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OMV reagiert mit Milliardensparprogramm auf die Coronakrise

Der Ölkonzern kürzt massiv Investitionen und will seine Kosten um 200 Millionen Euro senken. Die Aktie bricht um mehr als sechs Prozent ein.

Die Konzernzentrale des Öl- und Gaskonzerns OMV am Wiener Prater wirkt seit vergangener Woche wie ausgestorben. Doch der Eindruck täuscht, hinter den Kulissen des größten Industrieunternehmens Österreichs geht es hart zur Sache. Im Homeoffice hat der Vorstand um CEO Rainer Seele im Zuge der Corona-Pandemie ein Milliardensparprogramm beschlossen.

Die Liste der Einsparungen ist lang. So kürzt der Energieriese seine Investitionen um eine halbe Milliarde Euro auf unter zwei Milliarden Euro. Ursprünglich wollte der Konzern in diesem Jahr noch 2,4 Milliarden Euro investieren.

Zudem verschiebt OMV Projekte mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro auf das Jahr 2022. Dazu zählt beispielsweise der Einstieg im russischen Gasfeld Achimov 4/5 in Westsibirien. Auch die Entscheidung über das Gasförderprojekt Neptun in Rumänien fällt nicht vor 2021.

Außerdem sieht das Programm Kostensenkungen in Höhe von 200 Millionen Euro vor. „Dieses Maßnahmenpaket stellt die Handlungsfähigkeit des OMV-Konzerns in dieser wirtschaftlich herausfordernden Situation sicher“, sagte Vorstandschef Seele an diesem Donnerstag.

Die Börse reagierte am Donnerstag negativ auf die Konzernpläne. Die Aktie sank am Mittag um 6,2 Prozent auf 25,20 Euro.

Eigene Experten beobachten die Entwicklung der Pandemie, um „notwendige strategische Weichenstellungen zum richtigen Zeitpunkt vornehmen zu können“, wie der 59-Jährige berichtete, dessen Vertrag bis Mitte 2022 läuft.

OMV hält an Borealis-Übernahme fest

Die zu Beginn der Coronakrise verkündete Übernahme des Petrochemiekonzerns Borealis für 4,2 Milliarden Euro soll jedoch weiterhin über die Bühne gehen. Allerdings will OMV dem Staatsfonds von Abu Dhabi den Preis nun in zwei Raten zahlen. Die zweite Tranche mit mehr als zwei Milliarden Euro soll erst Ende des nächsten Jahres fließen. Ob OMV versucht hat, den Preis angesichts der dramatischen Situation zu drücken, ist unklar.

Bei der größten Akquisition in der Konzerngeschichte stockt OMV den Anteil an Borealis um 36 Prozent auf 75 Prozent auf. Der Anbieter von Lösungen in den Bereichen Polyolefine, Basischemikalien und Pflanzennährstoffen hat seine Zentrale in der Nähe des Wiener Flughafens. Der Kunststoff-Hersteller erzielte 2018 Erlöse von 8,3 Milliarden und einen Nettogewinn von 906 Millionen Euro.

Die Finanzierung des Milliardengeschäfts ist durch den massiven Nachfrageeinbruch und den Börsencrash in der Coronakrise schwieriger geworden. OMV will die Gaspipeline-Tochter Gas Connect Austria veräußern. Zudem sollen die 287 konzerneigenen Tankstellen in Süddeutschland verkauft werden. Der Verkaufsprozess sei gerade erste initiiert worden, sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage.

Derzeit verhandelt OMV mit dem teilstaatlichen Stromkonzern Verbund exklusiv über den Verkauf des 51-prozentigen Anteils an der Gaspipeline-Tochter Gas Connect Austria. Gas Connect betreibt ein mehr als 900 Kilometer langes Erdgas-Hochdruckleitungsnetz in der Alpenrepublik. Zum Stand der Verkaufsgespräche wurde am Donnerstag nichts bekannt.

Ein Unternehmenssprecher wollte auf Anfrage keine Details nennen. Vor der globalen Pandemie versprach sich Seele von allen geplanten Verkäufe Erlöse im Wert von zwei Milliarden Euro bis Ende 2021.

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