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Eine Ode an all die guten Dinge, die Dave Ramsey tut

Motley Fool Investmentanalyst
·Lesedauer: 6 Min.
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Dave Ramsey ist das Schwergewicht aller Schwergewichte im Bereich der persönlichen Finanzen. Er hilft den Leuten seit Jahrzehnten, ihre persönlichen Finanzen in Ordnung zu bringen. Seine tägliche Radioshow ist die drittmeistgehörte in den USA.

Ramsey kann auch ein Magnet für Kritik sein. Fallbeispiel: Im Jahr 2013 schrieb ich einen Artikel, in dem ich seine Annahmen zu den Investitionen (mit 12 % jährlicher Rendite) und seine Vorschläge für den Ruhestand (eine „sichere Abhebungsrate“ von 8 %) kritisierte. Das führte zu einem Auftritt in seiner Radiosendung, der, gelinde gesagt, umstritten war.

Daher gehen die meisten davon aus, dass ich gegen alles von Ramsey bin. Der Punkt wurde diese Woche nochmal aufgegriffen, als ein College-Freund einen Link zu einem Guardian-Artikel schickte: „Der Mann, der dir aus den Schulden helfen will — um jeden Preis“. Nachdem ich ihn gelesen habe, gibt es eine Sache, über man sich klar werden sollte: Es ist möglich, Ramsey’s Investitionsratschlägen vehement zu widersprechen und ihm gleichzeitig alle Anerkennung der Welt für seine persönliche Finanzberatung zu geben.

Wenn wir beides verwechseln — oder andeuten, dass es moralisch verwerflich ist, Menschen aus der Schuldenfalle zu helfen — verliert jeder in der Finanzgemeinde.

Das A und O von Ramsey’s „Baby Steps“

Ramsey hat ein System von sieben einfachen Schritten eingerichtet, um den Leuten zu helfen, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Es beinhaltet:

  • Sparen von 1.000 US-Dollar für einen Notfallfonds.

  • Begleichung aller Schulden (außer deinem Haus) mit der Schulden-Schneeballmethode (mehr dazu weiter unten).

  • Sparen der Lebenshaltungskosten von drei bis sechs Monaten für einen vollen Notfallfonds.

  • Das Investieren von 15 % deines Haushaltseinkommens für den Ruhestand.

  • Sparen für den College-Fonds deines Kindes.

  • Frühzeitiges Abzahlen deines Hauses.

  • Reichtum aufbauen und (etwas) verschenken.

Es würde dir schwer fallen, Finanzexperten zu finden, die mit diesen Prioritäten ein Problem haben. Sie sind felsenfest.

Manche haben ein Problem mit der „Schulden-Schneeballmethode“, da sie dich dazu ermutigt, deine Schulden „der Reihe nach von der kleinsten zur größten – unabhängig vom Zinssatz“ abzubezahlen. Indem sie sich auf die kleinsten Schulden und nicht auf die Zinssätze konzentrieren, so argumentieren manche, lassen Ramsey-Anhänger ihre Schulden vielleicht sogar schneller wachsen, als es nötig wäre. Dies, so die Theorie, führt zu einer suboptimalen Schuldenrückzahlung.

Aber hier ist der Haken: Ramsey versucht, realen Menschen in der realen Welt zu helfen, nicht abstrakten Menschen in einer hypothetischen Welt. Reale Menschen haben Emotionen, Gefühle und Motivationsniveaus, die auf und ab gehen. Die Schneeballmethode bietet einen psychologischen Schub („Juhu, ich habe diese Schuld zurückgezahlt!“), der den nötigen Schwung erzeugen kann, um größere Schulden zu tilgen. Es gibt signifikante, von Experten begutachtete Beweise von Top-Universitäten, die Ramsey stützen.

Das ist eine kurze Einführung in Ramseys Rahmenwerk, aber es kommt nicht zu den großen Themen, die es wert sind, angegangen zu werden.

Wer ist schuld an deinem Geldproblem?

Der Knackpunkt des Guardian-Artikels war, dass einige Ramseys Schuldzuweisungen für unfair halten: „Wie Ramsey es sieht, ist Amerikas Schuldenkrise eine Epidemie, die der Drogensucht ähnelt, und ihre Wurzeln liegen im individuellen Verhalten“, heißt es darin. „Der einzige Weg, ihrem erdrückenden Gewicht zu entkommen, ist, damit aufzuhören und auf kalten Entzug zu gehen: lebe von Reis und Bohnen, suche dir einen zweiten Job, verkaufe dein geldverschlingendes Auto“.

Weiter zitiert er Experten, die im Allgemeinen mit den sieben Schritten einverstanden sind, aber den Kontext verabscheuen, in dem sie gegeben werden. Ich denke einfach, dass es am nützlichsten ist, Werturteile ganz und gar über Bord zu werfen und zu fragen: Funktioniert das?

