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Neue Studie: Eine schwere Covid-19-Erkrankung verdoppelt das Risiko, innerhalb eines Jahres zu sterben – bei jungen Menschen ist das Risiko sogar noch höher

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Fast 180 Menschen verließen das Krankenhaus der Universität von Florida lebend, nachdem sie während der ersten Welle von Coronavirus-Infektionen in den USA mit schwerem COVID-19 eingeliefert worden waren. Doch innerhalb eines Jahres war mehr als die Hälfte dieser genesenen Patienten gestorben. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie von Forschenden der University of Florida hervor. Das Forschungsteam untersuchte mehr als 13.000 Patientenakten von Januar bis Juni letzten Jahres. Sie identifizierten 93 Patienten, die mit einer schweren COVID-19-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert wurden und zwischen einem und zwölf Monaten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus starben – ein Zeichen dafür, dass die langfristigen Komplikationen der Krankheit ihre Gesundheit weiterhin gefährdeten. Die Studie ergab, dass Erwachsene, die sich von einer schweren Corona-Erkrankung erholten, ein doppelt so hohes Risiko hatten wie Nichtinfizierte, innerhalb eines Jahres nach der Ansteckung zu sterben.

"Wenn Menschen an einer Infektionskrankheit erkranken, haben sie die Erkrankung oft für einen bestimmten Zeitraum. Dann ist die Episode zu Ende und die Infektion ist so gut wie verschwunden", sagte Arch Mainous, der Leiter der Studie. Aber Covid-19 sei anders, sagte er: "Nur weil man aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist es noch nicht vorbei." Jüngere Erwachsene hatten ein besonders hohes Risiko für langfristige Gesundheitsprobleme: Bei Corona-Patienten unter 65 Jahren, die zunächst aus dem Krankenhaus entlassen wurden, war die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres zu sterben, dreimal so hoch wie bei Nicht-Infizierten. Bei Erwachsenen über 65 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie schnell an COVID-19 sterben, sodass viele von ihnen die Genesungsphase gar nicht erreichen, so Mainous. Bei jüngeren Erwachsenen hingegen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie eine Erstinfektion überleben und dann monatelang, vielleicht sogar jahrelang, unter anhaltenden Symptomen leiden. "Das innere Trauma einer schweren Corona-Infektion ist bei diesen jungen Menschen noch stärker ausgeprägt", so Mainous.

Die Forschenden sind sich nicht sicher, warum die Patienten an langfristigen Komplikationen sterben, aber Mainous hat eine Theorie: Möglicherweise löst Covid-19 eine anhaltende Entzündungsreaktion aus, die die Organe einer Person auch dann noch schädigt, wenn sie das Virus überwunden hat – so ist das Risiko eines Herzinfarkts, einer Lungenentzündung, Nierenversagen oder Schlaganfall erhöht. "Wir glauben, dass es eine enorme Entzündungsreaktion gibt, die systemisch ist, und deshalb sehen wir sie nicht nur an einer Stelle lokalisiert", sagte er. Er fügte hinzu, dass das Virus bei keinem der verstorbenen Patienten in seiner Studie als Todesursache angegeben wurde, was darauf schließen lässt, dass die Krankheit möglicherweise noch tödlicher ist, als die verfügbaren Daten vermuten lassen. Ein Modell von der Wochenzeitung "The Economist" vom Mai deutete beispielsweise darauf hin, dass mindestens die Hälfte der COVID-19-Todesfälle weltweit nicht gemeldet worden waren.

Anhaltende Entzündungen können das Herz, die Lunge oder die Nieren schädigen

Schwere COVID-19-Erkrankungen haben laut Mainous in der Regel drei negative Auswirkungen auf die Gesundheit: Blutgerinnsel, Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme. Eine im Januar in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie ergab, dass bis zu 56 Prozent der ins Krankenhaus eingelieferten Corona-Patienten sechs Monate nach den ersten Symptomen Anzeichen von Lungenproblemen aufwiesen. Mainous' Forschungsteam stellte im Juli fest, dass Menschen, die mit einer schweren Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, mehr als doppelt so häufig wie Patienten mit milderem Verlauf wegen gesundheitlicher Komplikationen aufgrund der Krankheit erneut ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zu diesen Komplikationen gehörten Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenentzündungen und Lungenembolien – eine durch ein Blutgerinnsel verursachte Verstopfung in einer Lungenarterie.

Seltsamerweise starben jedoch die meisten hospitalisierten Corona-Patienten in der neuen Studie nicht an Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Blutgerinnungsproblemen. Stattdessen machten diese Erkrankungen nur 20 Prozent der Todesfälle unter den hospitalisierten Personen aus, die sich zunächst von einer schweren Covid-19-Erkrankung erholt hatten. Mainous sagte, dass eine aggressive Entzündungsreaktion bei einigen Patienten neben Herz und Lunge auch andere Organe wie Gehirn, Leber oder Nieren schädigen könnte.

"Es könnte eine Art Dysregulation der Organsysteme geben, an die wir nicht gedacht haben und die wir nicht überwachen", sagte er. Eine Impfung, so fügte er hinzu, verringert das Risiko, überhaupt im Krankenhaus zu landen. Die Corona-Impfstoffe sind nach wie vor hochwirksam und verhindern schwere Erkrankungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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