auf allen Ebenen diskriminierend", weshalb die Gruppierung auf change.org eine Petition dagegen gestartet hat.

Was sind die Kritikpunkte?

Unter anderem beklagt Euro Eyez, dass Edeka das Thema Diversität als eine Trenderscheinung versteht. Migration sei in Deutschland aber kein Trend, sie habe vielmehr eine lange Geschichte. Es sei folglich "nicht besonders angesagt, dieses Jahr 'bunte' Weihnachten zu feiern", denn das entspreche seit Jahrzehnten der Realität.

Der zweite Vorwurf: Edeka und seine Werbefirma betrachten Kulturen als Konsumgüter. Das seien sie aber nicht, sie könnten nicht "von weißen Menschen abgerufen werden, wann immer sie es entscheiden". Zwar sei ein respektvolles Interesse an Esskultur nicht verwerflich, aber: "Die Darstellung und Zuschreibung in dieser Kampagne ist höchst rassistisch und exotisierend". Es werde das Muster einer "barmherzigen deutsch-christliche Familie" abgerufen, das man aus der deutschen Kolonialgeschichte kenne.

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Außerdem kritisiert Euro Eyez: "Menschen mit Migrationsgeschichte bzw. vermeintlich nicht-deutscher Herkunft werden hier extrem sexualisiert und reduziert." Der Vorwurf dürfte sich auf das Verhalten von Tochter Müller beziehn, die vor dem Italiener schon den Japaner und den Marokkaner "lecker" fand. Ein Problem sei auch die "Gleichstellung" des "vermeintlich nicht-deutschen Mannes" mit Essen, wodurch der Mann "entmenschlicht" werde. Er sei "ein nettes exotisches Accessoire, um das Weihnachtsfest noch aufregender zu gestalten".

Es würden noch weitere diskriminierende Aspekte hinzukommen, schreiben die Kritiker abschließend in ihrer Petition, sie alle aufzuzählen würde allerdings "den Rahmen sprengen". Stattdessen formulieren sie eine Forderung: Werbung müsste sich mit der Thematik "angemessen auseinandersetzen", heißt es, ohne "rassistische und sexistische Klischees" zu bedienen.

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