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Sprinterin Timanowskaja in der EU angekommen - IOC leitet Untersuchung ein

·Lesedauer: 3 Min.

Aus Angst vor den autoritären Behörden ihres Heimatlandes Belarus ist die Olympia-Sportlerin Kristina Timanowskaja in die EU geflohen.

Sie wurde am Mittwoch auf dem Flug von Tokio nach Warschau bei einem mehrstündigen Zwischenstopp in Wien von Sicherheitskräften beschützt und von Beamten des österreichischen Außenministeriums begleitet. Betreut wurde die 24-jährige Athletin im weit abgelegenen VIP-Terminal des Flughafens. Vor dem einzigen Zugang hatte ein schwerbewaffneter Polizist Stellung bezogen. Timanowskaja wollte noch am Abend nach Warschau weiterfliegen und sich dort voraussichtlich am Donnerstag vor der Presse äußern. 

Die bis vor wenigen Tagen weitgehend unbekannte Sprinterin hat die Aufmerksamkeit einmal mehr auf die Lage in Belarus gut ein Jahr nach der Präsidentenwahl gelenkt. Seit Monaten geht Machthaber Alexander Lukaschenko gegen Andersdenkende, unabhängige Medien und Nichtregierungsorganisationen vor. Die Abstimmung vom 9. August vergangenen Jahres wird weitgehend als gefälscht angesehen. Die EU erkennt den 66-Jährigen nicht mehr als Präsidenten an. Am Mittwoch begann in Minsk ein Prozess gegen die prominente Oppositionelle Maria Kolesnikowa.

Lukaschenko schweigt bislang zum Fall der Olympia-Sprinterin Timanowskaja. Nach ihrer Darstellung sollte sie bei den Olympischen Spielen von den belarussischen Behörden zur vorzeitigen Rückkehr nach Minsk gezwungen werden, weil sie Kritik an Sportfunktionären geübt hatte. Vor ihrem Rückflug wandte sie sich aber am Flughafen in Tokio an die japanische Polizei und kam so in Sicherheit.

Kristina Timanowskaja plant in Europa Zuflucht zu suchen.
Kristina Timanowskaja plant in Europa Zuflucht zu suchen.

Für Minsk hat der Olympia-Skandal Folgen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzte eine Disziplinarkommission zur Aufklärung des Falls ein. Das Gremium soll nun vor allem den Leichtathletik-Cheftrainer von Belarus (Weißrussland) und den Vize-Direktor des nationalen Trainingszentrums ins Visier nehmen. Die beiden Funktionäre sollen Timanowskaja mitgeteilt haben, dass sie wegen ihrer Kritik an den Entscheidungen der Teamspitze in den sozialen Medien vorzeitig in ihre Heimat zurückkehren muss.

Timanowskaja hatte der "Bild" gesagt, es sei ihr nicht um Politik gegangen. "Ich habe nur kritisiert, dass unsere Chef-Trainer über das Staffellauf-Team entschieden haben, ohne sich mit den Sportlern zu beraten", erklärte sie. "Dass das solche Ausmaße annehmen und zu einem politischen Skandal werden kann, hätte ich nie gedacht."

Österreichs Staatssekretär Magnus Brunner sagte nach ihrer Ankunft in Wien, der Sportlerin gehe es nach den Strapazen der letzten Tage gut, sie sei aber müde und auch nervös. Sie mache sich Sorgen um ihre Familie. "Dass sie in Sicherheit ist, ist das Entscheidende." Zuvor hatte Timanowskaja in letzter Minute ihren ursprünglichen Direktflug nach Warschau abgesagt. Das geschah nach Angaben eines Wiener Spitzenbeamten auch aus Sicherheitsgründen. "Die Flugroute wurde geändert", so Brunner. Polen erteilte indes auch dem Ehemann Timanowskajas, Arseni Sdanewitsch, ein humanitäres Visum. Er war von Belarus zunächst in die Ukraine geflohen.

Zuletzt hatte der autoritäre Machtapparat in Belarus massive Kritik ausgelöst, als vor zweieinhalb Monaten eine von Athen nach Vilnius fliegende Ryanair-Passagiermaschine zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen worden war. Der in dem Flieger reisende Blogger und Oppositionsaktivist Roman Protassewitsch und seine Freundin wurden dann dort festgenommen. Der Westen verhängte danach neue Sanktionen gegen die weitgehend isolierte Ex-Sowjetrepublik.

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