Laut Ramsey haben über 5 Millionen Menschen seine Financial Peace University absolviert, Dutzende von Millionen hören täglich zu, und wenn man den „Schuldenfrei-Schreien“ Glauben schenken will (und ich sehe keinen Grund, warum sie das nicht sollten), ist die Antwort für eine große Anzahl von Menschen klar: JA!

Ich werde nicht argumentieren, dass es keine strukturell unfairen Gründe gibt, warum es manchen Menschen schwerer fällt als anderen, über die Runden zu kommen. Aber wie meine Frau mich immer wieder daran erinnert – und wie ich als innerstädtischer Mittelschullehrer gelernt habe – darfst du das „und“ nicht vernachlässigen.

Damit meine ich, dass du anerkennen kannst, dass es strukturelle Probleme gibt, die Aufmerksamkeit brauchen, und dass es enorm hilfreich ist, Menschen dabei zu helfen, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die sie kontrollieren können. Diese Dinge schließen sich nicht gegenseitig aus. In diesem Zusammenhang könnte Ramsey’s Show — in gewisser Weise — als eine strukturelle Antwort auf ein großes Problem der heutigen amerikanischen Gesellschaft angesehen werden: der Mangel an grundlegender finanzieller Bildung.

Wenn Ramsey ein gewählter Beamter wäre, könnte eine andere Perspektive gerechtfertigt sein. Aber er ist es nicht, und niemand wird einen Service anbieten, der von allen geliebt wird. Dennoch hilft Ramseys Programm ganz klar vielen Menschen und wir alle sind besser dafür.

Zu den Ratschlägen beim Investieren…

Nur ein kleiner Teil von Ramsey’s Botschaft dreht sich um den Prozess des Investierens. Aus dem einen oder anderen Grund, schlägt er vor:

  1. Er nimmt an, dass die Aktienmärkte jedes Jahr 12 % Rendite abwerfen. Die Wahrheit, die auf das Jahr 1871 zurückgeht (und im letzten Jahr endete), ist, dass der Zinseszinseffekt im Durchschnitt 9,2 % betrug. In den letzten 100 Jahren waren es 10,5 %. In den letzten 50 Jahren waren es 10,2 %. In den letzten 20 Jahren 6,7 %. Das mag nach kleinen Unterschieden klingen, aber Zinseszinseffekte sind das achte Weltwunder, und kleine Prozentpunkte Unterschiede sind eine große Sache. Ramsey sichert es ab, indem er sagt: „Lass dich nicht von deiner Meinung darüber, ob du glaubst, dass eine 12 %ige Rendite möglich ist oder nicht, vom Investieren abhalten“. Ich könnte nicht mehr zustimmen.

  2. Sichere Entnahme von 8 % deines Pensionsfonds im ersten Jahr und danach Anpassung an die Inflation. Ich habe die Risiken mit dieser sehr aggressiven Annahme bereits aufgezeigt.

  3. Das Investieren in Investmentfonds mit hohen Gebühren. Ramsey schlägt vor, über Investmentfonds in vier Bereiche zu investieren: International, Wachstum, Wachstum und Einkommen und aggressives Wachstum.

Es ist zwar nichts gegen Investmentfonds an sich einzuwenden, aber die Gebühren, die erhoben werden, und die Regeln, nach denen sie geführt werden müssen, machen es für jeden Fonds schwierig (wenn auch zugegebenermaßen nicht unmöglich), sich konsequent an die Performance des Marktes anzunähern.

Aber ich glaube nicht, dass diese drei Ratschläge den Wert von Ramsey’s Botschaft aufheben. Vielleicht müssen sie nur durch einige unserer Grundüberzeugungen über das Investieren hier bei The Motley Fool ausgeglichen werden:

  1. Du kannst 12 % bekommen, verlass dich nur nicht darauf. Es ist definitiv möglich, jedes Jahr 12 % oder mehr zu bekommen. Viele unserer besten Investoren hier haben eine Erfolgsgeschichte, die das beweist. Wenn du jedoch davon ausgehst, dass du diese Renditen bekommst, dann setzt du deine Erwartungen höher, als die Geschichte deutlich zeigt, dass sie es sein sollten.

  2. Es ist weitaus sicherer, im ersten Jahr 3 % bis 5 % deines Pensionsfonds zu entnehmen und diesen danach an die Inflation anzupassen.

  3. Es ist durchaus möglich, den Markt zu schlagen, indem man individuell investiert. Aber wenn dich das nicht interessiert, ist das Investieren in einen diversifizierten Korb von (sehr günstigen) Indexfonds durchaus sinnvoll.

Wenn du diese zeitlosen Lektionen kombinierst – sowohl im Persönlichen als auch bei deinen Investitionen – können dir die Ergebnisse den finanziellen Frieden geben, den Ramsey verspricht und schon so vielen gegeben hat.

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Dieser Artikel wurde von Brian Stoffel auf Englisch verfasst und am 09.11.2020 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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