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"Nicht so gut": Die wohl ehrlichste Speisekarte der Welt gibt es in Montreal

Antonie Hänel
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Ein chinesisches Restaurant in Montreal ist zum Besuchermagneten geworden, nachdem ein Tweet über die ausgefallene Speisekarte viral gegangen ist. In der beschreibt der Inhaber des Restaurants jedes einzelne Gericht nach bestem Wissen und Gewissen – selbst, wenn er kein Fan davon ist.

Gebratenes Gemüse, chinesisch zubereitet (Bild: Getty Images)
Gebratenes Gemüse, chinesisch zubereitet (Bild: Getty Images)

“Am General Tao Hühnchen gemessen ist dieses hier nicht so gut. Irgendwie bin ich aber auch kein Fan von nordamerikanischem chinesischen Essen. Ihre Entscheidung.” Diese Beschreibung eines Gerichts stammt nicht etwa von einem unzufriedenen Gast. Der Besitzer des chinesischen Restaurants Aunt Dai im kanadischen Montreal hat das in seinem Restaurant angebotene Orangen Beef selbst so beschrieben. In der Speisekarte.

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Diese gibt nicht nur Aufschluss darüber, welche Gerichte besonders scharf sind oder sich zum Liefern eignen beziehungsweise nicht. Sie gibt auch die Gedanken des Chefs zu den einzelnen Speisen preis und zwar gnadenlos ehrlich. “Ich weiß nicht warum, aber Hähnchen mit Erdnusssoße wird von vielen unserer Kunden gemocht”, heißt es etwa zu einem wohl sehr beliebten Gericht.

Die Kunden sollen wissen, worauf sie sich einlassen

Vor einem anderen warnt er: “Das ist ein sehr spezielles Gericht, das von einigen gemocht wird und von mehreren nicht. […] Manch ein abenteuerfreudiger Kunde hat seinen vollen Teller stehen lassen wegen der merkwürdigen Konsistenz.” In einem Interview mit dem “Guardian” erklärte der Inhaber, ein vor 14 Jahren eingewanderter IT-Techniker, dass es ihn am Anfang schwer enttäuscht hatte, wenn seine Gäste etwas zurückgeben ließen, weil sie nicht gewusst hatten, auf was sie sich einließen. Das sollte mit der Karte nicht mehr passieren.

Der Kunde erfährt so auch die ein oder andere Hintergrundgeschichte zu den Gerichten, wie etwa die des ehemaligen“ Sichuan Black Pepper“: “Fallen Sie nicht auf den Namen rein, das ist kein authentisches chinesisches Essen. Wirklich geschehen: Ein Kunde ist richtig sauer geworden, weil es nicht Chinesisch ist und er zuvor in Sichuan war. Notiz: Wir haben das ‘Sichuan’ aus dem Namen entfernt, um weitere Verwirrung zu vermeiden.”

Manchmal teilt der Inhaber auch private Geschichte zu den Gerichten. Wie etwa bei dem Menüpunkt “Sichuan Pfeffer Hähnchen Salat”, der seinen Namen wirklich verdient hat. Demnach stammt das geheime Rezept dazu von einem langjährigen Bekannten aus Sichuan, der es ihm als Freundschaftsdienst überlassen hat, nachdem sein erstes Restaurant abgebrannt war. “Er zeigte es mir Schritt für Schritt. Seitdem nenne ich ihn Shifu wie in Kung Fu Panda.” Bei manch anderen Gerichten erzählt er, dass er sie aus privaten Gründen nicht für die beste Version hält: “Es ist auch lecker, es schmeckt nur anders als damals, als ich zur Uni ging.“

Kunden, die Holzspieße essen

Zum Beef in Sate Sauce erklärt er: “Das ist neu auf unserer Speisekarte, ich hatte noch keine Chance, es selbst zu probieren. […] Anscheinend sollte ich öfter in meinem eigenen Restaurant essen.“ Und über das Fleisch mit Kreuzkümmel gibt es auch eine Anekdote: “Wir haben die Fleischstücke auf kleinen Spießchen gereicht, aber einige Kunden haben sich damit die Lippen zerschnitten, weil sie dachten, es wäre eine harte Zutat. (Sie müssen irgendwelche Shows über merkwürdiges chinesisches Essen gesehen haben).” Die Spieße hätten sie aus Sicherheitsgründen mittlerweile abgeschafft.

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Zu manchen Gerichten gibt es auch eine kundenfreundliche Warnung: Zum Beispiel solle man das Geschmorte Pork Belly mit Süßkartoffelnudeln besser nicht zu oft bestellen: “Sie werden nicht mehr aufhören können, wenn Sie einmal angefangen haben. Der einzige Grund, warum ich versuche, mich von diesem Essen fernzuhalten.”

Ob es nun an den detaillierten und authentischen Beschreibungen des Restaurant-Inhabers oder an den Gerichten liegt: Bei den Rezensionen der Gäste etwa auf Google Maps wird das Essen in den höchsten Tönen gelobt – oftmals noch mehr als vom Besitzer selbst – und auch der kanadische Nachrichtensender CTV hatte das Aunt Dai bereits zur besten chinesischen Küche Montreals gekürt.

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