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Wer nimmt beim Plusdental-Verkauf Geld vom Tisch?

Erwachsene tragen die durchsichtigen Zahnschienen, um ein gerades Gebiss zu bekommen.
Erwachsene tragen die durchsichtigen Zahnschienen, um ein gerades Gebiss zu bekommen.

Die News kam überraschend: Das Berliner Startup Plusdental, das durchsichtige Zahnschienen für Erwachsene vertreibt, hat den Besitzer gewechselt. Umgerechnet 131 Millionen Euro zahlte die Schweizer Straumann Gruppe für das fünf Jahre alte Startup. Noch vor einem Jahr kündigte Plusdental-Chefin Eva-Maria Meijnen an, die Tech-Firma werde bei der nächsten Finanzierungsrunde mit einer Milliarde Euro bewertet. Damals lag der Wert eigenen Angaben zufolge bei über 100 Millionen Euro. Woran es lag, dass sich der Unternehmenswert nicht wie erwartet entwickelte, dazu will sich Plusdental nicht äußern.

Der neue Eigentümer Straumann ist ein börsennotierter Anbieter von Zahnprothesen und übernahm 2020 bereits die Mehrheit an Drsmile für rund 35 Millionen Euro. Für Straumann hat sich der Deal gelohnt: Der Zahntechniker will mit seinen Zahnschienen-Startups ein weiteres Geschäftsmodell aufbauen.

Knapp 100 Millionen Euro Investitionsvolumen

Seit der Gründung 2017 – damals noch unter dem Namen Sunshinesmile – hat Plusdental laut einer Mitteilung fast 100 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Crunchbase spricht von 83 Millionen Euro. Bei einer Verkaufssumme von 131 Millionen Euro liegt der Gewinn für einige Investoren nur gering über dem Starteinsatz. Die Vertragsdetails sind Gründerszene nicht bekannt. Möglich sei, dass die Investoren der letzten Finanzierungsrunde 2021 bessere Konditionen und damit eine höhere Liquiditätspräferenz ausgehandelt hätten als die früheren Gesellschafter, sagt M&A-Berater Julian Riedlbauer. Heißt: Sie bekommen zuerst ihren Teil ab und etwas mehr Geld.

Zu den jüngsten Geldgebern gehört Fußball-Nationalspieler Mario Götze, der mit 0,05 Prozent einen geringen Anteil hielt. „Die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der Plusdental gewachsen ist und ihre Idee, zahnärztliche Behandlungen sowohl zu digitalisieren als auch für jedermann zu geringen Kosten verfügbar zu machen, haben mich sofort begeistert“, ließ sich der Business Angel im Frühjahr 2021 zitieren. Rein rechnerisch dürfte seine Beteiligung am Ende etwa 65.000 Euro entsprochen haben. Neu eingestiegen war damals auch das Hongkonger Handelsunternehmen Jebsen. Dessen VC-Vehikel, einem der größeren Anteilseigner an dem Zahnschienen-Startup, gehörten zuletzt rund sechs Prozent.

Die Gründer und Manager von Plusdental teilten sich knapp ein Drittel der Firmenanteile. Eva-Maria Meijnen, die Ende 2019 als Co-CEO das Team komplettierte, hielt drei Prozent. Der mittlerweile ausgeschiedene Gründer David Khalil hatte noch neun Prozent. Gründer und Co-CEO Peter Baumgart verbuchte sieben Prozent und sein Kompagnon Lukas Brosseder zehn Prozent. Serienunternehmer Constantin Bisanz, der als Gründungsinvestor die Idee finanzierte und nur wenige Monate operativ tätig war, hielt nicht einmal mehr ein Prozent. Rein rechnerisch ergibt sich ein Wert der Anteile der vier von etwa 38 Millionen Euro.

Größter Gesellschafter war ein chinesischer Versicherer

Das meiste Geld hat wohl Ping An Voyager Partners verdient, das Investmentvehikel des gleichnamigen chinesischen Versicherungskonzerns. Die 18 Prozent wären nach dem Verkauf rein rechnerisch 23 Millionen Euro wert. Ping An Voyager Partners ist im Mai 2020 im Rahmen einer 32-Millionen-Euro-Runde eingestiegen und hat eineinhalb Jahre später noch einmal aufgestockt. Zweitgrößter Anteilseigner an Plusdental ist der Berliner VC HV Capital mit 17 Prozent. Der Top-Investor Lakestar hatte vor dem Exit 13 Prozent, die dürften in etwa 17 Millionen Euro wert gewesen sein.

Weiterhin investiert war der Berliner Private-Equity-Fonds Cadence Growth Capital mit zehn Prozent. Jeweils zwei Prozent hielten Kreos Capital, ein Growth-Fonds aus London, und F4. Dahinter steckt Mathis Wilke, Managing Director bei der Investmentbank Stout, die auch die Finanzierungsrunden von Plusdental begleitet hat. Ob Wilke selbst Kapital in das Zahnschienen-Startup gesteckt hat, ist nicht öffentlich bekannt. In der Startup-Szene ist es üblich, dass Anwälte und Berater für ihre Dienstleistungen nicht bezahlt werden, sondern Anteile erhalten.

Startup-Vorbilder und Immobilienhaie

Die Plusdental-Gründer Brosseder und Khalil sind Teil des Business-Angel-Clubs Saarbrücker21. Die Gruppe stammt aus dem Rocket-Internet-Umfeld und finanziert seit 2016 gemeinsam Startups. Entsprechend haben sich die restlichen zehn Unternehmer auch an Plusdental beteiligt, insgesamt gehören ihnen zwei Prozent, was einer Summe von 2,6 Millionen Euro entspricht.

Weitere Angel-Investoren sind Jörg Arntz und Anita Tillmann, Chefs der Premium Group. Die Firma veranstaltet während der Berliner Fashion Week Rahmenveranstaltungen. Josef Sobeck ist Zahnmediziner und Anteilseigner der ersten Stunde. Das Unternehmerpaar Christian und Nina Vollmann ist früh bei Plusdental eingestiegen. Die Beteiligungsgesellschaft Starstrike Ventures rund um die Amorelie-Gründer Lea-Sophie Cramer und Sebastian Pollok waren an Bord. Cramer hat über ihr eigenes Vehikel auch noch einmal selbst Geld in die Firma gesteckt. Und die Hotelkettenbesitzer Samuel und Benjamin Skoblo finanzierten das Geschäft. Die Anteile dieser Privatinvestoren dürften jeweils einen fünfstelligen Betrag wert gewesen sein.

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