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Newton reißt die Patriots in die Tiefe

Eric Böhm
·Lesedauer: 4 Min.

Das Leben ohne Tom Brady ist nicht leicht.

Während die Quarterback-Legende drauf und dran ist, die Tampa Bay Buccaneers zum Titelkandidaten zu machen, haben die New England Patriots an seinem Abschied schwerer zu knabbern, als ihnen lieb ist und viele Experten prognostiziert hatten.

Noch schlimmer: die dritte Niederlage in Folge fügte den erfolgsverwöhnten Patriots mit Jimmy Garoppolo der Mann zu, der einst eigentlich als Bradys Thronfolger vorgesehen war.

Allerdings wurde er 2017 nach San Francisco eingetauscht - auch um Brady zu stützen und gegen den Willen von Coach Bill Belichick - in der vergangenen Saison führte Garoppolo die 49ers bereits in den Super Bowl.

Flitterwochen Newton und Patriots vorbei

Dagegen sind in New England die Flitterwochen mit Cam Newton endgültig vorbei. Zu Saisonbeginn für den Billig-Deal mit dem ehemaligen MVP gefeiert, treten nun seine Limitierungen im Passspiel immer mehr zu trage.

Nach drei Interceptions und keinem Touchdown wurde er gegen die 49ers sogar vorzeitig ausgewechselt, er ist der erste Patriot seit Drew Bledsoe (1995) mit aufeinanderfolgenden Spielen ohne Touchdown aber mit mehr als einer Interception.

Einen ähnlich schlechten Auftritt wie Newton gab es von einem Patriots-Spielmacher sogar zum letzten Mal 1983.

Horror-Zahlen - Cam selbstkritisch

Unter Bill Belichick verloren die Patriots vor dem Debakel nur dreimal mit mehr als 20 Punkten im heimischen Stadion - zweimal passierte das 2008 als Brady an einem Kreuzbandriss laborierte.

Zum ersten Mal seit 2002 vergeigten die Pats drei Spiele in Folge. In der ersten Hälfte hatten sie überhaupt nur für 16 Spielzüge den Ball, auch das gab es unter Belichick noch nie.

"Ich muss abliefern. Das habe ich nicht getan. Ich darf mich jetzt nicht bemitleiden. Ich weiß, wo das Problem liegt und muss das anpacken", sagte Newton bei Lokalsender NBC Boston.

Physisch kein Superman mehr

Trotz seiner seit Sonntag 30.000 Passyards war Newton auch in seiner Glanzzeit nie ein herausragender reiner Werfer wie Brady. Nur einmal schaffte er in seiner Karriere 4.000 Passyards oder 24 Touchdown-Pässe in einer Saison, nur zweimal brachte er mehr als 60 Prozent seiner Würfe an den Mann.

Newton lebte immer auch von seiner Gefährlichkeit als Läufer und seinem kraftvollen Wurfarm, so konnte er Fehler in der Genauigkeit immer ausbügeln und Abwehrreihen dominieren.

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Durch seine langwierigen Fuß- und Schulterprobleme ist der inzwischen 31-Jährige aber physisch nicht mehr so stark, auch wenn der einstige "Superman" das bestreitet.

Die operierte Schulter fühle sich "gut" an, die Resultate und der Live-Eindruck sagen etwas anderes. Dabei ist Newton jedoch keinesfalls das einzige Problem.

Schon Brady litt unter fehlendem Talent

Auch Brady litt in den vergangenen Jahren unter dem Fehlen von talentierten Passfängern. Lange Jahre wurde sich auf Julian Edelman und Rob Gronkowski verlassen.

Im Draft oder in der Free Agency wurde jedoch reihenweise danebengegriffen und kein neues Talent entwickelt. Newton war in Carolina immer stark mit großen, physischen Receivern wie Kelvin Benjamin, Devin Funchess oder Tight End Greg Olsen.

Genau auf diesen Positionen fehlt den Pats aber nennenswertes Personal. Auf Timing und Präzision ausgelegte Würfe auf Slot-Receiver Edelman oder Running Back James White sind dagegen nicht Newtons Stärke - zudem können sich NFL-Verteidiger schnell darauf einstellen, wenn so gar keine Gefahr für lange Pässe über außen besteht.

Nicht zuletzt deshalb kämpfte Brady letztlich vergeblich um die Problemfälle Antonio Brown und Josh Gordon, denn auch für ihn war dies die Achillesferse. Bei den Bucs zeigt er mit besseren Anlaufstellen, dass er seine alte Klasse immer noch hat.

McDaniels kann Newtons Schwächen nicht kaschieren

Aber so reißt Newton die Patriots immer weiter in die Tiefe, denn Offensiv-Guru Josh McDaniels schafft es seit dem ordentlichen Saisonstart nicht mehr, Newtons Stärken zu betonen und seine Schwächen zu kaschieren - dafür fehlen schlicht die Waffen. Das wäre auch mit den Backups Jarrett Stidham und Brian Hoyer das Problem.

Kein Team hat weniger Touchdown-Pässe auf dem Konto (3), ein einziger gelang auf einen Receiver - bei acht Interceptions. Die Pats-Receiver sind beim Freilaufen (Separation per Catch) die mit Abstand Schwächsten der Liga, einen auch nur durchschnittlichen Tight End gibt es nicht. Die Balance zum durchaus guten Laufspiel fehlt.

"Ich setze mich zu sehr unter Druck. Mir fehlt die Energie. Ich liebe dieses Spiel, aber du findest keine Erfüllung, wenn dir deine gewohnte Aura fehlt. Die Leistungen hier sind einfach nicht erfreulich", hadert Newton.

Eins ist in den vergangenen Wochen klar geworden: Newton kann ein Team nicht mehr im Alleingang tragen. Er braucht Hilfe von dem seit Jahren zurecht hochgelobten Trainerstab oder Zugänge zur Trade-Deadline. Ansonsten wird es für die Patriots eine verdammt lange Saison.