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Nein, die neue Porsche-Aktie wird nicht wie Ferrari sein!

Der Börsengang von Porsche steht bevor und viele Beobachter ziehen Vergleiche zum überaus erfolgreichen Debut von Ferrari (WKN: A2ACKK). Ähnlichkeiten zwischen den beiden Luxusmarken sind nicht von der Hand zu weisen. Allerdings gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen der Volkswagen (WKN: 766403)-Tochter Porsche und Ferrari. Darauf sollten sich Aktionäre einstellen.

Volkswagen greift Ferrari von allen Seiten an …

Man könnte auf den ersten Blick den Eindruck bekommen, dass Volkswagen Ferrari von fünf Seiten in die Zange nimmt:

  • von der Seite aus attackiert Lamborghini, der italienische Lokalrivale

  • von unten wildert Audi immer wieder mit spannenden Motorsportmodellen wie dem R8

  • aus der Ferne konkurriert Bentley mit sportlichen Luxusmodellen

  • von oben macht Bugatti mit exzessivem Luxus und technischen Extremen Druck

Und dann ist da noch Porsche, die legendäre Sportwagenmarke aus Zuffenhausen. Nachdem Bugatti vor knapp einem Jahr bei einem 55:45-Joint-Venture von Rimac und Porsche untergekommen ist, soll nun Porsche verselbstständigt werden, um noch aggressiver seine Marktchancen ergreifen zu können.

… doch an Ferrari perlt das bisher alles ab

Ferrari steht weltweit für Motorsport und Luxus auf höchstem Niveau. Von Volkswagens scheinbarer Umklammerung haben sich die Italiener nicht groß beeindrucken lassen. Die Strahlkraft der Marke ist groß wie eh und je, was man auch an den blanken Zahlen ablesen kann. Nicht einmal wirtschaftliche und geopolitische Turbulenzen können dem Unternehmen viel anhaben.

Das begeistert auch die Börse. Während die meisten etablierten Autokonzerne mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt werden, sehen wir bei Ferrari einen Faktor im Bereich von 40. Sich voll auf Superluxus zu konzentrieren und umkämpfte Volumensegmente komplett zu meiden, zahlt sich offenbar aus.

Da dank geschickter Vermarktungstaktiken die Nachfrage das Angebot bei Weitem überschreitet, kann Ferrari traumhafte Renditen erwirtschaften. Mit dieser außerordentlichen Preissetzungsmacht muss sich das Unternehmen keine Sorgen um gestiegene Kosten machen – die gut betuchten Kunden übernehmen das gerne, soweit sie endlich beliefert werden.

Konkret zeigt sich bei den operativen Margen, dass die Volumen-Marktführer sich im einstelligen Bereich bewegen, während bei Ferrari stolze 25 Cent von jedem Euro in der Kasse bleiben. Diese fantastische Profitabilität führt dazu, dass Ferrari an der Börse eher mit Luxusgüterkonzernen verglichen wird. Die einschlägigen Risiken der Fahrzeugbranche, die auf den Kursen der anderen Automobilkonzernen lasten, treffen hier kaum zu.

Und Ferrari verschafft sich durch die Einführung neuer Modelle zusätzlich Platz. Mit dem kommenden SUV-Modell Purosangue wird Ferrari gegen den Lamborghini Urus und den Bentley Bentayga antreten.

Porsche ist nicht Ferrari

Porsche hat eine vergleichbar starke Marke und ist in der Lage, Ferrari in jeder Klasse Konkurrenz zu machen. Aber es gibt doch eine Reihe von Unterschieden, die es zu beachten gilt.

So haben die Porsche-Manager die Marke über die letzten Jahrzehnte deutlich stärker auf Volumen statt Exklusivität getrimmt. Auch weniger betuchte Autokäufer haben die Chance, eines der Einstiegsmodelle zu ergattern. Das hat den Vorteil, dass Porsche in guten Zeiten besser als Ferrari Größenvorteile ausspielen kann.

Entwicklungskosten verteilen sich so auf mehr Fahrzeuge und es lohnt sich mehr, eigene Technologien voranzutreiben, statt von Zulieferern abhängig zu sein. Die Betriebsmarge von 2021 erreicht zwar mit 16,5 % nicht ganz den Wert von Ferrari, aber das ist immer noch beachtlich angesichts des deutlich höheren Umsatzes. Der Nachteil ist allerdings, dass es in schlechteren Zeiten schwieriger wird, die Fabriken auszulasten.

Ein anderer Aspekt betrifft die Unabhängigkeit. Stellantis (WKN: A2QL01) hat bei Ferrari eine saubere Aufspaltung vorgenommen. Ferrari wurde sozusagen an die eigenen Aktionäre verschenkt. Bei Porsche hingegen soll nur ein Bruchteil der Vorzugsaktien an die Börse gebracht werden. Ein Viertel der Stammaktien soll an die Porsche SE (WKN: PAH003) gehen, der Rest im VW-Konzern verbleiben.

Und Oliver Blume, der neue CEO des VW-Konzerns, will sogar gleichzeitig Porsche-Chef bleiben. All das zeigt, dass Porsche weiterhin eng in der VW-Gruppe eingebunden sein wird, wenn es zum Beispiel um die Premium Platform Electric geht. Einerseits profitiert Porsche damit vom Zugriff auf die mächtigen Konzernressourcen. Andererseits wird sich die Marke so kaum aus dem Geflecht der Mächtigen lösen können, die über die verschiedensten Gremien Einfluss nehmen wollen.

Die Porsche-Aktie hat ihr eigenes Profil

Wir sind an der Börse schnell dabei, einzelne Aktien in bestimmte Schubladen zu schieben. Aber die Porsche-Aktie wird ihr ganz eigenes Profil haben. Keine andere Marke verbindet Tradition, Markenstärke, Sportlichkeit, Luxus und Volumen so überzeugend wie Porsche. Bei Porsche bekommt man einen speziellen Mix aus Mercedes-Benz (WKN: 710000), Tesla (WKN: A1CX3T) und Ferrari – mit einem Schuss Wolfsburg.

Der Artikel Nein, die neue Porsche-Aktie wird nicht wie Ferrari sein! ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von PORSCHE AUTOMBL UNSP/ADR, Tesla und Volkswagen AG.

Motley Fool Deutschland 2022