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Neue Zahlen zu Long Covid: 40 Prozent aller Infizierten klagen über Langzeitfolgen

·Lesedauer: 4 Min.

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen: Menschen, die moderat an Covid-19 erkranken, überstehen die Akutphase weitgehend unbeschadet – was bleibt, ist ein Gefühl der Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, Herzrasen oder Konzentrationsstörungen. Plagen diese und weitere Symptome Patienten noch Wochen nach ihrer Corona-Infektion, sprechen Mediziner von Long Covid. Treffen kann es jeden: Langzeitfolgen werden in allen Altersgruppen und unabhängig von Vorerkrankungen beobachtet.

Wie weit verbreitet Long Covid genau ist, dazu hat die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz neue Zahlen vorgelegt. Dafür haben die Forscher Daten von 10.250 Menschen im Alter von 25 bis 88 Jahren untersucht. Davon waren bis Juli 2021 rund 500 mit dem Coronavirus infiziert. Viele der Teilnehmer gaben bereits seit 2007 – also lange vor der Pandemie – regelmäßig Daten für eine umfassende Gesundheitsstudie ab. Ein Preprint oder eine Publikation der Untersuchung gibt es derzeit noch nicht.

Das Ergebnis der Mainzer Analyse: Rund 40 Prozent aller mit dem Coronavirus infizierten Teilnehmer litten noch sechs Monate nach ihrer Erkrankung unter den für Long Covid typischen Symptomen. Etwa ein Drittel hat bis heute nicht seine frühere Leistungsfähigkeit erreicht. Bei etwa 15 Prozent sind die Langzeitfolgen so stark ausgeprägt, dass die Betroffenen sich dauerhaft in ihrem Alltag eingeschränkt fühlen. Zwischen sechs und sieben Prozent klagen darüber, nicht mehr wie zuvor arbeiten zu können.

35 Prozent unwissentlich mit Corona infiziert

Was interessant ist: Etwa 35 Prozent der an Covid-19 Erkrankten wussten überhaupt nichts von ihrer Infektion. Sie erfuhren davon erst im Nachhinein durch einen Antikörpertest. Das wirkte sich aber nicht erheblich auf die Ergebnisse aus. Die Infizierten berichteten im gleichen Maße von für Long Covid typischen Symptomen – unabhängig davon, ob sie von der Erkrankung wussten oder nicht. Allerdings wiesen diejenigen, die wissentlich an Covid-19 erkrankten, häufiger spezifische Symptome auf, wie zum Beispiel Geruchs- und Geschmacksstörungen.

Die Daten zeigten zudem, dass Frauen rund 46 Prozent häufiger von Long Covid betroffen sind als Männer mit rund 35 Prozent. Ein Ergebnis, das laut Philipp Wild, dem Studienleiter, erstaunlich ist. Denn eigentlich seien Männer empfänglicher für das Virus und tendierten auch zu schwerwiegenderen Verläufen, sagte er der "Tagesschau". Deshalb müsse man das weiter untersuchen. Das Alter scheint hingegen kaum eine Rolle dafür zu spielen, ob jemand Langzeitfolgen entwickelt oder nicht. Eine gute Nachricht ist: Die Anzahl der für Long Covid typischen Symptome nimmt ab, je länger die Infektion zurückliegt.

Long Covid typische Symptome auch bei Nicht-Infizierten

Allerdings berichteten auch rund 40 Prozent der nicht-infizierten Menschen während der Pandemie über Symptome wie Abgeschlagenheit, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen – also Beschwerden, die auch mit Long Covid in Zusammenhang stehen. Ebenso unterschied sich die Anzahl derjenigen, die angaben, ihr Gesundheitszustand habe sich im Vergleich zu vor der Pandemie verschlechtert, nicht erheblich zwischen Infizierten (wissentlich 30 Prozent, unwissentlich 22 Prozent) und Nicht-Infizierten (22 Prozent).

Dennoch sei es falsch, daraus zu schließen, das Krankheitsbild Long Covid gebe es nicht, betonte der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin bei einer Pressekonferenz. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, wie wenig spezifisch das Krankheitsbild von Long Covid sei und wie groß der Forschungsbedarf. Der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin, Norbert Pfeiffer, sagte: „Das ist möglicherweise auch Ausdruck der Situation der Belastung.“

Deshalb soll es weitere Studien zu Long Covid geben. Dabei will man unter anderem untersuchen, ob es auch für Long Covid Risikofaktoren gibt und welche Behandlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben können. Mit den ersten Ergebnissen rechnen die Forscher im zweiten Quartal 2022.

Post-Covid-Syndrom in Leitlinie aufgenommen

Welchen Stellenwert Langzeitfolgen nach einer Infektion mit dem Coronavirus haben, zeigt auch die Aufnahme des Post-Covid-Syndroms in die Leitlinie „Neurologische Manifestation bei Covid-19“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Im August 2020 erschien die Erstveröffentlichung, nun wurde sie aktualisiert. Unter dem Post-Covid-Syndrom verstehen Mediziner ein spezielles Krankheitsbild, bei dem mehr als drei Monaten nach der Infektion häufig neurologische Symptome wie Gedächtnisstörungen, Fatigue, Riech- und Schmeckstörungen oder Kopfschmerzen bestehen.

Ebenso wie auch die anderen für Long Covid typischen Symptome treten diese unabhängig von der Schwere des Verlaufs einer Covid-Erkrankung auf. Woher die Beschwerden kommen, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Mehrere Hypothesen werden untersucht – beginnend mit fortbestehenden Entzündungsprozessen bis hin zu durch das Virus getriggerten und über das Immunsystem vermittelten Mechanismen.

Mit Material der DPA

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