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Das ist die oberste Hotellobbyistin Mallorcas

Die Präsidentin der Hoteliersvereinigung auf der Baleareninsel wird zur Krisenmanagerin. Sie versucht die Folgen der Thomas-Cook-Pleite zu minimieren.

María Frontera redet dieser Tage in Endlosschleife – mit Hoteliers, Journalisten, der spanischen und der balearischen Regierung. Die 49-Jährige durchlebt die wohl arbeitsintensivste Zeit in ihrem Amt.

Frontera ist Präsidentin der Federacion Hotelera de Mallorca, der mächtigsten Lobbyvertretung der Urlaubsinsel, rund 840 Mitglieder. Seitdem der Touristikriese Thomas Cook in der Nacht auf den 23. September Insolvenz anmelden musste, ist die Frau notgedrungen Mallorcas oberste Krisenmanagerin.

„Viele Unternehmen, die Verträge mit Thomas Cook hatten, haben schlicht kein Geld erhalten – und das bringt sie jetzt in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten“, erklärt Frontera, die den Verband FEHM seit Januar 2018 leitet.

Eine ganze Reihe Hotels könnten ihre Mitarbeiter nun nicht mehr bezahlen und hätten Probleme, laufende Kosten zu decken. Um die Folgen etwas abfedern zu können, hätten einige Häuser die Saison vorzeitig beendet. Doch auch im Winter könnten die Auswirkungen noch zu spüren sein: „Wir müssen sehr schnell reagieren, damit die Thomas-Cook-Pleite keine Auswirkungen auf die Mittel- und Hochsaison 2020 hat“, meint Frontera.

Ihr Verband will dafür werben, dass die Flugverbindungen nach Mallorca weiterhin in dem Maße bedient würden, wie dies bisher der Fall war. „Das ist von grundlegender Bedeutung für den hiesigen Tourismus“, sagt Frontera, die in Sóller wohnt, einem schmucken Örtchen im Nordwesten der Insel.

Das Geschäft mit der Touristik bekam sie schon ihn die Wiege gelegt: Ihre Familie besitzt ein Hotel in Port de Sóller in dritter Generation. Ihre Mutter, eine Dänin, die einst als Urlauberin auf die Insel kam und wegen der Liebe zurückkehrte, arbeitete zu Beginn des Reisebooms für mehrere Veranstalter und zeigte den Touristen die Insel. Schon damals war Tochter María mit dabei und kam viel herum.

Vor ihrem Job als oberste Hotellobbyistin leitete Frontera drei Jahre lang die Asociación Hotelera de Sóller, den Zusammenschluss der Hoteliers in ihrem Heimatort. Für eine große Hotelkette hat sie bisher nicht gearbeitet. Als Nachteil sieht sie das keineswegs: „Die Vorsitzenden des Verbandes haben sich schon immer aus Vertretern großer Ketten und kleiner Hotels rekrutiert. Wir hatten in der Vergangenheit eine schöne Mischung.“ Auf diese Weise werde jeder gehört.

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden der Thomas-Cook-Pleite ausfallen wird, kann Frontera noch nicht absehen. Doch allein im Oktober werden wohl rund 25.000 Urlauber weniger nach Mallorca kommen, hieß es jüngst vom balearischen Verkehrsminister.

Dass einige Hoteliers von ihren Gästen die nicht bezahlten Beträge kassiert und auch Kunden, die nicht zahlen wollten, vor die Tür gesetzt haben, will Frontera nicht wirklich bestätigen: „Uns ist nicht bekannt, dass dies in einem FEHM-Hotel geschehen ist“, wiegelt sie ab – und schiebt den schwarzen Peter zum insolventen Reisekonzern: „Falls es solche Fälle gegeben hat, liegt es wahrscheinlich an dem Mangel an ausreichenden Informationen seitens von Thomas Cook.“

Auch wenn noch nicht klar ist, wie lange die Folgen der Insolvenz auf Mallorca spürbar sein werden – Frontera zeigt sich zuversichtlich: „Unsere Anziehungskraft als Reiseziel, das touristische Produkt, die Qualität des Hotelangebots und die Art und Weise, wie wir die Dinge auf der Insel tun, sind eine Garantie für die Besucher.“ Sie ist sich sicher, dass man die Krise gemeinsam überwinden werde. „Wir werden auch künftig kein Problem mit der Nachfrage haben.“