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Notfallpläne für Blackouts: So will Deutschland den Zugang zu Bargeld sichern

Deutschland verstärkt Notfallpläne zur Bewältigung eines Blackouts.  - Copyright: Getty Images / lingqi xie
Deutschland verstärkt Notfallpläne zur Bewältigung eines Blackouts. - Copyright: Getty Images / lingqi xie

Straßenbeleuchtung und Ampeln fallen aus. Wo Autos und Busse fahren, herrscht Chaos. Aufzüge bleiben stecken, an Tankstellen fallen die Pumpen aus. Der Treibstoff wird knapp. Und an Bargeld kommt man auch nicht mehr ran. Das wäre in Deutschland los, käme es zu einem Blackout – einem langanhaltenden Stromausfall.

Obwohl ein solches Szenario von Expertinnen und Experten als sehr unwahrscheinlich eingestuft wird, bereitet sich Deutschland offenbar schon jetzt auf den Ernstfall vor – ganz konkret auf Bargeldlieferungen, um die deutsche Wirtschaft am Laufen zu halten. Das teilten vier an dem Plan beteiligte Personen der Nachrichtenagentur Reuters mit – einige nur unter der Bedingung der Anonymität. Infolge des Ukraine-Krieges müsse sich Deutschland auf mögliche Stromausfälle vorbereiten, lautet ihr Fazit.

Bargeldabhebungen könnten beschränkt werden

Ganz konkret bedeutet das, die Deutsche Bundesbank lege zusätzliche Milliarden zur Seite und erwäge Bargeldabhebungen zu beschränken, teilte ein Insider Reuters mit. Zudem heißt es, Beamte und Banken würden im Katastrophenfall sowohl die Verteilung von Bargeld sowie einen vorrangigen Zugang zu Treibstoff für Geldtransporteure planen.

Die Zentralbank, die Finanzmarktaufsicht BaFin sowie mehrere Verbände der Finanzindustrie seien an den Planungsgesprächen beteiligt, sagten die Insider weiter. Anders als andere Europäer nutzen die Deutschen tendenziell häufiger Bargeld. Eine Option, um zu verhindern, dass zu viele Menschen gleichzeitig Bargeld abheben, könnte laut eines Insiders sein, eine Grenze einzuführen, die regelt, wie viel Geld eine Person überhaupt abheben darf. Die Bundesbank sei aber mit ihren Vorräten auf eine sehr hohe Nachfrage vorbereitet.

Plan legt offen, dass die Sicherheitsfirmen der Knackpunkte im System sind

Die Planung hat aber auch eine Schwachstelle im System offengelegt. Sie betrifft die Sicherheitsfirmen, die das Geld von der Zentralbank zu den Geldautomaten und Banken transportieren. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW), so Reuters, sei der vorrangige Zugang zu Treibstoff und Telekommunikation während eines Stromausfalls nicht vollständig durch Gesetze geregelt.

Es gebe große Schlupflöcher, sagte Andreas Paulick, Geschäftsführer der BDGW gegenüber der Nachrichtenagentur. "Wir müssen uns präventiv mit dem realistischen Szenario eines Stromausfalls auseinandersetzen", sagte Paulick weiter. "Es wäre völlig naiv, in einer Zeit wie jetzt nicht darüber zu sprechen". Dass sich die Bevölkerung (40 Prozent) ohnehin vor einem Stromausfall in den nächsten sechs Monaten fürchtet, legt eine Studie für die "Berliner Morgenpost" offen.

Im Falle eines Stromausfalls ist Bargeld essenziell, sagt ein Experte

Deutsche Finanzaufsichtsbehörden seien auch besorgt darüber, dass die Banken nicht vollständig auf größere Stromausfälle vorbereitet sind und betrachten dies als ein neues, bisher unvorhergesehenes Risiko, sagte ein Beamter mit direkter Kenntnis der Angelegenheit zu Reuters. Die Banken halten einen flächendeckenden Stromausfall aber für "unwahrscheinlich", teilte die Deutsche Kreditwirtschaft auf Reuters-Anfrage mit.

Wie wichtig Bargeld im Falle eines Blackouts ist, unterstreicht der Chef von KomRe, einem Unternehmen, das Städte bei der Planung für Stromausfälle und andere Katastrophen berät. Bargeld wäre die einzige offizielle Zahlungsmethode, die noch funktionieren würde, zitierte ihn die Nachrichtenagentur. "Wie sollen sonst die Ravioli-Dosen und Kerzen bezahlt werden?" Seinen Angaben zufolge warne er die Behörden schon seit Langem vor den Risiken eines Stromausfalls.

cb