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Neuer Siemens-Boss Roland Busch bei Salesforce: Wie er sich präsentiert hat

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 5 Min.
Roland Busch
Roland Busch

Während Joe Kaeser schrittweise das Zepter abgibt, übernimmt Roland Busch immer mehr Verantwortung an der Spitze von Siemens (WKN: 723610). Wer ist dieser Mann und was hat er vor?

Das Top-Management von Salesforce.com (WKN: A0B87V) veranstaltet regelmäßig Gespräche mit führenden Köpfen der Weltwirtschaft. Für Busch war es eine Gelegenheit, sich einem zukunftsorientierten Publikum zu präsentieren. Hier sind einige Eindrücke, die nicht nur Siemens-Aktionären einen Vorgeschmack auf die Ära Busch geben.

Diese Werte will Busch der Siemens-Organisation einimpfen

Der Salesforce-Präsident interessierte sich für die Unternehmenswerte, die Busch besonders wichtig sind (eigentlich fragte er nach seinen „persönlichen Werten“, aber Busch interpretierte es so). Da die Werte typischerweise die Mission und Vision unterfüttern, könnte die Antwort aufschlussreich sein. Er wählte Collaboration, Openness und Empowerment.

Collaboration

Collaboration, also die Zusammenarbeit, versteht Busch primär als die enge Kooperation mit Partnerunternehmen und -institutionen. In einer immer komplexeren Welt müsse man Ökosysteme schaffen und Kompetenzen zusammenführen. Auch die Kunden will er noch stärker als Partner in die Lösungsentwicklung einbinden.

Openness

Eng damit verbunden ist Openness. Zwar sei Siemens seit vielen Jahrzehnten forschungsstark und innovativ, aber die Herausforderungen einer sich schnell wandelnden Welt mit einem alles beeinflussenden Digitalisierungstrend und immer kürzeren Produktlebenszyklen würden erfordern, dass man offen für neue Lösungen ist und die Bereitschaft mitbringt, kontinuierlich Neues zu lernen.

Neben der Offenheit für externen Input, die beim Stichwort Collaboration bereits durchscheint, geht es hier also eher um eine flexible und neugierige Geisteshaltung der Mitarbeiter.

Empowerment

Der dritte Wert ist für Busch der Wichtigste der drei. Empowerment bedeutet für ihn nicht nur die Befähigung, Dinge zu schaffen, sondern auch das Vertrauen des Managements, dass Mitarbeiter bessere Ergebnisse abliefern, wenn man sie eigenständig auf ein Ziel hinarbeiten lässt.

Teams würden dann „mehr als 100 %“ leisten. Für manche Manager sei es gelegentlich schwierig, sich zurückzunehmen, doch das sei genau das, was er einfordern werde.

Das hat Busch aus der Coronakrise gelernt

Jetzt in der Coronakrise habe er auch konkret erlebt, dass das Prinzip Empowerment bei Siemens funktioniere. Man habe sehr starke regionale Managementstrukturen, die angesichts der eingeschränkten Reisemöglichkeiten autonomer als sonst agieren durften. Und es habe hervorragend Resultate gezeigt.

Siemens sei es auf diese Weise auch gelungen, seine Ressourcen von schwächelnden Branchen wie der Luftfahrtindustrie in starke Sektoren wie die Lebensmittelindustrie oder Logistik umzuleiten.

Zudem stellte die Krise eine ausgezeichnete Gelegenheit dar, um potenzielle Kunden für die digitalen Lösungen von Siemens zu interessieren, von der Produktpräsentation per digitalem Zwilling über die Fernwartung von Gebäuden bis zum Arbeitsplatzmanagement. „Technologie kann wirklich einen Unterschied machen“, so die klare Erkenntnis.

Daneben seien viele Kunden in der Fertigungsindustrie alarmiert, weil Lieferketten sich in dieser Krise als unzuverlässig herausgestellt haben. Nun würden Lösungen gesucht, um Wertschöpfung zurückzuverlagern, ohne die Kosten nach oben zu treiben. Davon wolle Siemens mit seinen Industrie-4.0-Lösungen profitieren.

Wie Salesforce und Siemens die Zukunft der Arbeit organisieren wollen

Ein gutes Beispiel für die Collaboration und Openness ist die seit Juni laufende Kooperation mit Salesforce, die in diesem Gespräch natürlich angesprochen werden musste.

Dabei geht es darum, dass die Amerikaner mit Workplace.com bereits eine etablierte Software für die Unterstützung von Mitarbeitern anbieten, während Siemens über zwei Zukäufe – Enlighted, die vernetzte Sensorik für das Gebäudemanagement entwickelt, und Comfy, eine App für eine bessere Arbeitsplatzerfahrung – komplementäre Technologie einbringt.

Mit der Lösung soll es möglich sein, komplexere Arbeitszeitmodelle – zum Beispiel jeweils zwei bis drei Tage Homeoffice und Büro – effizient umzusetzen. Das braucht Siemens für sich selbst und die beiden Unternehmen hoffen, dass sie damit auch eine gut vermarktbare Lösung für Kunden schaffen.

Sehen ist besser als lesen

In letzter Zeit wird in der Presse breit über das angebliche Machtduell mit Joe Kaeser diskutiert und man kann auch viel über den Lebenslauf von Roland Busch lesen. Doch einen wirklichen Eindruck vom neuen Boss kann man sich erst verschaffen, wenn man ihn live – oder zumindest im Video – sieht.

Ein Unterschied zu seinem Vorgänger ist dadurch sofort erkennbar. Während Kaesers Formulierungen immer etwas kantig wirken, drückt sich Busch auch in Englisch meist vergleichsweise geschliffen aus.

Wichtiger ist jedoch, wie er Siemens weiterzuentwickeln gedenkt. Die Ära Kaeser hinterlässt einen umgebauten Siemenskonzern, der aus vielen Teilen mit unterschiedlichem Autonomiegrad besteht. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die Digitalisierung heute einen enorm hohen Stellenwert besitzt.

Die Schnelllebigkeit der digitalen Welt ist durchaus ein Risiko für einen Konzern, der traditionell für die Lieferung von tonnenschweren Transformatoren, Turbinen und Zügen bekannt ist. Doch Busch setzt aus meiner Sicht die richtigen Akzente, um sicherzustellen, dass Siemens dabei nicht zurückfällt und seine Potenziale konsequent nutzt. Dennoch muss sich über die nächsten Quartale noch beweisen, dass seine Mannschaft auch entsprechend mitzieht.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Salesforce.com.

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