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Northvolt: Warum dieser Ex-Tesla-Manager ausgerechnet in Schleswig-Holstein "die grünsten Batterien" der Welt produzieren möchte

Der in großen Mengen verfügbare grüne Strom zieht den Northvolt-Chef Carlsson in den Norden der Republik.
Der in großen Mengen verfügbare grüne Strom zieht den Northvolt-Chef Carlsson in den Norden der Republik.

Tesla hat nicht nur dem Elektroauto zum Durchbruch verholfen und damit den Ruf des Pioniers inne, sondern kann getrost auch als Talentschmiede der Autoindustrie 2.0 bezeichnet werden. So einige einflussreiche Manager, die aktuell den Umbruch der Branche vorantreiben, haben unter Elon Musk gedient.

Dazu gehört auch der Lucid-CEO Peter Rawlinson, der einst maßgeblich an der Entwicklung des bahnbrechenden Models S beteiligt war. Mit der innovativen Elektro-Limousine Air möchte der Waliser nicht nur in der Oberklasse die deutsche Premium-Konkurrenz angreifen, sondern, quasi nebenbei, mit dem seiner Aussage nach "besten Auto der Welt" seinen berühmten Ex-Chef Elon Musk schlagen.

Carlsson baute die erste Gigafactory auf

Oder Peter Mikael Carlsson. Der Schwede war von Juni 2011 bis Oktober 2015 Teslas Einkaufschef, eine Position, die ein vertrauliches Verhältnis zu Elon Musk bedeutete. Bevor er zu dem US-amerikanischen Autobauer stieß, arbeitete der 51-jährige für Sony Ericsson und den holländischen Halbleiterproduzenten NXP Semiconductors.

Carlsson baute die Lieferkette für die erste Tesla Gigafactory in Nevada auf und nahm bei der Errichtung von Musks erster Batteriezellenfabrik insgesamt eine bedeutende Rolle ein. Dann entschied er sich, sich zukünftig auf die Produktion sowie das Recycling von Batteriezellen zu konzentrieren. 2015 gründete der Schwede gemeinsam mit seinem ehemaligen Tesla-Kollegen Paolo Cerruti Northvolt.

Northvolt setzt auf Recycling

Das Bestreben des aktuell rund 1800-köpfigen Unternehmens: die Autoindustrie mit den grünsten Batterien der Welt zu versorgen. Um dieses Versprechen auch tatsächlich einlösen zu können, verfolgen die Schweden eine konsequente Strategie, die vor allem von drei Eckpfeilern gestützt wird.

Im vergangenen November verkündete Northvolt, dass es dem Unternehmen erstmals gelungen sei, eine Batteriezelle aus vollständig wiederverwerteten Materialien herzustellen. Der Recycling-Prozess soll es ermöglichen, 95 Prozent der eingesetzten Metalle wieder so aufzubereiten, dass deren Qualität der von komplett neuem Lithium, Kobalt oder Nickel in nichts nachsteht.

Erneuerbare Energien als Standortkriterium

Die hauseigene Recycling-Anlage soll 2023 nahe des Northvolt-Entwicklungszentrums im schwedischen Västerås den Betrieb aufnehmen. Auf lange Sicht können dort nach Angaben von Northvolt jährlich genügend Rohstoffe für eine Batteriekapazität von 30 Gigawattstunden aufbereitet werden. 2030 möchte das Unternehmen in seinen Zellen bereits einen Recycling-Anteil in Höhe von fünfzig Prozent erreicht haben.

Neben dem Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft möchte Northvolt seine Produkte auch mit dem konsequenten Einsatz erneuerbarer Energie bei der ansonsten CO2-intensiven Produktion möglichst klimafreundlich machen. Auch deshalb haben die Schweden Anfang dieses Jahres ihr erstes Werk ganz im Norden ihres Heimatlandes offiziell in Betrieb genommen. Dort oben, unweit des Polarkreises, gibt es ein großes Angebot an grünem Strom, der mithilfe von Wasserkraft hergestellt wird.

Windkraft satt in Schleswig-Holstein

Die fortschrittliche und saubere Energieversorgung vor Ort ist auch der Hauptgrund dafür, dass die zweite Northvolt-Fertigungsstätte ausgerechnet im schleswig-holsteinischen Heide entstehen soll. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) bezeichnet Carlsson, der seiner eigenen Aussage nach seit seiner Kindheit von Fabriken fasziniert ist, die Region im Westen des nördlichsten Bundeslandes als "Clean Energy Valley". Die Nordseeküste von Schleswig-Holstein gehört nämlich zu den absoluten Spitzenreitern, wenn es um die Stromproduktion mit Windkraftanlagen geht.

