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Nur 41 Prozent der Jobanzeigen betonen unbefristete Angebote – ein Experte findet das in Zeiten des Fachkräftemangels „unverständlich“

In Zeiten von Inflation, erhöhten Strom- und Heizkosten und hohen Mieten ist den meisten Arbeitskräften eine Sache bei ihrem Job besonders wichtig: Sicherheit. Die Sicherheit, dass sie sich im nächsten Jahr nicht schon wieder eine neue Stelle suchen müssen, zum Beispiel. Auch die Unternehmen wissen, wie wichtig dieser Faktor für neue Angestellte ist. Laut der Stellenerhebung Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren im vergangenen Jahr 65 Prozent aller Neueinstellungen unbefristet. Zum Vergleich: Fünf Jahre vorher waren es noch 53 Prozent.

Ein Faktor, der auf jeden Fall für ein Unternehmen als Arbeitgeber spricht. Eine Studie vom Kienbaum Institut an der International School of Management zeigt nämlich, dass befristete Arbeitsangebote die Arbeitgeberattraktivität wesentlich reduzieren.

„Aus Sicht der Bewerberinnen und Bewerber ist es schwer bis unmöglich nachzuvollziehen, wie sich das Betriebsklima eines Unternehmens gestaltet. Also suchen sie nach sichtbaren Signalen, die Ableitungen ermöglichen. Ein solches Signal kann eine Befristung sein“, erklärt Michael Knappstein, Co-Autor der Erhebung. „Befristungen können ein Zeichen für ein Klima der Unsicherheit sein, in dem Beschäftigte nicht gerne arbeiten und das Wohlergehen der Beschäftigten nicht so sehr wie vielleicht woanders im Mittelpunkt steht.“

Wettbewerb um begehrte Fach- und Führungskräfte

Einen dementsprechenden Vorteil haben Unternehmen auf dem Bewerbermarkt, wenn sie unbefristete Einstellungen anbieten. Doch diesen nutzen die wenigsten, wie eine Auswertung der Berliner Personalmarktforschung index Research zeigt. Das Unternehmen befragte mehr als 1800 Firmen und analysierte mehr als vier Millionen Stellenanzeigen von Januar bis April 2022. Das Ergebnis ihrer Untersuchung: Nur 41,3 Prozent der Stellenanzeigen werben mit einem unbefristeten Arbeitsverhältnis.

Vor dem Hintergrund der erhöhten Arbeitgeberattraktivität sei es „völlig unverständlich“, dass nur 41 Prozent der Stellenanzeigen das unbefristete Angebot betonten, obwohl fast zwei Drittel der Arbeitsverträge anschließend unbefristet seien, sagt Jürgen Grenz, CEO der index Gruppe. „Wir erhalten immer mehr Anfragen von Unternehmen, die systematisch sogenannte Personas erarbeiten, Wettbewerbs- und Medienanalysen durchführen und darauf aufbauend ihre Recruiting-Strategie definieren wollen“, erklärt Jürgen Grenz. „Unsere hauseigene Personalmarktforschung index zeigt jedoch, dass dies in der Breite der Unternehmenslandschaft noch nicht angekommen ist.“

Unternehmen, die unbefristete Arbeitsverträge anbieten, sollten dies also bereits in den Stellenanzeigen kommunizieren, um sich so im Wettbewerb um begehrte Fach- und Führungskräfte abzuheben.

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