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Ist Omikron für Kinder gefährlicher als andere Varianten? Was Experten dazu sagen

·Lesedauer: 4 Min.

Für Eltern ist die Corona-Pandemie seit ihrem Beginn eine Belastungsprobe. Geschlossene Schulen, Wechselunterricht und Homeschooling erfordern von ihnen seit nun fast zwei Jahren organisatorische Höchstleistungen in Sachen Kinderbetreuung. Bei allen Problemen galt bisher aber zumindest immer: Covid-19 ist für die Gesundheit von Kindern keine große Bedrohung – im Gegensatz zur Gefahr, die das Virus für ältere Gruppen darstellt.

Doch die Beinahe-Gewissheit, dass Kinder vor schweren Verläufen gefeit seien, bekommt gerade Risse. Die Zahl der mit der Omikron-Virusvariante infizierten Kinder steigt in einigen Ländern – und ebenso die Anzahl derjenigen unter ihnen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. In den USA etwa erhöhte sich innerhalb einer Woche, vom 21. bis zum 28. Dezember, die Zahl der Kinder mit Covid-19, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, um 66 Prozentpunkte – auf durchschnittlich 378 Kinder pro Tag. Und in Großbritannien wurden in der Woche vom 19. bis zum 26. Dezember 226 Kinder zwischen sechs und 17 Jahren mit Corona ins Krankenhaus eingeliefert. 286 unter fünfjährige britische Kinder wurden im selben Zeitraum ebenfalls hospitalisiert.

1,9 Prozent der Infizierten unter fünf Jahre ist im Krankenhaus

Angesichts dieser Entwicklung fragen sich auch in Deutschland immer mehr Eltern: Müssen wir uns wegen Omikron Sorgen um die Gesundheit unseres Nachwuchses machen? Sieht man sich neue Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) an, so entsteht zunächst der Eindruck: Möglich ist es. In deutschen Krankenhäusern finden sich derzeit verhältnismäßig viele kleinere Kinder mit nachgewiesener Omikron-Infektion. Das geht aus einer neuen Übersicht hervor, die das RKI am Montag, dem 3. Januar, veröffentlicht hat. Die darin erhobenen Zahlen reichen bis zum 15. November des vergangenen Jahres zurück.

Insgesamt 632 Omikron-Fälle bei Null- bis Vierjährigen verzeichnet das RKI darin in diesen etwa eineinhalb Monaten. Von diesen Kindern wurden zwölf im Krankenhaus behandelt. Zwölf, das klingt zunächst nicht nach viel – doch es handelt sich um etwa 1,9 Prozent aller infizierten Null- bis Vierjährigen. Mitte September hingegen, als in Deutschland noch die Delta-Variante vorherrschend war, lag der Anteil der hospitalisierten Kinder hierzulande bei weniger als einem Prozent, schrieben damals die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) in einer Stellungnahme.

Bei den Fünf- bis Vierzehnjährigen liegt die Zahl der Omikron-Infektionen laut RKI bei 2892. Von dieser Gruppe mussten allerdings nur fünf Kinder ins Krankenhaus, anteilig also wesentlich weniger als bei den unter Fünfjährigen. Die nächste Altersgruppe, deren Lage das RKI erhoben hat, besteht sowohl aus Jugendlichen als auch aus jungen Erwachsenen: Von insgesamt 13.731 mit Omikron infizierten 15- bis 34-Jährigen mussten 91 im Krankenhaus behandelt werden. Das entspricht etwa 0,66 Prozent. Wie viele dieser Personen unter 18 waren, geht aus der Übersicht allerdings nicht hervor.

Gerade in der Altersgruppe der Null- bis Vierjährigen bieten diese Daten potenziell Anlass zur Sorge, weil Kinder unter fünf Jahren bislang nicht gegen Covid-19 geimpft werden dürfen. Doch bedeuten die RKI-Zahlen tatsächlich, dass Kinder durch Omikron besonders gefährdet sind? Nicht unbedingt, sagen Expertinnen und Experten von der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI).

Detaillierte Analysen, heißt es in einem gemeinsamen Statement von DGKJ und DGPI, relativierten die Befürchtungen. „Noch ist es zu früh für eine endgültige Bewertung, aber Erfahrungen aus dem Tshwane District in Südafrika, aus London und Australien sind beruhigend“, steht dort weiter. Auch von den bisherigen Pandemiewellen, in denen sich etwa die Alpha- und dann die Delta-Variante rasant verbreiteten, sei für Kinder kein besonders schweres Risiko ausgegangen.

Die Bedeutung der Zufallsdiagnosen bei Kindern

Wichtig: Auch sogenannte Zufallsdiagnosen spielen eine große Rolle bei den gestiegenen Zahlen, heißt es vom DGKJ. Bedeutet: Kinder, die aus einem ganz anderen Grund ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, wurden dort dann positiv auf die Omikron-Variante getestet – und flossen deswegen „zufällig“ in die Statistik mit ein. Im Gespräch mit „Zeit Online“ sagte DGKJ-Generalsekretär Burkhard Rodeck, dass ein großer Teil der Kinder in der RKI-Übersicht nicht wegen Covid-19 in die Statistik mit eingeflossen sei, sondern durch eine solche Zufallsdiagnose.

Diese „Zufallstreffer“ gab es übrigens auch schon während der Delta-Welle: Stand Mitte September seien mehr als die Hälfte der Kinder, die bis zu diesem Zeitpunkt mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, nicht wegen Corona dort behandelt worden. Das schreiben die Fachleute von DGPI und DGKH in ihrem Statement. Diese Kinder seien stattdessen vor Ort im Rahmen der Diagnostik positiv getestet worden.

Wie schon bei den vorherigen Virusvarianten ist es angesichts dieser ersten Zahlen schwierig, vorauszusagen, was Omikron nun für Kinder konkret bedeutet. Der Virologe Björn Meyer von der Uniklinik Magdeburg sagte im Gespräch mit „ZDF heute“, dass genauere Labordaten zu Omikron wohl erst eintreffen würden, wenn die aktuelle Winterwelle schon vorbei sei. Für die Fünf- bis Siebzehnjährigen könnten solange die Impfungen Abhilfe schaffen, sagt Meyer. Ansätze, um die unter fünfjährigen Mitglieder der Gesellschaft zu schützen, sehe er dagegen gerade noch keine.

jb

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