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Ohne Geldspritze der Eltern gibt's kein Haus

Schürmann, Christof
·Lesedauer: 3 Min.

Ohne Unterstützung der Familie geht beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses bei vielen kaum noch etwas. Eine aktuelle Umfrage zeigt wie groß die Bedeutung familiärer Geldspritzen heute ist.

Der Kauf eines Eigenheims erfolgt derzeit überwiegend in jungen Jahren, knapp die Hälfte der Erwerber ist unter 40 Jahre alt. Doch wie gelingt der Sprung in die eigenen vier Wände bei den enorm hohen Preisen für Wohnungen und Häuser? Dem ist der Immobilienvermittler Dr. Klein nachgegangen in einer deutschlandweiten, repräsentativen Umfrage. Dr. Klein befragte Immobilienbesitzer, die in den vergangenen drei Jahren ein Haus oder eine Wohnung gekauft haben. 46 Prozent von ihnen sind erstaunlich jung: nämlich zwischen 18 und 39 Jahren alt. Naturgemäß haben Frau oder Mann da noch nicht die Millionen auf der Seite. Wenn noch Kinder im Spiel sind, ist die Kapitaldecke noch dünn.

Ohne Eigenkapital wird es schwierig

Aber der Eigenbeitrag zum Kaufpreis ist ein wichtige Hürde für den Erwerb einer Immobilie. Ganz ohne wird es entweder teurer, weil Banken einen höheren Zins verlangen und die Tilgung schnell 35 oder 40 Jahre dauern kann; oder die Interessenten bekommen überhaupt erst gar kein Hypothekendarlehen. Wie also kann die „Generation Y“ das stemmen bei tatsächlich gezahlten Quadratmeterpreisen von durchschnittlich zum Beispiel rund 2800 Euro in der Metropolregion Dortmund, fast 3400 Euro in Berlin und über 5800 Euro in der Region München?

Erspartes spielt große Rolle

Generell haben laut der Studie alle Käufer Erspartes als Eigenkapital eingebracht. Die Bedeutung nimmt allerdings ab. 74 Prozent steckten vor gut zehn Jahren Erspartes in die die Immobilie, zuletzt waren es nur noch 68 Prozent. In den vergangenen Jahren spielten Erbschaften für die Finanzierung mit 13 Prozent Anteil eine größere Rolle – fast das doppelte Gewicht gegenüber früher (7 Prozent). Zudem stützt die Familie zunehmend mehr. Jeden vierten Immobilienkauf förderten Eltern oder Großeltern, vor zehn Jahren war es nur rund jeder sechste. Besonders die jungen Unter-40-Jährigen sind von familiärer Unterstützung abhängig. Bei 35 Prozent der 18- bis 39-Jährigen kam das Eigenkapital von der Familie. Bei 40- bis 49-Jährigen war das nur bei jeder fünften Finanzierung und bei den über 50-Jährigen nur zu 15 Prozent der Fall.

Fördermittel beachten

„Auch in der Praxis beobachten wir, dass junge Leute meist weniger Eigenkapital haben. Sich aus dem familiären Umfeld Hilfe zu holen, ist daher eine gute Option“, bestätigt Heidi Brunke, Spezialistin für Baufinanzierung von Dr. Klein in Weilheim/Garmisch-Partenkirchen. Ihr Tipp: „Die Eltern können die Eigenkapitalquote ihrer Kinder zum Beispiel verbessern, indem sie die eigene – möglichst lastenfreie – Immobilie als zusätzliche Sicherheit einbringen oder über eine Kapitalbeschaffung weitere Mittel beitragen.“

Die Spezialistin von Dr. Klein rät außerdem, nach Fördermitteln Ausschau zu halten: Von der KfW bis zu den Landesförderbanken – je nach Bundesland und im Rahmen bestimmter Einkommensgrenzen – gebe es gerade für junge Familien Darlehen zu attraktiven Konditionen. „Besonders interessant daran ist, dass einige Banken die Fördermittel als Teil der Eigenkapitalquote ansehen. Eine individuelle Beratung dazu zahlt sich also buchstäblich aus“, so Expertin Heidi Brunke.

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