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Das ist der neue starke Mann der Stahlfirma Schmolz + Bickenbach

Im Streit über eine Kapitalerhöhung hat der öffentlichkeitsscheue Haefner hoch gepokert. Nun ist er Großaktionär – und will sich langfristig engagieren.

Pünktlichkeit ist eine Tugend, die in der Schweiz besonders groß geschrieben wird. Dass die Generalversammlung der in Schieflage geratenen Stahlfirma Schmolz + Bickenbach am Montag eine ganze Stunde später begann als geplant, zeigt den Ernst der Lage: Es geht um die Vorherrschaft im Unternehmen – und um viel Geld.

Der Grund für die Verzögerung war der Streit zweier Milliardäre: auf der einen Seite der Russe Wiktor Wekselberg, der bislang den größten Anteil an dem Unternehmen hielt, und auf der anderen Seite Martin Haefner, Ex-Mathelehrer und Multimilliardär.

Der 65-jährige Autounternehmer zählt zu den reichsten Schweizern, meidet die Öffentlichkeit. Doch beim Streit über eine Kapitalerhöhung von Schmolz + Bickenbach bezog er öffentlich Stellung. Haefner pokerte hoch – und wurde zum neuen starken Mann. Doch die Probleme der Stahlfirma sind damit nicht gelöst.

Haefner ist Alleininhaber des Autoimporteurs Amag. Die Firma wurde 1945 von Haefners Vater Walter gegründet. Bis heute importiert das Unternehmen sämtliche VW-Marken außer Porsche in die Schweiz.

Amag setzte zuletzt 4,6 Milliarden Franken um. Martin Haefner übernahm die Führung nur widerwillig. Er studierte Mathematik und arbeitete als Lehrer an den Kantonsschulen in Baden und Luzern. „Es dauerte einige Jahre, bis ich als Quereinsteiger meine Rolle fand und wusste, was ich im Auge haben muss und was nicht“, sagte er der „NZZ am Sonntag“.

Aktie ist schon seit Jahren ein Pennystock

Zum Familienbesitz gehört auch eine Beteiligung an Schmolz + Bickenbach, die Haefner jedoch wenig Freude gemacht haben dürfte. Bei der Stahlfirma mit 10.000 Mitarbeitern kriselt es schon länger, die Aktie ist seit Jahren ein Pennystock. Wegen der hohen Verschuldung sitzen die Banken der Firma im Nacken. Zu den Problemen am Stahlmarkt kommen nun auch noch die Schwierigkeiten der Autoindustrie, ein Hauptkunde.

In dieser Lage versprach Haefner zwei Dinge, die Schmolz + Bickenbach dringend braucht: bis zu 325 Millionen Franken frisches Kapital – und Ruhe für das krisengeplagte Unternehmen. Seine Bedingung: Oligarch Wekselberg sollte sich an der Kapitalerhöhung nicht beteiligen dürfen. Haefner wollte allein über den Kurs bestimmen.

Mit dieser Forderung konnte er sich aber nicht durchsetzen: Wekselberg hält mit seiner Liwet-Holding weiter rund ein Viertel der Aktien, dafür kann Martin Haefner bis auf 37,5 Prozent aufstocken.

Der neue Großaktionär beteuert, dass es ihm um ein langfristiges Engagement gehe. Am nötigen Kleingeld mangelt es nicht: Die Familie verkaufte 2018 ein Aktienpaket an der amerikanischen Softwarefirma CA Technologies. „Es ist mir aber zu langweilig, einfach nur Aktien zu kaufen und zu verkaufen“, sagte Haefner.

Langeweile dürfte bei Schmolz + Bickenbach nicht aufkommen. Die Finanzaufsicht muss der Kapitalerhöhung noch ihren Segen erteilen. Banken und andere Kapitalgeber müssen mitspielen. Verwaltungsratschef Jens Adler stimmte die Aktionäre auf eine langatmige Sanierung ein. Gut möglich, dass Haefners Finanzkraft künftig erneut benötigt wird.

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