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Neue Mogelpackungen bei Babynahrung

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: Getty)

Das ist eine der höchsten Preiserhöhungen in der 15-jährigen Geschichte der Mogelpackungsliste: Bio Direktsaft von Hipp wurde um 115 Prozent teurer! Auch bei Babybrei gab es eine saftige Preiserhöhung, außerdem lassen die Zutaten des Breis nun zu wünschen übrig.

Da staunte selbst die Verbraucherzentrale Hamburg nicht schlecht: Weniger Inhalt bei gleichzeitiger Preiserhöhung – macht beim Bio Direktsaft Karotte von Hipp eine Preiserhöhung von satten 115 Prozent.

Dafür bekommt der Babynahrungs-Hersteller nicht nur den unrühmlichen Titel „Mogelpackung des Monats September“, sondern schafft damit auch – neben einem Tee – die höchste Preiserhöhung in der fast 15-jährigen Geschichte unter rund 1.000 Produkten auf der Mogelpackungsliste.

Bisher war der Bio-Karottensaft in einer 500-Milliliter-Flasche erhältlich. Die wurde verkleinert, drin sind jetzt nur noch 330 Milliliter.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Doch dem nicht genug, wurde auch noch der Preis erhöht. „Bis vor Kurzem mussten Verbraucher für die 500-Milliliter-Flasche beispielsweise bei der Drogeriekette Budni in Hamburg 1,05 Euro bezahlen. Das entspricht einem Grundpreis von 2,10 Euro pro Liter. Die neue 330-Milliliter-Flasche kostet beim selben Händler jetzt 1,49 Euro und damit 4,52 Euro pro Liter. Der Saft ist also mehr als doppelt so teuer – die Preiserhöhung liegt bei 115 Prozent“, so die Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Rezeptur des Karottensafts wurde von 100 Prozent Karottensaft auf 99 Prozent Karottensaft mit einem Schuss Zitrone geändert.

Direktsaft Milder Apfel ebenfalls betroffen

Auch bei der Sorte „100 % Bio Direktsaft Milder Apfel“ wurde die Packungsgröße auf 330 Milliliter verkleinert, die Preiserhöhung im Handel liegt ebenfalls bei 115 Prozent. In der neuen Flasche befinde sich allerdings in diesem Fall nun naturtrüber Apfelsaft, vorher sei der Saft klar gewesen.

Auf Anfrage der Verbraucherschützer teilte Hipp mit, dass Eltern die Füllmenge von 500 Milliliter für einen Baby- beziehungsweise Kindersaft als zu groß empfunden hätten. Schließlich müsse der Saft laut Verpackungsangabe nach dem Öffnen innerhalb von drei Tagen aufgebraucht werden.

Versteckte Preiserhöhung auch bei Bebivita Milchbrei

Bei der Marke Bebivita, einer Tochterfirma von Hipp, wurden ebenfalls durch Füllmengenreduzierung indirekt die Preise erhöht, meldet die Verbraucherzentrale weiter. Bisher gab es verschiedene Milchbreie in einer Sparpackung mit 600 Gramm. Nun ist deren Inhalt auf 500 Gramm geschrumpft. Bei gleichem Preis von 2,99 Euro macht das eine versteckte Preiserhöhung von 20 Prozent.

(Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Zudem kritisieren die Verbraucherschützer die Inhaltsstoffe der neuen Packungen. Die Tochterfirma von Hipp werbe mit „Neue Rezeptur“ und „Ohne Zuckerzusatz“. Doch der Zuckeranteil bei der neuen Packung sei sogar noch höher, statt vorher 33 Prozent Zucker seien es nun 43,2 Prozent.

„Das Wörtchen ,Zucker‘ sucht man tatsächlich vergebens auf der neuen Zutatenliste. Die Süßungsmittel sind teilweise Fruchtpürees, verstecken sich aber vor allem hinter der Angabe Molkenerzeugnis im Zutatenverzeichnis. Ein Molkenerzeugnis enthält viel Milchzucker, das erklärt den erhöhten Zuckergehalt im Brei“, erklärt die Verbraucherzentrale.

Also: Beim Kauf von Babynahrung lohnt es sich nicht nur, auf den Preis zu achten, sondern auch einen genauen Blick auf die Zutatenliste zu werfen.

Versteckte Preiserhöhungen wie diese sind leider keine Seltenheit und beim Einkaufen bleibt oft nicht die Zeit jedes Mal das Kleingedruckte auf den Verpackungen zu studieren. Deshalb hat es sich die Verbraucherzentrale Hamburg fast 15 Jahren zur Aufgabe gemacht, immer wieder auf solche Mogelpackungen hinzuweisen.

Helfen Sie mit: Wenn Ihnen auch Mogelpackungen auffallen, freut sich die Verbraucherzentrale Hamburg über eine kurze Meldung per E-Mail an ernaehrung@vzhh.de oder das Kontaktformular auf ihrer Internetseite.

Weitere Informationen zu aktuellen Mogelpackungen finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg und auf der Facebook-Seite der Verbraucherschützer.

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