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Aus der Not heraus erfand er den „Schweinebuzzer“

·Lesedauer: 3 Min.
Christoph Becker ist Landwirt aus Niedersachsen und will seine Schweineställe auf eigene Faust digitalisieren.
Christoph Becker ist Landwirt aus Niedersachsen und will seine Schweineställe auf eigene Faust digitalisieren.

Der Griff zum Wasserhahn gehört für die meisten Menschen zum Alltag. Doch was für Menschen normal ist, gehört für Schweine zur Seltenheit. Der 37-jährige Christoph Becker sieht darin ein massives Problem. „Schweine sind unsere intelligentesten Nutztiere. Wir sollten sie nicht so behandeln, wie wir es derzeit tun“, moniert der Bauer aus Niedersachsen. Infolgedessen hat er eine Anlage gebaut, womit sich seine Tiere über den Tag selbst versorgen können.

Diese Anlage funktioniert wie ein Buzzer, die in Talkshows zum Draufhauen dienen. Schweine hauen nicht drauf, sondern lösen mit ihrem Rüssel ein elektrisches Signal aus. Dafür schieben sie einen Kunststoffpfahl in ein an der Wand befestigtes Rohr nach oben. Dadurch wird Wasser abgegeben, sodass die Schweine trinken oder sich abkühlen können, – denn Hitzestress kann bei den Tieren schnell zu Leistungseinbußen führen. Becker zufolge sei das Prinzip auch für die Ausgabe von Futter geeignet. „Für mich ist der Buzzer ein Türöffner zur Digitalisierung des Schweinestalls“, erklärt der Landwirt. Demnach lasse sich die Vorrichtung auch mit einer App verbinden, über die man verfolgen kann, wie oft die Schweine Gebrauch vom Schweinebuzzer machen. Becker hat bisher beobachtet, dass der Buzzer in einem Stall mit 50 Tieren rund 20.000 mal gedrückt werde – pro Tag.

Die Idee für den Schweinebuzzer hatte Becker 2019, nachdem er sich zunehmend mit Tierwohl-Themen auseinandersetze. „In der Landwirtschaft gibt es für Schweine kaum Selbstbestimmung. Sie können lediglich entscheiden, wann sie essen und trinken“, so Becker.

Agrar-Startups erhalten Millionenfinanzierungen

Dabei interessieren sich Konsumenten zunehmend dafür, in welchem Umfeld das Stück Fleisch, das sie essen, zuvor gelebt hat. Das hat Startups auf den Plan gerufen, die sich drum bemühen, einzelne Prozesse in der Nahrungsmittelgewinnung zu verbessern. Die Firma Betriebsmittelhelden aus Bielefeld bietet Landwirten etwa eine Vergleichsplattform an, auf der sie ihre Einkäufe wie beispielsweise Futtermittel digital abwickeln können. Dafür haben sie im Mai dieses Jahres einen hohen sechsstelligen Betrag von prominenten Investoren, wie etwa vom Gründer der Krypto-Handelsplattform Bitcoin.de, Oliver Flaskämper, eingesammelt. Die Firma Agrando hat ebenfalls eine Finanzierung in Höhe von zwölf Millionen Euro abgeschlossen. Das Startup aus München will Landwirten über eine Plattform beim Handel von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln helfen.

„Landwirtschaftliche Betriebe sind nicht nur unterfinanziert, sondern auch unterdigitalisiert“

Becker steht noch ganz am Anfang. Erst mal müsse er genügend Selbstbedienungsanlagen in seinen eigenen Ställen installieren, wofür er eine Menge Geld in die Hand nehmen muss. Seine ersten Prototypen kosteten etwa 2000 Euro. Und hier sieht Becker die größte Herausforderung, seine Schweinebuzzer an die Landwirte zu bringen: „Die konventionellen Landwirte werden mein Produkt sicherlich nicht kaufen“, so Becker. Da sie mit Geldproblemen zu kämpfen haben. „Die Schweinehaltung in Deutschland ist am Boden“, attestiert der 37-Jährige. Konkret heißt das, dass Landwirte für ein Schwein, dass sie ein halbes Jahr durchfüttern, knapp über 100 Euro erhalten und manchmal sogar noch draufzahlen, um es loszuwerden. Dieses Minusgeschäft behindere Innovationen in Sachen Tierwohl und Tierhaltung, so Becker. Und auch die Mitarbeit von Startups auf den Höfen.

In der Digitalisierung der Viehhaltung und Agrarwirtschaft sei noch viel Luft nach oben, findet der Landwirt aus Niedersachsen. „Landwirtschaftliche Betriebe sind nicht nur unterfinanziert, sondern auch unterdigitalisiert“. Dabei stehen Bauernhöfe angesichts der ökologischen Trendwende vor Riesenveränderungen, die sie nicht allein bewältigen können.

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