Noch ist die Finanzierung des Projekts noch nicht klar. Während Carlsson laut einem "FAZ"-Interview mit den strengen deutschen Genehmigungsverfahren hadert. Northvolt möchte in Heide jedoch auf einem 150 Hektar großen Areal ab 2025 jährlich Batterien für eine Million E-Fahrzeuge fertigen und in dem 20.000 Einwohner-Städtchen mindestens 3000 neue Arbeitsplätze schaffen. Sollten sich auch im Umland Spezialfirmen sowie Zulieferer ansiedeln und bis zu 10.000 weitere Jobs entstehen, wäre die Ansiedlung der Schweden eine Chance für die wirtschaftlich eher unscheinbare Region.

"Kurze" Lieferwege zu den Abnehmern

Ein weiterer Grund für die Standortwahl dürfte die geografische Nähe zu den potenziellen Hauptabnehmern der Stromspeicher gewesen sein. Je kürzer die Transportwege, desto niedriger die Kosten und desto besser für die Klimabilanz. Auch wenn Heide keinesfalls im näheren Umkreis der Autometropolen Stuttgart und München liegt, wären die Lieferdistanzen für Branchenverhältnisse recht kurz.

Nach Wolfsburg, dem Stammsitz von Volkswagen, einem der Hauptanteilseigner von Northvolt, wären es beispielsweise "nur" rund 250 Kilometer. Der zweitgrößte Autobauer der Welt war im Sommer 2019 bei Northvolt eingestiegen und hat im vergangenen Sommer nochmals 620 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investiert, um die Beteiligung in Höhe von 20 Prozent zu halten. VW und Northvolt gründeten 2019 sogar gemeinsam ein Joint Venture, um das Traditionswerk Salzgitter in eine Batteriezellenfabrik umzuwandeln. Die Wolfsburger übernahmen den Northvolt-Anteil jedoch 2021 und setzen das Projekt jetzt auf eigene Faust um.

Doch auch Northvolts heimischer Partner Volvo und dessen rein elektrische Schwestermarke Polestar sitzen in Südwesten Schwedens und sind somit nicht ganz aus der Welt. Dasselbe gilt für die süddeutschen Interessenten BMW, Audi und Porsche.

Parallelen zwischen Northvolt und Tesla

Auch wenn Carlsson mit Northvolt ein anderes Geschäftsmodell als Tesla verfolgt, gibt es bei seinen Aktivitäten in Deutschland Parallelen zu seinem ehemaligen Arbeitgeber. Diese gehen weit über die ähnlichen Ortsnamen hinaus – Heide und Grünheide. Elon Musk wollte seine europäische Gigafactory unbedingt im Raum Berlin aus dem Boden stampfen, um jungen internationalen Talenten ein attraktives Lebensumfeld in einer der populärsten Metropolen des Kontinents zu bieten.

Im Falle von Carlsson und Northvolt wäre dieser Anziehungspunkt Hamburg, das nur anderthalb Stunden Autofahrt von Heide entfernt ist. Die Ansiedlung des zukunftsträchtigen Unternehmens wäre jedoch ein Grund, die Verkehrsanbindung der Region im Westen Schleswig-Holsteins zu verbessern. Ähnlich wie bei Tesla in Grünheide stehen auch bei der deutschen Northvolt-Fabrik Investitionen in Millionenhöhe im Raum. Da der Bau der Batteriefabrik zu den besonders förderwürdigen strategischen Projekten in Europa zählt, sind von 155,4 Millionen Euro Zuschuss die Rede.

Tesla hatte seinen Antrag im vergangenen Herbst überraschend zurückgezogen und so angeblich auf die Förderung verzichtet. Im Februar kam jedoch heraus, dass es sich bei dem Schachzug von Elon Musk um einen Bluff handelte. Der Elektroautobauer hätte die Förderung in Höhe von über einer Milliarde Euro im Rahmen des IPCEI-Programms überhaupt nicht bekommen, da die vermeintlichen Innovationen in Grünheide bereits in der texanischen Gigafactory zum Einsatz kamen, die etwas früher eröffnet wurde.

Trotz der fehlenden Subventionen konnte Musk sein europäisches Werk letztendlich doch noch, wenn auch mit einer gewissen Verspätung, auf die Beine stellen. In den nächsten drei Jahren wird sich zeigen, ob Carlssons Projekt ebenfalls von Erfolg gekrönt sein wird. Die nötige Erfahrung sollte der Schwede dank seiner Laufbahn haben.

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