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Novartis steigert Gewinn – verfehlt aber bei der Profitabilität die Erwartungen

Blume, Jakob Telgheder, Maike
·Lesedauer: 5 Min.

Der Schweizer Pharmakonzern legt beim Gewinn um 13 Prozent zu. Doch die Coronakrise lastet auf dem Geschäft – die Aktie reagiert mit Verlusten.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat im vergangenen Jahr den Gewinn um 13 Prozent auf 8,07 Milliarden Dollar gesteigert und will drei Franken Dividende je Aktie an seine Aktionäre auszahlen. Für 2021 stellte das Unternehmen aus Basel am Dienstag aber lediglich einen Umsatzanstieg um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag in Aussicht.

Vorstandschef Vasant Narasimhan geht davon aus, dass die Corona-Pandemie die Gesundheitssysteme noch in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres belasten wird und damit auch das Geschäft von Novartis. Ab dem zweiten Halbjahr soll der Umsatz dann wieder signifikant zulegen. Es wird in Aussicht gestellt, dass der um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsgewinn 2021 stärker als der Umsatz steigt – um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag. Die Prognosen gelten unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen.

An der Börse in Zürich gaben die Aktien von Novartis bis zum Dienstagnachmittag um mehr als zwei Prozent nach. Analyst Stefan Schneider von Vontobel bemängelte, Novartis habe die Erwartungen bei der Profitabilität nicht erfüllt. Dies sei vor allem auf die Pandemie zurückzuführen. Schneider hatte bereits im Vorfeld der Bilanzveröffentlichung seine Prognose für das vierte Quartal korrigiert, weil die Pandemie den Umsatz einiger Produkte belastet haben dürfte.

Insgesamt habe die Pandemie Novartis im vergangenen Jahr rund zwei bis drei Prozentpunkte Umsatzwachstum gekostet, sagte Finanzvorstand Harry Kirsch. Die Nachfrage nach Medikamenten zur Behandlung von Augen- und Hautkrankheiten, Bekämpfung von Krebs sowie nach Generika der Novartis-Sparte Sandoz seien zurückgegangen, weil die Menschen wegen Corona weniger häufig zum Arzt gingen, so das Unternehmen.

Wegen pandemiebedingter Einsparungen bei Produktkampagnen und Reisekosten konnte Novartis seinen Gewinn jedoch stärker steigern als noch Anfang 2020 erwartet. Im Oktober hatte der Konzern deswegen seine Gewinnerwartung angehoben, die eine Steigerung im niedrigen bis mittleren Zehnprozentbereich vorsah. Seine eigene Prognose hat der Konzern erreicht.

Neuentwicklungen als Umsatztreiber

Der Umsatz von Novartis stieg 2020 währungsbereinigt um drei Prozent auf 48,7 Milliarden Dollar. Der bereinigte operative Gewinn zog um 13 Prozent auf 15,4 Milliarden Dollar an. Getrübt wurde das operative Ergebnis allerdings unter anderem durch Zahlungen aus Rechtsstreitigkeiten. Daher ging der verfügbare Kassenbestand (Cashflow) um zehn Prozent zurück.

Umsatztreiber war das Herzmedikament Entresto – die Verkäufe legten 2020 um 44 Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro Umsatz zu. Auch beim umsatzstärksten Medikament Cosentyx, was gegen Schuppenflechte eingesetzt wird, konnte Novartis im Gesamtjahr ein zweistelliges Umsatzplus einfahren. Die Verkäufe stiegen um 13 Prozent auf knapp vier Milliarden Dollar.

Insgesamt ist es den Schweizern in den vergangenen Jahren gelungen, die Verkaufserlöse zu verjüngen: 43 Prozent des Umsatzes gingen 2020 bereits auf neu entwickelte Medikamente zurück. Damit sinkt die Abhängigkeit des Pharmakonzerns von älteren Umsatztreibern, deren Patentschutz in Kürze ausläuft. Dazu gehört etwa das Medikament Gilenya gegen Multiple Sklerose.

