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Neuer „Pancoronavirus-Impfstoff“: Er könnte sogar vor Coronaviren schützen, die noch nicht auf den Menschen übergesprungen sind

·Lesedauer: 5 Min.

Die aktuellen Corona-Impfstoffe wurden entwickelt, um Menschen vor einem ganz bestimmten Coronavirus zu schützen: vor Sars-CoV-2, dem Virus, das für diese Pandemie verantwortlich ist. Aber die Familie der Coronaviren ist groß – und viele Forscher glauben, dass ein zukünftiger Impfstoff einen weitaus breiteren Schutz bieten könnte.

Ein Team am Duke Human Vaccine Institute in North Carolina, USA, hat einen „Pancoronavirus-Impfstoff“ entwickelt, der gegen mehrere Coronaviren der Sars-Familie schützen könnte. Dazu gehören Sars-CoV-2 sowie das Virus, das die meisten Menschen als Sars kennen — Sars-CoV-1 — und das im Jahr 2003 ausgebrochen ist. In einer Studie im renommierten Fachmagazin "Nature" stellten die Forschenden fest, dass der Impfstoffkandidat des Duke-Teams Rhesusaffen vor dem neuen Coronavirus einschließlich seiner bedenklichsten Varianten schützte. Doch nicht nur das: Er schützte außerdem vor Sars und anderen Sars-verwandten Viren, die in Fledermäusen zirkulieren und noch nicht auf den Menschen übergesprungen sind. Das ist ein Indikator — wenn auch keine Garantie —, dass der Impfstoff auch bei Menschen funktionieren könnte.

„Man hätte Schutz gegen die Varianten, die derzeit zirkulieren, aber auch gegen jede Art von neuen Sars-verwandten Viren, die Sars-CoV-1 oder Sars-CoV-2 ähnlich sind und von der Fledermausart stammen könnten“, sagte Kevin Saunders, der Forschungsdirektor des Instituts. Das Team hofft, einen Pancoronavirus-Impfstoff zu entwickeln, der das Ende aller Coronavirus-Pandemien bedeuten könnte. „Wenn man sich die Geschichte anschaut, gab es etwa alle acht bis neun Jahre Ausbrüche von Coronaviren“, sagte Saunders. „Worauf wir jetzt alle hinarbeiten, ist herauszufinden: Können wir einen Impfstoff entwickeln, der uns vor dem nächsten Coronavirus-Ausbruch schützen würde?“

Bei einem Briefing im Weißen Haus in der vergangenen Woche sagte Dr. Anthony Fauci, Direktor des US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases, die Forschung sei „ein extrem wichtiger Machbarkeitsnachweis, den wir aggressiv verfolgen werden, wenn wir in die Entwicklung von Studien am Menschen einsteigen.“ Saunders sagte, dass das Duke-Team hofft, so schnell wie möglich mit klinischen Studien beginnen zu können — in 18 bis 30 Monaten. Auch andere Forschungsteams arbeiten an ähnlichen Impfungen: Mehr als zwei Dutzend Pancoronavirus-Impfstoffprojekte laufen derzeit, berichtete das Magazin Science im April.

Die Impfung schützte Affen vor mehreren besorgniserregenden Varianten

Die aktuellen Covid-19-Impfstoffe scheinen gegen neuere Varianten wirksam zu sein, wenn auch nicht im gleichen Maße wie gegen das ursprüngliche Virus. Die Forschung hat zum Beispiel herausgefunden, dass die vorhandenen Impfstoffe möglicherweise weniger gegen die Stämme B.1.351 und P.1, die zuerst in Südafrika beziehungsweise Brasilien identifiziert wurden, schützen als gegen den ursprünglichen Coronavirus-Stamm oder B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien identifizierte Variante. Saunders sagte, der Pancoronavirus-Impfstoff seines Teams scheine eine stärkere Antikörperreaktion auf alle diese Varianten zu erzeugen als die bisherigen Impfstoffe.

