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Nur jeder fünfte Arbeitnehmer nutzt Entgeltumwandlung zur Altersvorsorge

Specht, Frank
·Lesedauer: 3 Min.

Die Regierung hat die betriebliche Altersvorsorge einfach und attraktiv gemacht. Doch selbst der unkomplizierteste Weg wird kaum genutzt.

Das hängt auch davon ab, ob eine zusätzliche Altersvorsorge abgeschlossen wurde. Foto: dpa
Das hängt auch davon ab, ob eine zusätzliche Altersvorsorge abgeschlossen wurde. Foto: dpa

Einmal im Jahr flattert Arbeitnehmern die Renteninformation ins Haus. Darin steht, wie hoch ihre gesetzliche Rente voraussichtlich sein wird. Beim Blick auf das Papier wird den meisten Beschäftigten schnell klar, dass mit den in Aussicht gestellten Beträgen im Ruhestand keine großen Sprünge möglich sein werden.

Zwar haben nach dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zwei von drei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine ergänzende Altersvorsorge. Doch die Zahl der privaten Riester-Verträge ist zuletzt sogar gesunken, und die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge hält nicht Schritt mit der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.

Dabei gibt es gerade bei den Betriebsrenten ein unkompliziertes Verfahren. Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf, über die sogenannte Entgeltumwandlung einen Teil ihres Lohns steuer- und sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen zu lassen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat nun in einer Studie untersucht, wie verbreitet die Entgeltumwandlung ist und wer sie nutzt. Weil andere Quellen nur unvollständige Angaben liefern, griffen die Forscher dabei auf die alle vier Jahre durchgeführte Verdienststrukturerhebung zurück. Die Daten beziehen sich damit auf das Jahr 2014.

Seinerzeit nahm in der Privatwirtschaft knapp ein Fünftel (19 Prozent) der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten die Entgeltumwandlung in Anspruch. Im Durchschnitt legten sie so 1300 Euro für die Altersvorsorge an. In tarifgebundenen Unternehmen wird das Instrument stärker genutzt als in Firmen ohne Tarifvertrag, auch wächst die Verbreitung mit der Betriebsgröße.

Die Inanspruchnahme der Entgeltumwandlung steigt mit der Höhe der Stundenlöhne

Betrachtet man die unterschiedlichen Wirtschaftszweige, so ist der Finanzdienstleistungssektor unangefochtener Spitzenreiter. Hier nutzt gut jeder zweite Arbeitnehmer die Chance, Teile des Lohns steuerfrei anzulegen. Im verarbeitenden Gewerbe oder in der Energieversorgung liegt der Anteil immerhin noch bei knapp 30 Prozent. Schlusslicht ist das Gastgewerbe, wo nicht einmal fünf Prozent der Beschäftigten von der Entgeltumwandlung Gebrauch machen.

Dies hat nach Einschätzung der DIW-Forscher sicher auch mit den verhältnismäßig niedrigen Verdiensten in der Branche zu tun. Denn ein generelles Problem der betrieblichen Altersvorsorge zeigt sich auch bei der Entgeltumwandlung: Gerade Geringverdiener, die nur eine schmale gesetzliche Rente zu erwarten haben, nutzen sie nur weit unterdurchschnittlich. Die Verbreitung steigt nahezu linear mit der Höhe des Stundenlohns, im Mindest- oder Niedriglohnbereich ist oft nur wenig Spielraum, um Geld fürs Alter anzusparen.

Staatliche Unterstützung für Geringverdiener

„Wenn man für Geringverdiener und Geringverdienerinnen die betriebliche Altersvorsorge voranbringen will, führt vermutlich kein Weg daran vorbei, unterstützend tätig zu werden“, sagt Studienautor Johannes Geyer. Vieles spreche dafür, betriebliche Altersvorsorge obligatorisch zu machen und die Entgeltumwandlung um eine Teilfinanzierung durch die Arbeitgeber und eine staatliche Förderung für Geringverdiener zu ergänzen. Sinn mache auch, die Themen Finanzen und Altersvorsorge in die Lehrpläne von Schulen und Berufsschulen zu integrieren, um die Menschen stärker zu sensibilisieren.

Die Bundesregierung hat mit dem Anfang 2018 in Kraft getretenen Betriebsrentenstärkungsgesetz versucht, der betrieblichen Altersvorsorge zu stärkerer Verbreitung zu verhelfen.

Es sieht unter anderem vor, dass der Arbeitgeber bei der Entgeltumwandlung spätestens ab 2022 grundsätzlich einen Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent des umgewandelten Gehalts zusätzlich an die Versorgungseinrichtung abführen muss. Außerdem wird die Anrechnung von Zusatzrenten auf die Grundsicherung im Alter begrenzt, damit sich betriebliche Altersvorsorge auch für Geringverdiener lohnt.

Allerdings zeigt das Gesetz bisher nicht die erhoffte Wirkung: „Die Instrumente des Betriebsrentenstärkungsgesetzes, das seit 2018 in Kraft ist, haben noch keine positive Dynamik entfalten können“, räumt das Bundesarbeitsministerium im Alterssicherungsbericht ein.