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"Normale Coworking-Härte": Ein Roman über moderne Arbeitswelten

·Lesedauer: 2 Min.
Work, work, work: Symbolbild Coworking.
Work, work, work: Symbolbild Coworking.

Der Kölner Peter Licht ist Künstler. Als Indie-Pop-Musiker hatte er 2001 seinen Durchbruch mit "Sonnendeck". Als Autor schreibt er Kolumnen, Essays und Romane. Sein neuster Roman "Ja okay, aber" ist gerade erschienen und beschreibt - ungemein treffend - das Leben und Arbeiten in einem Coworking-Space. Erzählt wird aus der Sicht eines Mannes, der endlich vorankommen will. So wie die anderen um ihn herum, die der Ich-Erzähler eingehend beobachtet und beschreibt. Die "Vorsichhinhocker" und die "Herumtapser" im Coworking-Reich, die mit Kaffeetasse in der einen und Handy in der anderen Hand gefährliche Balanceakte im Flur wagen. Er schreibt über die Allroundklünstlerin, die sich viel mit Förderanträgen beschäftigt, die Dessous-Startup-Gründerin und den Mann, von dem keiner weiß, was er eigentlich arbeitet, aber das tut er immer und jeden Tag. Vermutlich geht es auch bei ihm, wie bei den meisten anderen Co-Workern um Nachhaltigkeit, Kundenorientierung und Flexibilität.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Ja okay, aber“ von Peter Licht, das im Tropen Verlag (Klett-Cotta) erschienen ist:

"Nach einer unangenehmen Nacht wache ich auf und beschließe, mich nun an meine Arbeit zu setzen, um endlich VORANZUKOMMEN. Ich fahre in mein Büro. Die anderen sind noch nicht da. In der Teeküche steht eine wirklich gute und sehr große Kaffeemaschine. Alle sind Freunde der Kaffeemaschine. Niemand kann etwas gegen sie sagen. Sie ist eine gute Freundin. Man wärmt sich an ihr, wenn es kalt ist.

Bei meinem Büro kann man die Tür zumachen. Gottseidank. Aber natürlich hört man das Gemurschel, wenn die anderen draußen auf dem Gang unterwegs sind und ARBEITEN. Normale Coworking-Härte.

Ich habe ein Büro in einer Coworking-Einrichtung. Manche nennen es Space. Hier gibt es viele Menschen. Wir alle arbeiten für uns. Deshalb heißt es Coworking. Wir alle saugen an der Zitze des Kapitalismus. Manchmal kommt etwas heraus. Davon leben wir.

Neben meinem Büro ist das Büro des Programmierers. Der Programmierer befindet sich in seinem Büro und ARBEITET. Er hat einen sehr schmalen Kopf mit büschelhaften Haaren und sieht aus wie derjenige, der Warten auf Godot geschrieben hat. Der Programmierer kommt um acht und geht um sechs. Wenn ich eine Atomuhr justieren müsste, würde ich mich an den Arbeitszeiten des Programmierers orientieren. Der Programmierer sitzt im Büro neben meinem. Nein, falsch, er steht. Aus einem Karton für Xerox-Toner und obendrauf einem viereckigen Spiegel, der mal im Klo hing, hat er eine Erhöhung gebaut. Ich dachte zuerst, es sei ein Stehpult, das stimmt aber nicht, es ist eine Erhöhung aus einem Karton und einem Klospiegel. Der Spiegel liegt auf dem Rücken und spiegelt die Decke.

Oft sehe ich den Programmierer tagelang nicht. Er schlüpft ins Büro und schlüpft wieder raus. Man bekommt es kaum mit. Nie ist er draußen auf dem Gang. Er arbeitet an einem PROJEKT. Er braucht dafür seinen Computer und ein Telefon. Er hat mir schon mehrmals erklärt, was das ist, woran er arbeitet. Ich verstehe es nicht. Es hat irgendetwas mit Vernetzung und mehrfachen ANWENDUNGEN zu tun. Es ist wohl eine Programmierung, mit der sich unendlich viel Content miteinander verbinden lässt. Das spricht mich an. Unendlich viel Inhalt finde ich gut.

Immer wenn wir zum Mittagessen zum grünen Thai gehen, erklärt er mir aufs Neue, was er macht. Der grüne Thai ist nicht weit weg. Man braucht 5,5 Minuten, bis man da ist und sich hineingesetzt hat. Gottseidank ist auf der Straße vor dem grünen Thai fast nie Platz und wir setzen uns immer an die Tische, die drinnen sind. Straße: zu viel Wind, zu viel Sonne, zu viele Menschen, zu nah. Wir essen drinnen. Es gibt keine Toilette im grünen Thai. Ich habe nie verstanden, warum. Ich vermute, es hat mit den Barhockern zu tun, die im grünen Thai stehen. Wenn irgendwo Barhocker drinstehen, kann man das Klo entfernen. Das habe ich gelernt.

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