Die Forscher testeten dies, indem sie ihr Vakzin mit einem mRNA-Impfstoff verglichen, der denen von Biontech/Pfizer und Moderna ähnelte. Der mRNA-Impfstoff erzeugte eine sechsfach schwächere Antikörperreaktion gegen die B.1.351-Variante und eine zehnfach schwächere Antikörperreaktion gegen P.1 als gegen den ursprünglichen Stamm. Aber der Pancoronavirus-Impfstoff erzeugte nur eine dreifach schwächere Antikörperreaktion gegen diese Varianten.

„Der Schlüssel hierbei war, dass man mit wirklich potenten Antikörperantworten beginnt und diese dann nur wenig abfallen, wenn sie mit einer der Varianten in Kontakt kommen — verglichen mit einem mRNA-Impfstoff, der niedriger beginnt und dann noch stärker abfällt, wenn er versucht, eine der Varianten zu neutralisieren oder zu blockieren“, sagte Saunders. Es ist allerdings noch nicht klar, wie der Pancoronavirus-Impfstoff im Vergleich zu den von Biontech/Pfizer und Moderna entwickelten Auffrischungsimpfungen abschneiden würde.

Der neue Impfstoffkandidat basiert auf einer anderen Technologie als diese Impfungen. Beide mRNA-Impfstoffe veranlassen den Körper, das Spike-Protein des Coronavirus zu produzieren, das dem Virus hilft, sich an Zellen anzuheften und in sie einzudringen. Das wiederum veranlasst das Immunsystem, Antikörper zu produzieren, um dieses Protein zu neutralisieren. Auf diese Weise kann unser Körper das Virus erkennen und abwehren, wenn wir ihm jemals im wirklichen Leben begegnen.

Der Pancoronavirus-Impfstoffkandidat hingegen injiziert ein Fragment des Spike-Proteins — eines, das dem Virus beim Eindringen in die Zellen hilft — in den Körper. „Der Grundgedanke war, dass man, wenn man eine Immunantwort gegen dieses Schlüsselteil des Virus erzeugen könnte, schützende Antworten hätte, die das Virus daran hindern, in Zellen einzudringen und sich zu vermehren“, sagte Saunders.

Verhindern, dass das Coronavirus wie eine Grippe wird

Wissenschaftler sagen voraus, dass wir Covid-19 nie ganz loswerden werden. Nicht jeder wird sich für eine Impfung entscheiden – und in einigen Ländern könnte es Jahre dauern, bis die Impfungen verteilt werden. „Im Moment geht man davon aus, dass sich das Virus in so vielen Teilen der Welt ausgebreitet hat, dass es immer ein geringeres Maß an endemischer Infektion geben wird“, sagte Saunders.

Solange sich das Virus ausbreitet, kann es allerdings mutieren, was wiederum regelmäßige Auffrischungsimpfungen erforderlich machen würde. Die saisonale Grippe (ein Abkömmling der spanischen Grippe-Pandemie von 1918) ist dafür ein gutes Beispiel: Grippeviren mutieren sehr schnell, sodass wir die Grippeimpfungen ständig aktualisieren müssen, um neue Stämme zu besiegen. Fast ein Jahr im Voraus müssen Wissenschaftler auswählen, gegen welche Grippestämme die Impfstoffe schützen sollen. Das kann dazu führen, dass die Impfungen manchmal nicht mit den am stärksten zirkulierenden Stämmen übereinstimmen. In einem guten Jahr sind Grippeschutzimpfungen zu etwa 60 Prozent wirksam — in einem schlechten Jahr vielleicht nur zu 20 Prozent.

Das Ziel eines Pancoronavirus-Impfstoffs ist es, „das Gegenteil von dem zu werden, was der Grippeimpfstoff derzeit ist“, sagte Saunders. „Es wäre keine saisonale Impfung“, fügte er hinzu. „Es wäre eine, bei der man — solange die schützende Immunität auf einem bestimmten Niveau bleibt — nicht zurückgehen und erneut geimpft werden müsste.“

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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