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Russische Gründer wollen Neobank für Unternehmer im Oktober an den Start bringen

·Lesedauer: 4 Min.

Eine Gruppe russischer Gründer will den europäischen Bankenmarkt für Unternehmer und Selbständige erobern. Unterstützung erhalten sie von internationalen Investoren.

Im Eiltempo nimmt eine Gruppe russischer Gründer den europäischen Bankenmarkt für kleine Unternehmen und Selbständige ins Visier. Finom heißt ihr Start-up – eine Wortschöpfung aus „Finanzen“ und „phänomenal“. Wie das Handelsblatt vorab von dem Unternehmen erfuhr, will es in der zweiten Oktoberhälfte in Deutschland starten und hat gerade weitere 10,3 Millionen Euro von internationalen Investoren wie Target Global, Entree Capital, Adfirst Ventures und FJ Labs erhalten.

Erst im April hatte es in einer Seed-Runde 6,5 Millionen Euro eingesammelt. „Unser ehrgeiziges Ziel ist es, innerhalb der nächsten fünf Jahre mehr als eine Million Kunden in Europa zu gewinnen“, sagt Co-Gründer Konstantin Stiskin.

In Russland hat das Gründerteam bereits die Modulbank aufgebaut, die sich ebenfalls auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert hat und ihren Angaben zufolge in Russland mehr als 255.000 Kunden zählt und profitabel arbeitet. Nach dem Verkauf ihrer Anteile im vergangenen Jahr wollen Oleg Laguta, Yakov Novikov, und Andrey Petrov nun gemeinsam mit Stiskin ihren Erfolg in Europa wiederholen.

„Wir haben die Fähigkeiten, das Produkt und die Erfahrung, um das zu schaffen“, sagt Stiskin ganz unbescheiden. Zugleich sei der komplette Neustart wichtig, um den europäischen Regulierungsbehörden klarzumachen, dass Finom ein „100 Prozent europäisches Start-up“ ist.

Neben Deutschland zählen zunächst Frankreich und Italien zu den Kernmärkten. Auch Länder wie die Niederlande, Polen, Spanien, Österreich und die Schweiz stehen auf der Expansionsliste. Ihr Hauptquartier haben die Gründer in Amsterdam eingerichtet. „Das ist ein guter Standort, um mehrsprachige Talente zu gewinnen und die lokalen Institutionen sind gegenüber unserer Branche sehr aufgeschlossen.“ Dennoch sind in den einzelnen Ländern Niederlassungen geplant. Auch in Deutschland werde es zudem zum Marktstart einen Manager für den lokalen Markt geben.

Mit ihrem Fokus auf kleine Unternehmen und Selbständige sind die Gründer in Europa allerdings nicht allein. In Deutschland sind in diesem Segment bereits Kontist und Penta aktiv. Holvi agiert in Finnland, Deutschland und Österreich, Qonto in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Auch die Deutsche Bank entwickelt mit Fyrst eine digitale Firmenkundenbank und manche Neobanken wie die britische Starling bedienen neben Privat- auch Geschäftskunden. Letztere profitierte in den vergangenen Wochen, da sie staatliche Corona-Hilfskredite vermitteln darf.

Für den Erfolg von Neobanken im Firmenkundengeschäft spricht nach Ansicht von Katrin Lumma, Partnerin bei der Unternehmensberatung zeb, dass dieses Segment noch weniger digitalisiert ist als das Privatkundengeschäft. Zudem seien Firmenkunden eher bereit, Kontogebühren zu zahlen. Allerdings betont sie auch die große Bedeutung des Kreditgeschäfts. „Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld sind Kredite für Unternehmen das wichtigste Bankprodukt“, sagt Lumma.

Produktangebot ohne Kredite

Kredite möchte Finom zumindest kurzfristig nicht vergeben. Ähnlich wie einige seine jungen Wettbewerber zielt es schwerpunktmäßig darauf ab, seinen Kunden bei der Buchhaltung und Steuererklärung zu helfen. Mit einer Software, die Unternehmern beim Erstellen und Verwalten von Rechnungen hilft, ist es bereits in Italien aktiv.

Zu den weiteren Funktionen zählen ein Multibanking zum Verwalten von Konten, die bei unterschiedlichen Banken geführt werden. Zudem sollen unterschiedliche Nutzer auf den Account zugreifen können. Die ersten 1000 Kunden pro Markt sollen ihr Finom-Konto für immer kostenlos erhalten, für die anderen werden je nach Leistungsumfang monatlich sieben bis 130 Euro fällig.

Neben Deutschland soll das Banking-Angebot auch in Frankreich im Oktober starten. In Deutschland arbeitet das Unternehmen dafür mit der Solarisbank zusammen – in Frankreich mit dem Start-up Treezor. Dadurch sollen die Konten lokale IBAN haben. Auch die Debit-Karten werden von diesen Bankdienstleistern herausgegeben. Finom plant jedoch, eine eigene Banklizenz in einem EU-Land zu beantragen. „Die können wir dann in allen EU-Staaten nutzen“, so Stiskin.

Trotz des europäischen Binnenmarktes ist es allerdings nicht einfach, ein grenzüberschreitendes Banking-Angebot für Unternehmer zu etablieren. Das hatte kürzlich auch Penta eingestanden, das seinen Rückzug aus Italien ankündigte und dabei auf die komplexen italienischen Steuergesetze verwies.

Auch Stiskin kennt die Probleme und zählt zudem die unterschiedlichen Sprachen, sowie die unterschiedliche Akzeptanz von Online-Banking und Finanzdienstleistungen dazu. „Doch Europa ist einer der größten Weltmärkte, deshalb nehmen wir die Herausforderung an“, sagt er.

Aktuell zählt Finom 70 feste und freie Mitarbeiter. Von der Coronakrise lässt sich das Unternehmen derweil nicht ausbremsen. „Das hatte keinen Einfluss auf uns, weil das Team von Beginn an auf das Arbeiten von zu Hause aus eingerichtet war“, so Stiskin. Gleichwohl habe sich die wirtschaftliche Situation in Europa zwischenzeitlich dramatisch verändert. Die Gründer erwarten allerdings, dass als Reaktion auf die Krise die Zahl der kleineren Unternehmen und Selbständigen in den kommenden Monaten steigen wird.

Mehr: Firmenkunden sollen Smartphone-Banken durch die Krise tragen