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Politik-Newcomer wird Perus Regierungschef und Ex-Guerillero Außenminister

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Perus neuer Präsident Pedro Castillo hat einen Tag nach seiner Vereidigung einen Politik-Newcomer sowie einen ehemaligen Guerilla-Kämpfer auf zentrale Posten in seiner Regierung berufen. Bei einer Zeremonie in der Andenregion Ayacucho legte der gelernte Elektroingenieur Guido Bellido, der vor sechs Tagen erstmals ins Parlament eingezogen war, am Donnerstag seinen Amtseid als Ministerpräsident ab. Seine Ernennung sorgte für Aufregung: Gegen Bellido wird wegen "Rechtfertigung von Terrorismus" ermittelt.

Nach der Vereidigungszeremonie für den 41-jährigen Bellido an einem Denkmal für die peruanische Unabhängigkeit in Ayacucho vereidigte Castillo in Hauptstadt Lima 16 weitere Kabinettsmitglieder. Neuer Außenminister ist der 85-jährige frühere Guerillakämpfer Héctor Béjar. Der promovierte Soziologe und Buchautor war in den sechziger Jahren Gründer der von der kubanischen Revolution inspirierten Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN). 1966 wurde Béjar verhaftet, er verbrachte fünf Jahre im Gefängnis.

In dem Kabinett des linksgerichteten Staatschefs sind zwei wichtige Posten noch unbesetzt: Noch nicht verkündet hat Castillo seine Wahl für das Finanz- und das Justizministerium. Der neuen Regierung gehören bisher nur zwei Frauen an, darunter die Vizepräsidentin Dina Boluarte.

Bei seiner Vereidigung versicherte der neue Regierungschef Bellido, die Interessen aller Peruaner vertreten und den Kampf gegen die Korruption vorantreiben zu wollen. Bellido gehört wie Castillo der marxistisch-leninistischen Partei Perú Libre an. Ein öffentliches Amt hatte er vor seinem Einzug ins Parlament nicht inne. Wie der Präsident stammt Bellido aus bäuerlichen Verhältnissen.

Peruanischen Medienberichten zufolge hatte die Staatsanwaltschaft wegen eines von Bellido im April gegebenen Interviews Ermittlungen wegen "Rechtfertigung von Terrorismus" eingeleitet. Ihm wird demnach vorgeworfen, die maoistische Guerillaorganisation Leuchtender Pfad verteidigt zu haben. Als Abgeordneter genießt Bellido allerdings Immunität.

Der Leuchtende Pfad hatte in den achtziger und frühen neunziger Jahren einen Guerillakrieg gegen die Regierung in Lima geführt. 70.000 Menschen wurden getötet, knapp die Hälfte dieser Todesfälle geht laut einer Untersuchungskommission auf das Konto der Maoisten.

Auch Castillo war von politischen Gegnern wiederholt Nähe zu der als "Terrororganisation" eingestuften Gruppierung unterstellt worden. Der Präsident weist dies zurück: Vielmehr habe er selbst als Mitglied einer bäuerlichen Bürgerwehr gegen die Maoisten gekämpft.

Zu der Zeremonie in Ayacucho waren die Präsidenten Alberto Fernández aus Argentinien, Sebastián Piñera aus Chile und Luis Arce aus Bolivien angereist. Zudem war der bolivianische Ex-Präsident Evo Morales gekommen.

Castillo hatte sich bei der Präsidentschaftswahl nur äußerst knapp gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori durchgesetzt. Erst am 19. Juli und damit sechs Wochen nach der Wahl erklärte die Wahlkommission ihn zum Sieger. Fujimori hatte nach der Abstimmung Vorwürfe des Wahlbetrugs erhoben und die Prüfung und Neuauszählung tausender Stimmen beantragt. Sie legte jedoch keine stichhaltigen Belege für Betrug vor.

fwe/dja

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