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Die neue E-Auto-Förderung wird endlich die Käufer locken

Marlon Bonazzi, Chefredakteur und Analyst für internationale Aktien

Die Situation ist schnell erklärt: Das Gerede um Elektroautos ist groß, aber noch machen die meisten Käufer einen weiten Bogen um sie. Im August waren in Deutschland gerade einmal 5.001 der zugelassenen PKW Elektroautos, was einem Anteil von 1,6 % entspricht. Das ist eigentlich fast nichts.

Ich habe aber das Gefühl, dass nach jahrelangem Hype schon bald der Dammbruch kommt. Die heftige Debatte über den Klimawandel dürfte sich im Gewissen von immer mehr Konsumenten niederschlagen, und die Mathematik ist immer mehr auf ihrer Seite.

Nachdem man lange Zeit bei den meisten Elektroautos für hohe Preise wenig Leistung bekommen hat, wendet sich langsam das Blatt. Das liegt einerseits an neuen Modellen und andererseits an den geplanten neuen Förderungen.

Das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung sieht eine Erhöhung der Kaufprämie von Elektroautos mit einem Preis von unter 40.000 Euro vor. In den Medien kursierten Zahlen von einer Prämie von bis zu 6.000 Euro. VW bringt mit dem ID.3 bald seinen ersten attraktiven Stromer auf den Markt. Der soll in der Basisversion eine solide Reichweite von 330 Kilometern haben und knapp unter 30.000 Euro kosten. Kommt die höchste, derzeit kursierende Prämie, müsste man effektiv noch etwas unter 24.000 Euro zahlen. Das ist ein passabler Preis.

Elektroautos werden aber nicht nur über diese Prämie begünstigt. Auch die verringerte Dienstwagensteuer macht Elektroautos attraktiver, und das teilweise deutlich. Hier wurde das neue Klimaschutz-Eckpapier auch schon konkret und nannte eine weitere Verringerung der Versteuerung von elektrischen Dienstwagen, die höchstens 40.000 Euro kosten, auf 0,25 Prozent – ein Viertel der normalen Steuer.

Nehmen wir als Gedankenspiel einmal vereinfacht an, ein Gutverdiener mit einem Grenzsteuersatz von 42 % muss seinen 40.000 Euro teuren Benziner als Dienstwagen versteuern. Da müssen 400 Euro im Monat versteuert werden, was einer zusätzlichen Einkommenssteuerlast von 168 Euro entspricht. Entscheidet er sich hingegen für einen gleich teuren Stromer, müsste er in Zukunft wahrscheinlich nur noch 100 Euro versteuern, was zu einer zusätzlichen Einkommenssteuerlast von 42 Euro führt. Er spart im Vergleich also ziemlich beachtliche 126 Euro im Monat.

Man könnte noch andere finanzielle Vorteile von Elektroautos auflisten, aber Prämie und Versteuerung von Dienstwagen zeigen, dass bei Elektroautos endlich die Rechnung für Konsumenten aufgehen dürfte. Wenn sich das herumspricht und die Gewissensbisse der Fahrer von Verbrennern immer größer werden, dürften sich in den nächsten Jahren viel mehr Käufer als bisher für ein Elektroauto entscheiden.

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Offenlegung: Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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