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Nike: Der Sportartikelhersteller soll laut einem Medienbericht neue Sneaker schreddern – trotz vollmundiger Recyclingversprechen

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Nike Sneaker.
Nike Sneaker.

Jährlich werden um den Globus rund 1,4 Milliarden Sneaker produziert. Einen relevanten Teil davon stellt der Sportartikelhersteller Nike her. Die Modeindustrie ist für den Ausstoß von mehr CO2-Emissionen verantwortlich als Luft- und Schifffahrt zusammen. Viola Wohlgemuth von Greenpeace nennt sie "einen Klimakiller". Kaum ein Kleidungsstück steht so sehr für das rasante Wachstum von Fast Fashion wie Turnschuhe, berichtet die „Zeit“.

Nike hat sich deswegen der Nachhaltigkeit verschrieben und ein großes Recyclingprogramm gestartet. Getragene Turnschuhe kann man an den Sportwarenhersteller zurücksenden. Dort sollen sie nach Angaben von Nike recycelt werden. Die Redakteure der Hamburger Wochenzeitung haben dies getan – und einen Tracker im Schuh versteckt. Die Sneaker landeten in einer Schredder-Anlage in Belgien. Dort wurden sie nicht recycelt, sondern vernichtet. Das Kuriose: In der Anlage waren fast nur neue Sneaker, die vom Schredder zerstückelt wurden, berichtet die "Zeit".

Auf Anfrage der Redakteure vor Ort bestätigte der Werksleiter, dass dort fast ausschließlich Nike-Ware vernichtet werde, die neu sei. Zwischen Angaben des Weltkonzerns zu den Recycling-Maßnahmen und Nachhaltigkeit auf der einen und den Maßnahmen in der Realität auf der anderen Seite klafft eine große Lücke. In Fachkreisen bezeichnet man Nikes vorgehen als „Greenwashing“.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums spricht gegenüber der "Zeit" zu den Vorgängen bei Nike von einem möglichen "Verstoß gegen die Abfallhierarchie, wie sie im Kreislaufwirtschaftsgesetz festgestellt ist". Was heißt das? "Gemäß der Abfallhierarchie hat die Abfallvermeidung oberste Priorität und Vorrang vor allen anderen Entsorgungsmaßnahmen wie beispielsweise Recycling." Die zuständige Landesbehörde müsse tätig werden, es drohe ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro.

Auf Anfrage der „Zeit“ antwortet eine Nike-Sprecherin: Neben gebrauchten Schuhen "senden wir auch getragene Testmuster, defekte Produkte, gefälschte Produkte, Verkaufsmuster und andere Schuhe (...) an Nike Grind." Sie gibt zu, dass auch Retouren, "die Anzeichen von einer möglichen Beschädigung oder Gebrauchsspuren aufweisen", recycelt werden. Indem der Konzern lediglich von "Anzeichen" spricht, öffnet er einen weiten Interpretationsspielraum. Die Sprecherin schreibt weiter: "Ungetragene und makellose Artikel werden zum Wiederverkauf in die Regale zurückgestellt." Der Konzern bestreitet also, dass neue, makellose Schuhe vernichtet werden – das ist aber genau das, was wir in der Halle beobachtet haben.

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