Suchen Sie eine neue Position?

Neuer Index belegt sinkenden Wohlstand trotz wachsender Wirtschaft

Frankfurt/Main (dapd). Der Wohlstand in Deutschland ist einer neuen Erhebungen zufolge seit 2000 zurückgegangen, obwohl die Wirtschaft in der gleichen Zeit wuchs. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vom Jahr 2000 bis 2010 preisbereinigt um rund fünf Prozent anstieg, sank der im Auftrag des Bundesumweltministeriums erarbeitete neue "Nationale Wohlfahrtsindex" (NWI) um vier Prozent, wie die "Frankfurter Rundschau" in ihrer Samstagausgabe berichtet.

Der neue Index soll die bisher übliche Messung des Wohlstands ergänzen. Nach altem Muster wird allein das BIP zugrunde gelegt. Der neue Index basiert auf der Entwicklung des privaten Verbrauchs und ergänzt diesen um drei Bereiche. So berücksichtigt der NWI Umweltschäden und Ressourcenverbrauch, zudem fließt der Wert von unbezahlter Arbeit ein, wie etwa die Arbeit im Haushalt. Als dritter Faktor kommt die Veränderung in der Einkommensverteilung hinzu. Eine Tendenz zu mehr Armut auf der einen und mehr Reichtum auf der anderen Seite, wie in den letzten Jahren verzeichnet, wird dabei negativ gewertet.

"Die NWI-Entwicklung belegt, dass ökonomische Entwicklung und Wohlfahrt zunehmend auseinanderlaufen", sagte der Heidelberger Ökonomieprofessor Hans Diefenbacher, der Miterfinder des neuen Index ist, der Zeitung. Er folgerte aus der Analyse, dass die traditionelle Messung der ökonomischen Entwicklung eines Landes mit dem BIP "einen illusionären Wohlstand vorspiegeln kann".

dapd