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Nissan bleibt ein ungelöstes Problem für Renault


Die abgeblasene Fusion in Europa lässt auch die Japaner sprachlos zurück. „Kein Kommentar“, hieß es am Mittwoch aus der Nissan-Zentrale. Dafür spekuliert Japans Wirtschaftszeitung Nikkei, dass der Flirt zwischen Fiat Chrysler und dem Nissan-Partner Renault die ohnehin schon angespannte japanisch-französische Beziehung weiter vergiftet habe.

Bis zum Ende der bereits verabschiedeten Produktpläne im Jahr 2023 werde man noch gemeinsam marschieren und dann neue Wege suchen, zitiert die Zeitung einen nicht genannten Analysten. „Solche Stimmen gibt es viele“, urteilen die Autoren, die gewöhnlich gut in Nissans Führungsriege vernetzt sind.

Offiziell steht das Management voll hinter der Allianz – und Japans Regierung ebenfalls. Gemeinsamer Einkauf, gemeinsame Plattformen – zu tief sind die beiden Unternehmen bereits miteinander verwoben, als das man kurzfristig an eine Trennung denken könnte. Renault hält 43 Prozent an Nissan und hat damit faktisch die Kontrolle. Aber das Murren der Japaner über den Alleingang der Renault-Manager in Sachen Fiat ist nicht zu überhören.

Laut Medienberichten aus Frankreich wollten die Vorstandsvertreter der französischen Regierung ein klares Ja der von Nissan entsandten Renault-Vorstände für die Allianz. Doch die Japaner enthielten sich lediglich, worauf die Regierung sich für eine Verschiebung der Abstimmung einsetzte.

Zwar sah auch Nissan-Chef Hiroto Saikawa die Vorteile eines Zusammengehens mit Fiat Chrysler. Denn mit Nissan hätte der Absatz der drei Autokonzerne mit 15 Millionen Autos sogar über dem von VW und Toyota gelegen. Größe ist wichtig in einer Branche, die immer höhere Entwicklungskosten schultern muss.

Am Donnerstag kündigten dann auch noch Toyota und Suzuki an, im Rahmen ihrer Technologieallianz gemeinsam eine Elektroautoplattform zu entwickeln. Nissan und Renault könnten damit selbst in Japan den Vorsprung bei Elektroautos noch verspielen.

Aber Saikawa warnte auch vor Schwierigkeiten, die mit dem Einbeziehen von Fiat Chrysler auf die Allianz zugekommen wären. Zudem geht es um auch um Stilfragen, schließlich ist Nissan erst sehr spät über die Fusionsverhandlungen informiert worden. Dies schürte in Japan den Verdacht, dass Renault sich durch eine Fusion mit FCA mehr Gewicht für den Kampf um das eigentliche Endziel verschaffen wollte - eine Fusion mit Nissan.

Dabei hatte der französische Staat Renault gedrängt, die Allianz der bisher eigenständigen Autohersteller durch eine Integration unumkehrbar zu machen. Doch viele Japaner sahen darin den Versuch, als ungerecht empfundene Beteiligungsverhältnisse zu zementieren und den doppelt so großen japanischen Autobauer zu beherrschen. Renault hält 43 Prozent an Nissan, während die Japaner, die Experten als den technischen Motor der Allianz ansehen, nur 15 Prozent an Renault hält, die zudem ohne Stimmrecht sind.

Nissan will die Allianz mit Renault neu verhandeln

Die Verhaftung und Anklage von Allianzchef Carlos Ghosn in Japan wegen Verstößen gegen Finanzmarktgesetze und Veruntreuung zeigt, wie hart der Widerstand in Japan geworden ist. Selbst Ghosn früherer Adjutant Saikawa fordert nun eine Neustrukturierung der Allianz.

Doch so erleichtert die Fusionskritiker bei Nissan über den Rückzieher von Fiat Chrysler sind, so sehr wächst das Mißbehagen über das eigene Verhältnis zu Renault. Nissan braucht aber die Ehe mit Renault, denn auch die eigenen Probleme wachsen.

Inklusive des China-Geschäfts lag Nissans Gewinnmarge im März abgelaufenen Bilanzjahr 2018 nur noch bei 3,8 Prozent, und dies laut Analysten auch nur dank der Finanzgeschäfte. Die Schuld dafür schiebt Saikawa Ghosns Strategie in die Schuhe, in Nissans Hauptmarkt USA durch hohe Rabatte auf Mengenwachstum gesetzt zu haben. Dies versucht Nissan-Chef Saikawa nun zu korrigieren.

Damit fehlt Nissan der finanzielle Puffer, weitere Schocks aufzufangen. Sollte beispielsweise US-Präsident Donald Trump Einfuhren aus Mexiko mit einem 25-prozentigen Strafzoll belegen, wären Zweidrittel von Nissans für 2019 geplantem Gewinn in Gefahr, kalkulieren die Analysten der US-Finanzgruppe Citigroup.

Mehr: Die Fusion zwischen Renault und Fiat Chrysler scheitert am politischen Gegenwind. Beide Seiten schieben sich die Schuld für die geplatzte Autoehe zu.