Ein großer Teil dieser Veränderungen ist auf die Strategie von CEO Vasant Narasimhan zurückzuführen. Der Mediziner, Jahrgang 1976, führt Novartis seit Anfang 2018. Er hat die über Jahre verfolgte Diversifikationsstrategie des Konzerns endgültig beendet, indem er den Augenheilkunde-Konzern Alcon im April 2019 abspaltete, der im April 2019 an die Börse gebracht wurde. In den Jahren davor hatte sich Novartis unter anderem von Impfstoffen, Tiermedizin und frei verkäuflichen Arzneimitteln getrennt.

Im Gegenzug stärkte Narasimhan das Pharmageschäft mit zahlreichen kleineren und größeren Zukäufen und baute die Aktivitäten im Bereich Big Data und digitale Technologien deutlich aus. 2018 etwa kaufte Novartis für 8,7 Milliarden Dollar die US-Biotechfirma Avexis. Deren innovative Gentherapie Zolgensma gegen spinale Muskelatrophie ist mittlerweile in den USA und Europa zugelassen und gehört mit 920 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2020 zu den Wachstumsprodukten des Unternehmens.

2019 übernahm Novartis zudem für rund 9,7 Milliarden Dollar das US-Unternehmen The Medicines Company. Das Unternehmen hat den innovativen Cholesterinsenker Inclisiran entwickelt, der laut Novartis ebenfalls ein Blockbuster werden könnte. Im Dezember 2020 erhielt das Mittel die Zulassung in der EU, wo es jetzt unter dem Namen Leqvio vermarktet wird.

Weil die Impfstoffe vor Jahren verkauft wurden, ist Novartis im Kampf gegen die Corona-Pandemie mit Vakzinen nicht vertreten. Das Unternehmen hat aber unter anderem erforscht, inwieweit einige seiner bereits auf dem Markt befindlichen Mittel helfen könnten, die Verläufe von Covid-19-Erkrankungen zu erleichtern.

Ende vergangenen Jahres aber zeigte sich, dass die Studien nicht den erhofften Erfolg brachten. Jetzt erforscht Novartis zwei potenzielle Medikamente im Frühstadium, die sich auf die Immunantwort des Patienten richten, und arbeitet in Kooperation mit der Schweizer Firma Molecular Partners an weiteren neuartigen Therapieansätzen gegen Covid-19.

Forschung an Covid-19-Therapie

Man solle nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, geeignete Therapien für Covid-19 zu finden, sagte Pharmachefin Marie-France Tschudin im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Ich denke, dass diese oder ähnliche Formen der Atemwegserkrankungen noch lange unter uns bleiben. Es kann auch sein, dass sie in der Form von Grippeviren wieder auftreten.“ Als sehr ermutigend bewertet die Pharmachefin, wie eng und schnell die Industrie mit der Wissenschaft und der Gesellschaft im Kampf gegen Covid-19 zusammenarbeitet.

Die Pandemie hat auch in der Entwicklung der Pharmasparte des Unternehmens Spuren hinterlassen. Pharmamanagerin Tschudin schätzt, dass die Zahl der Therapien über alle Krankheitsbilder hinweg in der Pandemie um 20 Prozent gesunken ist. „Die Menschen warten länger ab, bis sie sich behandeln lassen. Dieser Rückgang an medizinischer Behandlung ist schon für sich genommen sehr ernst. Das ist fast wie eine zweite Pandemie“, so Tschudin. Viele dieser verpassten Therapien könnten auch nicht nachgeholt werden.

Insgesamt hat sich die gesamte Sparte Innovative Medicines, die mit einem Umsatz von 39 Milliarden Dollar den größten Umsatz von Novartis ausmacht, 2020 deutlich langsamer entwickelt als noch im Jahr vor der Pandemie. 2019 wurde ein währungsbereinigtes Wachstum von elf Prozent erreicht, 2020 waren es vier Prozent

Novartis verweist allerdings darauf, dass das Volumen um zehn Prozent gesteigert werden konnte, während eine negative Preisentwicklung und Generikakonkurrenz den Umsatz um jeweils drei Prozentpunkte drückten. Auch bei der Generikatochter Sandoz macht sich die Pandemie bemerkbar. Die Sparte stagnierte währungsbereinigt bei 9,6 Milliarden Euro Umsatz, ohne Währungseinflüsse gerechnet schrumpfte sie um ein Prozent.