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Warum ich niemals Alibaba-Aktien kaufen werde

Leo Sun, The Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 5 Min.

Früher hielt ich Alibaba (WKN: A117ME) für einen unterbewerteten Wachstumswert. Das Unternehmen wird immer noch zum 21-Fachen des voraussichtlichen Gewinns gehandelt. Analysten erwarten, dass Umsatz und Gewinn in diesem Jahr um 50 % bzw. 37 % steigen werden. Und die Position als Marktführer in Chinas E-Commerce- und Cloud-Märkten sorgt für eine Position der Stärke.

Aber nachdem ich mir Alibaba noch einmal genau angeschaut habe, glaube ich, dass ich diese scheinbar attraktive chinesische Tech-Aktie niemals kaufen werde. Und zwar aus drei einfachen Gründen.

1. Steigende Abhängigkeit von Geschäften mit niedrigeren Margen

Alibaba ähnelt einer umgekehrten Version von Amazon (WKN: 906866). Während Amazon das Wachstum seines margenschwächeren Einzelhandelssegments mit seinem margenstärkeren Cloud-Geschäft subventioniert, subventioniert Alibaba das Wachstum seiner unprofitablen Geschäftsbereiche (einschließlich seiner Cloud-Sparte) mit seinen margenstärkeren „Core-Commerce“-Einnahmen.

Daher hängt das zukünftige Ertragswachstum von Alibaba stark von seinem Kern-Commerce-Segment ab. Dazu gehören die Onlinemarktplätze, die Marktplätze für ausländische Kunden, der stationäre Einzelhandel und die Logistikeinheit Cainiao.

Das Kern-Commerce-Geschäft von Alibaba wächst immer noch solide. Im Geschäftsjahr 2020, das im vergangenen März endete, stieg der Umsatz im Kerngeschäft um 35 % und machte 86 % des Umsatzes aus. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2021 stieg der Umsatz des Segments um weitere 32 % im Vergleich zum Vorjahr.

Allerdings verlässt sich das Unternehmen auch stärker auf sein „New Retail“-Geschäft und Cainiao, um sein Wachstum voranzutreiben. Diese Geschäftsbereiche generieren allesamt margenschwächere Umsätze als die Kernmarktplätze Taobao und Tmall. Die verlangen von den Händlern Listungsgebühren und Provisionen.

Daher sank die bereinigte EBITA-Marge des Kern-Commerce-Segments zwischen dem zweiten Quartal 2020 und 2021 von 38 % auf 35 %. Die gesamte bereinigte EBITA-Marge konnte dank geringerer Verluste in den unprofitablen Geschäftsbereichen bei 27 % gehalten werden. Doch das könnte in naher Zukunft leicht kippen.

2. Endlose regulatorische Herausforderungen

Eine scheinbar endlose Flut von regulatorischen Herausforderungen in den USA und China könnte Alibaba das Wachstum noch schwieriger machen.

Im Dezember letzten Jahres verabschiedeten die USA ein Gesetz, das ausländische Unternehmen von der Börse nehmen würde, wenn sie drei Jahre in Folge die neuen Audit-Anforderungen nicht erfüllten. Alibabas Zweitlistung in Hongkong Ende 2019 deutet darauf hin, dass seine Tage an der NYSE gezählt sein könnten.

Taobao steht auch weiterhin auf der schwarzen Liste des US-Handelsbeauftragten „Notorious Markets for Counterfeiting and Piracy“ (Berüchtigte Märkte für Fälschungen und Piraterie). Denn dort sind gefälschte Produkte weit verbreitet. Das könnte Sanktionen gegen Marktplätze für ausländische Kunden auslösen.

In China wollen die staatlichen Regulierungsbehörden Alibaba stark in die Schranken weisen. Im Jahr 2019 schickte die Regierung Beamte zu Dutzenden von Unternehmen, darunter auch Alibaba, um deren Geschäfte zu überwachen. Letztes Jahr verlangte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei von allen Unternehmen, eine bestimmte Anzahl von registrierten Mitgliedern der Partei einzustellen.

Dann kam der Hammer: Der lang erwartete Börsengang der Fintech-Tochter Ant Group wurde gestoppt, Alibaba wegen einer nicht genehmigten Übernahme mit einer Geldstrafe belegt und eine umfassende kartellrechtliche Untersuchung der E-Commerce-Aktivitäten eingeleitet.

Berichten zufolge wollen die Regulierungsbehörden, dass Alibaba seine exklusiven Deals mit Händlern beendet und seine Preisstrategien für Werbeaktionen drosselt. Das könnte es für den Hauptprofitmotor des Unternehmens schwieriger machen könnte, am Laufen zu bleiben. Dies würde Alibaba auch dem Wettbewerb mit JD.com und Pinduoduo aussetzen, die beide Alibaba zuvor wettbewerbsfeindliche Strategien vorgeworfen haben.

3. Ethische Überlegungen

Im Jahr 2017 erklärte die chinesische Regierung, dass sich das Land bei der Entwicklung von Smart Cities auf Alibaba, bei der digitalen Gesundheitsversorgung auf Tencent (WKN:A1138D) und bei fahrerlosen Autos auf Baidu (WKN: A0F5DE) verlassen würde.

Der Begriff „Smart Cities“ mag vage erscheinen, aber er bezieht sich auf Alibabas Cloud-Dienste und Gesichtserkennungstechnologien. Die chinesische Regierung verlässt sich stark auf diese Technologien, um ihre Bürger zu überwachen. Diese Technologien sind eng mit einer Regierungsdatenbank verknüpft.

Das ist schon beunruhigend, aber Alibaba hat kürzlich gezeigt, wie seine Technologien genutzt werden könnten, um die Gesichter von Uiguren und anderen ethnischen Minderheiten in China zu identifizieren. Alibaba behauptet, dass die Funktion in Webseiten eingebettet werden kann, um Benutzer hinsichtlich Terrorismus, Pornografie und andere „red flags“ zu überwachen.

Chinas Menschenrechtsbilanz ist ohnehin schon düster. Angeblich inhaftiert und sterilisiert man Uiguren in Umerziehungslagern. Das könnte Alibaba auch zu einem leichten Ziel für Sanktionen machen, wenn die US-Regierung die härtere Gangart der Trump-Administration gegen chinesische Tech-Unternehmen beibehält. Daher meide ich Alibaba aus denselben ethischen Gründen, aus denen ich kürzlich Tencent verkauft habe: Ich will einfach nichts mit Chinas Massenüberwachungssystem zu tun haben.

Das Fazit

Ich verstehe, warum Alibaba für viele Investoren immer noch wie ein attraktiver Aktienkauf aussieht. Die Aktie könnte in Zukunft sicherlich noch höher klettern. Allerdings gibt es einfach noch zu viele regulatorische, wachstumsbezogene und ethische Herausforderungen, als dass ich die Aktie als lohnendes langfristiges Investment betrachten würde.

The post Warum ich niemals Alibaba-Aktien kaufen werde appeared first on The Motley Fool Deutschland.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd., Amazon, Baidu, JD.com und Tencent Holdings. Leo Sun besitzt Aktien von Amazon, Baidu und JD.com. Dieser Artikel erschien am 3.2.2021 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2021