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Online-Kreditvermittler Fincompare besorgt sich frisches Kapital

Die Online-Plattform für die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen hat sich in einer Kapitalrunde zwölf Millionen Euro gesichert.

Die Vergleichs- und Vermittlungsplattform Fincompare ist für die weitere Finanzierung ihres stark wachsenden Geschäfts offenbar gerüstet. „Wir sind bei unserer Finanzierungsrunde auf eine starke Nachfrage gestoßen“, sagte Gründer und Vorstandschef Stephan Heller dem Handelsblatt. Es handelt sich um eine erweiterte Series A-Finanzierung, die sich damit insgesamt auf 22 Millionen Euro beläuft.

Nicht nur die bisherigen Investoren ING, Speedinvest und Uniqa Ventures hätten sich beteiligt. Zu den neuen Investoren zählt Heller beispielsweise auch die Venture-Capital-Tochter der österreichischen Raiffeisen Bank International.

Unternehmen wie Fincompare oder der Konkurrent Compeon bieten Firmen einen Service, den Verbraucher schon länger genießen: Wer beispielsweise eine günstige Immobilienfinanzierung sucht, kann sich über verschiedene Portale einen Überblick über Kreditkonditionen verschaffen und Verträge abschließen. Diesen Service stellt das Berliner Fintech kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zur Verfügung, die nach einer günstigen Finanzierung Ausschau halten.

„Der Vorteil unserer Vergleichs- und Vermittlungsplattform besteht darin, dass wir nach einer digitalen Bilanzanalyse einen Finanzierungsmix anbieten, der die Kapitalstruktur des Unternehmens optimieren kann“, so Heller. Eine Bank könne das speziell bei kleinen Firmen und Gewerbetreibenden nicht leisten.

Nicht nur Kredite stehen im Fokus. Auch Leasing, Factoring – also die Übertragung von Forderungen – sowie Einkauf- und Absatzfinanzierung sind im Angebot. Derzeit können die KMU Angebote von mehr als 250 Banken und Finanzdienstleistern vergleichen, die auf der Fincompare-Plattform vertreten sind. Mit fünf Banken ist die Plattform technologisch schon so verzahnt, dass der komplette Kreditprozess über Fincompare abgeschlossen werden kann. Projekte mit weiteren großen Banken befänden sich derzeit in der Pilotierungsphase.

Das Interesse der Banken an einer Kooperation mit Fincompare liegt auch an den Kosten. Denn Kundenakquise ist teuer, zudem könnten Banken nicht immer Kreditwünsche erfüllen. Im letzteren Fall können die Geldhäuser die Unternehmen zumindest an die Plattform verweisen.

Das Angebot der Plattform kommt an. „Wir haben das vermittelte Finanzierungsvolumen im abgelaufenen Jahr auf 250 Millionen Euro verdoppelt und streben für 2020 eine Verdreifachung an“, sagt Heller. Bislang haben sich 25.000 Firmen bei Fincompare registriert, von denen aber nicht alle aktiv seien. Erfreulich sei, dass mehr als 50 Prozent der Unternehmenskunden innerhalb von sechs Monaten erneut den Kontakt zu Fincompare suchen.

Durch die Digitalisierung der Prozesse sei es möglich, auch kleinere Kreditvolumina zu vermitteln. „Bislang lang das durchschnittlich vermittelte Finanzierungsvolumen bei 200.000 Euro pro Kunde. Das entwickelt sich jetzt nach unten“, sagt Heller. Das sind auch meist Volumina, die selbst Sparkassen und Genossenschaftsbanken kaum kostendeckend darstellen können.

Nach Angaben Hellers fallen 30 bis 40 Prozent der Anfragen durch das Raster, bestehen also nicht das sogenannte Pre-Scoring von Fincompare, bevor Banken die eigentliche Bonitätsprüfung übernehmen. „Aber wir sagen den Unternehmen ganz transparent, an welchen Kennzahlen sie gescheitert sind“, hebt Heller den Unterschied zu Banken hervor.

Die wachsenden Finanzvolumina, die vermittelt werden, spiegelt sich auch in der Entwicklung der Mitarbeiterzahl. Sie soll sich im laufenden Jahr auf 150 verdoppeln.  „Mittlerweile kümmere ich mich weniger um fintech-spezifische Fragen als um Mitarbeiterführung“, bemerkt Heller. Ende 2018 beschäftigte das Unternehmen lediglich 25 Mitarbeiter.