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Was ist nur los mit Mbappé?

Philip Kearney
·Lesedauer: 3 Min.

Bemüht, aber glücklos.

So oder so ähnlich lässt sich der Auftritt von Kylian Mbappé im Dress von Paris Saint-Germain am Samstag beim 1:0-Erfolg in Angers zusammenfassen.

Wenig überraschend also, dass der Franzose in Abwesenheit des an Corona erkrankten Cheftrainers Mauricio Pochettino in der 80. Minute ausgewechselt wurde.

Obwohl Paris erst zehn Minuten zuvor durch ein Tor von Layvin Kurzawa in Führung gegangen war und dadurch vorerst die Tabellenführung übernommen hatte, schien Mbappé alles andere als glücklich. (Ligue 1: Die Tabelle)

Im Gegenteil: Der 22-Jährige trabte mit gesenktem Kopf in Richtung Außenlinie, klatsche im Vorbeigehen mit Einwechselspieler Pablo Sarabia ab und nahm regungslos auf der Auswechselbank Platz. Ein Lächeln suchte man an diesem Abend im Gesicht des normalerweise so fröhlichen Mbappé vergebens.

Nach Mega-Start: Mbappé bei PSG in der Krise

Kein Wunder, befindet sich der Angreifer, der jüngst von Pochettino getadelt wurde ("Er muss sich verbessern!"), nun schon seit mehreren Wochen außer Form.

Seit seinem Doppelpack gegen die AS Monaco am 20. November steuerte Mbappé in neun Ligaspielen lediglich vier Torbeteiligungen bei.

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Dass der Offensivmann mit einem Punkt Vorsprung vor Kevin Volland weiterhin an der Spitze der Scorerliste der Ligue 1 thront, hat er vor allem seinem starken Saisonstart zu verdanken. So war der Franzose in den ersten sieben Spielen stets mindestens an einem Tor beteiligt. Insgesamt brachte er es in dieser Phase auf neun Tore und vier Vorlagen.

Dabei ließ sich Mbappé weder von einer Corona-Erkrankung zu Saisonbeginn noch von Oberschenkelproblemen Anfang November vor der Partie gegen Monaco beirren.

Dribblings statt Sprints: Ist Mbappé derzeit zu verspielt?

Doch warum läuft es ausgerechnet jetzt nicht, wo der 22-Jährige doch endlich wieder vollends fit zu sein scheint?

Der ehemalige französische Nationalspieler Jean-Michel Larqué erklärt sich die Krise des Weltmeisters bei RMC Sport folgendermaßen: "Ich werde kein Loch in seinen Schädel bohren und herausfinden, was da drin ist. Aber er kompliziert die Dinge. Er kompliziert alles, was er tut. Warum macht er Rabonas? Warum macht er zwölf Übersteiger, wenn er dabei auf Stelle stehen bleibt?"

Statt "unnötige Bewegungen" zu machen, solle sich Mbappé wieder mehr auf seine Stärken, namentlich seine Geschwindigkeit, konzentrieren.

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Die Zahlen belegen Larqués Sichtweise, wenn auch nicht komplett. Zwar gibt der Mittelstürmer laut dem Statistik-Portal FBref.com in dieser Saison (4,02) weniger Torschüsse pro 90 Minuten ab als noch im Vorjahr (5,23), allerdings sind seine Dribblings erfolgreicher denn je. Bereits fünf Tore resultieren unmittelbar aus seinen Dribblings. Zum Vergleich: In der Saison 2019/20 waren es nur zwei.

Schaulaufen für Real Madrid?

Es fällt jedoch auch auf, dass Mbappés Dribbling-Quote seit seiner letzten Saison bei der AS Monaco deutlich schlechter geworden ist.

Waren in der Saison 2016/17 noch 57,1 Prozent seiner Dribblings von Erfolg gekrönt, sind es in dieser Saison nur noch 50,5 Prozent.

Doch wie stehts es um Larqués schwersten Vorwurf, der lautet: "Er will nur die Bälle, um die Verteidiger lächerlich zu machen"? Tatsächlich hat Mbappé in der laufenden Ligue-1-Saison bereits fünf Mal seine Gegenspieler getunnelt und damit häufiger als in den vergangenen beiden Saisons (vier).

Was die Frage aufwirft: Betreibt Mbappé bereits Schaulaufen für Zinédine Zidane und "das weiße Ballett"?

Dass Real Madrid schon länger Interesse am französischen Weltmeister hat, ist ein offenes Geheimnis. Zuletzt berichtete die spanische Zeitung AS, dass Real gleich sechs Spieler verkaufen will, um Mbappé im Sommer in die spanische Hauptstadt transferieren zu können.

Sollte Mbappé, der mit einem Marktwert von 180 Millionen Euro laut transfermarkt.de der wertvollste Spieler der Welt ist, allerdings so weiterspielen, dürfte sein Wert eher sinken. Immerhin läuft der Vertrag Mbappés im Sommer 2022 aus. Mit Blick auf seine Zukunft wäre der Franzose in jedem Fall gut beraten, wenn er sich wieder auf seine Stärken besinnen würde.